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Heilix Blättle?

Murkserei in Wort und Bild ist keine Zeitung


(tutut). Was ist eine Zeitung? Da stellen sich viele Zeitungen ganz dumm. Und sagen ihren Lesern eben nicht, dass sie gar keine Zeitung sind, sondern Murkserei in Wort und Bild. Wenn der Leser seit Jahren vielleicht gar keine Chance mehr hat, dies nachprüfen zu können, weil er längst vergessen hat, dass die heutige Einheitszeitung mal eine richtige Zeitung war, damals, als es zum Vergleich im Wettbewerb noch eine zweite oder möglicherweise eine dritte gab, dann merkt er dies auch nicht, falls er sie sich überhaupt noch hält, der Todesanzeigen wegen. Sind die das teure Abo wert?
Was ist eine Zeitung? Es war einmal, da stellten die sich nicht dumm. Da wurde die Aufgabe ernst genommen, die da lautet, jüngstes Gegenwartsgeschehen in kürzester regelmäßiger Folge der breitesten Öffentlichkeit zu vermitteln. In manchen Landkreisen ist dies sogar noch der Fall.
Nun frage sich jeder Leser einer heutigen Zeitung selbst, ob ihm damit sein Leib- und Magenblatt dienen kann? Sind viele Lokalblätter nicht vorwiegend in eigener Sache unterwegs, produzieren sie sich nicht selbst häufig als Nachricht?
Die Prognosen für das Ende der Papierzeitung warten alle paar Monate mit geringeren Verfallsdaten auf. Die einzige Chance zum Überleben hat noch das Lokalblatt, aber auch nur, wenn es Zeitung ist im ursprünglichen und besten Sinne und auf Qualität setzt. Aber mit schlechten Leuten kann nie eine gute Zeitung gemacht werden. Eher schon ein Witzblättchen voll unfreiwilliger Komik. (Siehe auch heute "Gelesen".)
Wer sein Lokalblatt anschaut, wird merken, dass es meist düster aussieht. Immer weniger, immer schlechteres, immer schlechter ausgebildetes Personal, das nur so vor Unfähigkeit rostet und offenbar zu jeder verlegerischen Schandtat bereit ist, weilamJob klebend. Viele Artikel würden in der Grundschule kein "Befriedigend" mehr schaffen, dort, wohin der Werbefeldzug von Lokalblättern vor lauter Verzweiflung über Leserabwanderung schon gelandet ist.
Und die sogenannten Redaktionen? Wenn sie noch neben Zeitungsaustragen und Abowerbung Zeit haben, produzieren sie am PC Altpapier vorwiegend mit Hilfe von Chefredakteur "PM", der überall sitzt, nur in keiner Redaktion und von Journalismus soviel Ahnung hat wie ein Dorffeuerwehrkommandant vom Löschen eines Großbrandes.
Angesichts nicht gerade rosiger Zukunftsaussichten ist in manchen Verlagen Feuer unterm Dach. Es wird das Heil gesucht nicht nur in läppischen unaktuellen Serien als Nachrichtenersatz, weil sie zur beliebt gewordenen Planwirtschaft für etwas passen, das gar nicht planbar ist, wenn es Zeitung sein will. Oder man und frau  suchen das Heil in der Kampagne. Pech nur, wenn sie auf der falschen, der Verliererseite sind, weil ein paar Leute im Übereifer möglicherweise übersehen haben, dass sie nicht die hellsten und schon gar nicht die schnellsten sind.
Wenn dann in der Not der fehlenden Nachrichten und Argumente sogar die Idee aufkommt, einen Krieg der Sterne gegen das Internet mit Muskelspielchen per Anwaltskanzleihilfe zu beginnen, weil ein bloßgestellter Riese ins Taumeln geraten ist, konnte dies nur enden, wie es endete: im Hornberger Schießen, das sich nicht mehr auf Hornberg beschränkt, denn manchmal genügt ein guter Anwalt gegen eine ganze Kanzlei.
Wenn eine Zeitung heutzutage sich von dem verabschiedet, was Zeitung ausmacht, was ist sie dann noch? Mehr als Altpapier? Voll mit Gruppenbildchen aus Kindergärten, Schulen, Lehrlingswerkstätten, aus Schlauchtürmen , Kirchen, von Bastlern, Ministranten, Firmlingen und Hydranten, von Wanderern und Kohlköpfen, von Geißlein und Wölflein, von heiligem Bimbam und Flohmarktkrempel, von Berichten übers vergangene Wetter?
Verkommen dann Redaktionen nicht zu Versuchsschreibwerkstätten, wo mancher oder manche sich dünkt, noch Fäden in der Hand zu halten, welche längst abgerissen sind? Versuchen sie nicht Netze zu spinnen, durch deren Maschen sie selbst als erste fallen? Warum  werden keine Warnhinweise für Lokalblätter vorgeschrieben, wenn sie Zeitungen nachmachen, so wie es auf Geldscheinen steht? Wo ist der Beipackzettel mit Risiken und Nebenwirkungen?
Die sogenannte vierte Macht hat abgedankt, wenn sie sich nicht mehr hält an das Gebot, das da lautet, eine Zeitung hat jüngstes Gegenwartsgeschehen in kürzester regelmäßiger Folge der breitesten Öffentlichkeit zu vermitteln.  Heilix Blättle? Auch in Redaktionen sitzen keine heiligen Kühe oder Ochsen. Manchmal halten sie sich dafür. Nur weil sie Mist machen? Sind sie dann nicht schlachtreif?
Werden Nachrichten unterdrückt, verfälscht, hinausgezögert, wird manipuliert, werden Kampagnen gefahren, wird nicht unterschieden zwischen Werbung und Information, gerieren sich Chefredakteure als Erbsenzähler und Buchhalter, ist Talent das Letzte, was ein Journalist heute braucht? Sollte dann der Leser nicht nur höflich, sondern auch nachdrücklich fragen, ob das, was er für sein Geld bekommt, dieses überhaupt wert ist? Mal anzunehmen, er will eine Zeitung. Kriegt er eine? Niemand würde einem Handwerker Pfusch durchlassen und dafür noch bezahlen? Bei Zeitungen aber ist dies teuer bezahltes Schicksal? Übrigens: Zeitung heißt Nachricht, schon lange, bevor sie auf Papier daher kam, das schneller in der Tonne landet, als  es produziert worden ist.