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Hupkonzert während Videokonferenz

Althütte-Sechselberg im Schwäbischen Wald: „SO NICHT!!“ – ein Dorf wehrt sich, Corona-Hotspot zu werden

Das kleine schwäbische Dorf Sechselberg soll Corona-Hotspot aller mit dem Covid 19-Virus infizierten "Flüchtlinge" und "Asylbewerber" in Baden-Württemberg werden. Große Unruhe im Dorf und eine überregionale Berichterstattung erzeugten so viel Druck auf die Verantwortlichen, dass am Dienstag eine Videokonferenz angesetzt wurde.

Die Bürger sollten auch mit diesem Instrument eingelullt werden. Eine Vorgehensweise, wie sie schon hundertfach im Land angewandt wurde: Die Bewohner werden bei sogenannten Informationsveranstaltungen angehört, ein paar Offizielle zeigen, dass sie ihre Satzbausteine fleißig auswendig gelernt haben. Es wird Verständnis geheuchelt, angeblich ist alles aber unumkehrbar und sowieso nur zum Besten Aller.

Am Ende gehen dann viele mehr oder weniger desillusioniert nach Hause. So offensichtlich auch der Plan bei der auf 300 Teilnehmer begrenzten digitalen Informationsveranstaltung, die aus dem Rathaus heraus moderiert und gesendet wurde. Der Althütter Bürgermeister Reinhold Sczuka und ein Vertreter des Regierungspräsidiums Stuttgart, Referatsleiter Thomas Deines, erklärten ihre Sicht der Dinge.

Viele Bürger zeigten ganz offen, dass sie in Opposition zu ihrem Bürgermeister und der Entscheidung des Regierungspräsidiums stehen. Warum der Bürgermeister nicht vor seiner Gemeinde steht oder warum nicht in den LEAs extra Bereiche für Infizierte geschaffen werden, waren Fragen, die mit vielen Worten und nicht im Sinne des Großteils der Einwohner beantwortet wurden.

„SO NICHT!!“ – Hupkonzert als Zeichen des Protests
„SO NICHT!!“, scheint das Motto in diesem Teil des Schwäbischen Waldes zu lauten. Die Bürger wissen offensichtlich, was sie wollen und was nicht. So fuhren während der Veranstaltung vor dem Rathaus immer wieder Einwohner des Ortes vorbei und zeigten ihren Protest lautstark durch Hupen.

Zuvor waren im Internet diese Zeilen zu lesen: „Ich habe mitbekommen, dass heute sehr viele um 18 Uhr mit ihrem Auto nach Althütte zur Volksbank fahren, um dort den Kontostand zu überprüfen, Geld abzuheben, Kontoauszüge zu holen etc. Eventuell wird es Stau geben und sicherlich wird gehupt werden“.

Davon bekam auch die Polizei Wind, und so standen zwischen Rathaus und Volksbank schließlich vier Polizeifahrzeuge, davon zwei Mannschaftswagen, besetzt mit je acht Polizeibeamten. Wie PI-NEWS erfuhr, gestaltete sich der Kontakt zwischen Bürgern und Polizei jedoch äußerst harmonisch. Solange die 1,5 m Abstand zwischen den Personen eingehalten wurden, griffen die Ordnungshüter nicht ein und zeigten im Gespräch auch Verständnis für die Proteste. „Wir können den Unmut der Leute gut verstehen“, so ein Beamter. Im Laufe der ca. eine Stunde dauernden Videokonferenz kamen 30 bis 40 Bürger auf den Platz oder/und fuhren mit ihrem Auto hupend am Rathaus vorbei.

Auch in den Tagen danach – Protest im Ort. Es wurden zwei Großbanner aufgehängt mit der Aufschrift: "SO NICHT! Wir haben Angst!" und "SO NICHT! Verrat am Dorf". Das Banner, mit dem die Bürger ihrer Angst Ausdruck verliehen, wurde sehr schnell von der Polizei entfernt (auf Geheiß von wem?).

An dieser Stelle vielen Dank an die Einwohner von Althütte, die PI-NEWS zu Dokumentationszwecken verschiedentliche Fotos zusandten. Kontaktmöglichkeit besteht hier: info@pi-news.net.

Am zukünftigen Corona-Hotspot wird alles für die infizierten Flüchtlinge vorbereitet. Ob allerdings die dünnen Bauzäunchen tatsächlich als Sicherung dienen sollen? Zehn private Sicherheitskräfte sollen ständig vor Ort sein, heißt es.

Infizierte Dorfbewohner sieht Bürgermeister als die größere Gefahr
Die Stuttgarter Zeitung zitiert Bürgermeister Reinhold Sczuka nach Bekanntwerden des 1. Coronafalls im Dorf mit den Worten: „Ich glaube aber, dass Kontaktpersonen, die derzeit noch bei uns unterwegs sind, eine größere Gefahr darstellen als diese Einrichtung“.

Sczuka hat auf seiner Facebook-Seite sein Motto veröffentlicht: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“. Wir fragen: Gilt das als Bürgermeister auch für die Umsetzung des Bürgerwillens? Diese Frage gilt es zu klären, möchten doch viele wissen, woran sie sind, sollte Sczuka sich auch weiterhin als Nachfolger von Wilfried Klenk als CDU-Kandidat für den Landtag im Wahlkreis Backnang zur Verfügung stellen.

Dauereinrichtung und Kontakte mit Bevölkerung geplant?
Thomas Deines vom Regierungspräsidium Stuttgart gibt Grund für Spekulationen, ob die Isolation der Flüchtlinge und die Eindämmung des Virus gelingen wird. Die Stuttgarter Zeitung schreibt: „Da die Bewohner des Zentrums noch keine sozialen Kontakte in Althütte haben, geht Deines nicht davon aus, dass sie die Quarantäne brechen.“

„Noch keine sozialen Kontakte“, wie Deines sagt. Muss davon ausgegangen werden, dass soziale Kontakte im Verlauf der Unterbringung mit Dorfbewohnern geplant sind, wie es auch nach 2015 vielerorts geschehen ist? Eigentlich hieß es, dass die infizierten Flüchtlinge ihn ihren Zimmern in Isolation bleiben. Am 27.3.2020 schrieben die Stuttgarter Nachrichten noch: „Bewohner dürfen Zimmer nicht verlassen“. Wird diese Vorgabe schon gelockert, bevor die ersten eintreffen?

Und auch eine Antwort aus der Videokonferenz muss zu denken geben, was von den Ankündigungen und Versprechungen allgemein zu halten ist. Eine Bürgerin fragte: „Kann zugesagt werden, dass dies keine Dauereinrichtung wird?“. Nein, das könne er nicht, so Deines.
(pi-news.net)

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