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Hurra, wir haben Lockdown!

Im Mai 1989 betrug die Zustimmung zur SED-Herrschaft noch 99 Prozent

Von Vera Lengsfeld

Wenn man der Umfrage von ARD-„Deutschlandtrend Extra“ glauben will, begrüßt die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland enthusiastisch die größten Freiheitsbeschränkungen seit dem Zweiten Weltkrieg, die Ausgangssperre, die sonst nur im Krieg und in Militärdiktaturen verhängt wird, inklusive. Ja, satte 16 Prozent äußerten die Auffassung, die Vorgaben gingen nicht weit genug!

Wenn dieses Meinungsbild annähernd stimmen sollte, ist das ein Beweis für die Wirksamkeit der Corona-Propaganda, mit der wir seit fast einem Jahr befeuert werden und ein Beleg, wie wenig Menschen den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen.

Die Mitarbeiter von Hotels und Gaststätten sind dankbar, dass sie weiter Kurzarbeitergeld bekommen, ohne arbeiten zu müssen. Die Friseure, Kosmetikerinnen, Masseure, Tattoo-Stecher freuen sich, so kurz vor Weihnachten in Kurzarbeit geschickt zu werden. Besonders toll finden sie, dass nur ihr Grundlohn für das Kurzarbeitergeldes berechnet wird. Ihr Trinkgeld, das sie der Steuer angeben müssen, um ihren Obolus zu entrichten, fällt unter den Tisch. Macht nichts, denn die Regierung hat dafür gesorgt, dass sie weniger Ausgaben haben, weil sie eh zu Hause bleiben müssen und weder Freunde noch entferntere Verwandte empfangen dürfen.

Bei den seit letzten Mittwoch geltenden Vorgaben findet der neuen Erhebung zufolge unter anderem das Verbot von Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit breite Zustimmung: 86 Prozent der Umfrageteilnehmer unterstützten dies.

Wo sind all die Glühweintrinker hin, die ein den ersten beiden Adventswochen die Parks, Straßen und Plätze bevölkerten? Sind die blitzbekehrt? Immerhin hatten diese Stände und ihre Besucher für etwas vorweihnachtliches Flair in der bürokratisch verordneten Dunkelheit gesorgt.

Erstaunlicherweise gab es noch keine Mehrheit für das Gottesdienstverbot, nur des christlichen selbstverständlich. Immerhin waren 50% der befragten der Meinung, sie dürften weiterhin stattfinden. Nur gesungen darf nicht mehr. Die Taliban wird das freuen.

Breite Zustimmung findet angeblich auch das Verbot von Versammlungen und Feuerwerken auf öffentlichen Plätzen an Silvester und Neujahr (85 Prozent).

Bei den Versammlungen sind sicher nicht die der linken Polizeihasser gemeint, die nach wie vor stattfinden dürfen, während Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen nun auch von den Gerichten verboten werden. Wir dürfen auch sicher sein, dass es großzügig toleriert wird, wenn die Antifa in Leipzig-Connewitz ihre Silvester-Party wie jedes Jahr mit jeder Menge Böller und Feuerwerkskörper gegen die Polizei steigen lässt. Schließlich leben wir in einer Demokratie!

Auch die Schließung von weiten Teilen des Einzelhandels und von Dienstleistungsbetrieben (67 Prozent) findet breite Zustimmung. Was braucht man auch Einzelhandelsgeschäfte, wenn der Paketbote jeden gewünschten Artikel nach Hause bringt und wieder abholt, falls er nicht gefällt? Die Unternehmer sind von der Last befreit, sich täglich um ihre Klitsche kümmern zu müssen. Falls der Lockdown jemals aufgehoben werden sollte, können die Handelsketten Läden und Kundschaft übernehmen, oder auch nicht.

Die Verödung der Städte ist kein Problem, weil in Zukunft das Leben sich vor allem im home sweet home abspielt und geselliges Beisammensein gesellschaftlich geächtet ist, jedenfalls für Krethi und Plethi, denn den Herrschenden werden wir ihre Empfänge, Partys und Arbeitsessen von Herzen gönnen. Ein paar Privilegien müssen schon sein, um die Bürde des Verbote erlassen Müssens zu erleichtern.

Ach, da fällt mit ein, im Mai 1989 betrug die Zustimmung zur SED-Herrschaft noch 99 Prozent. Ein halbes Jahr später war der Spuk zu Ende. Man darf die Hoffnung nie aufgeben!
(vera-lengsfeld.de)

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