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"Ich freue mich auf das gemeinsame Arbeiten"

Spaichingen führt Bürgermeister Schuhmacher ins Amt ein

Neue Bürgermeisterstellvertreterin und alter neuer Bürgermeister: Isabella Kustermann und Hans Georg Schuhmacher.
(tutut). Das muss man Hans Georg Schuhmacher ja lassen: Er füllt Säle. Zum zweiten Mal hintereinander war es der "Kreuz"-Saal. Erst die Bürgerversammlung nach der Wiederwahl, jetzt die Gemeinderatssitzung zur Amtseinsetzung. Der Bürgermeister ist der selbe geblieben, nur der Rat hat sich verändert.Es wird wohl kaum jemand vermisst worden sein. Die bühnenerfahrene Isabella Kustermann meisterte ihre Premiere als Bürgermeisterstellvertreterin so, als wäre sie es gewohnt. Der alte und neue Bürgermeister sieht sich Stadt und Bürgern verpflichtet. MdL Leo Grimm (FDP), der neue Landrat Stefan Bär und der Erste Bürgermeister von Tuttlingen, Emil Buschle, appellierten an die Spaichinger, nach heftigem Wahlkampf Gräben wieder zuzuschütten, wozu Buschle dem Schultes und seinem unterlegenen Herausforderer Tobias Schumacher Minibagger mitbrachte.

Auch der neue Landrat Stefn Bär (Mitte) gratulierte.
Wenn zur Begleitung so flott musiziert wird wie im "Kreuz"-Saal von einer Bläsergruppe, werden Gemeinderatssitzungen stets in Sälen stattfinden müssen. Wann ist in solchen Veranstaltungen schon mal nach "Zugabe!" gerufen worden?
In Anwesenheit auch von Ehrenbürger und Bürgermeister i.R. Albert Teufel  und Angehörigen des Bürgermeisters und seiner Ehefrau Christine gratulierte die Bürgermeisterstellvertreterin unter großem Beifall Hans Georg Schuhmacher zu dem "überaus deutlichen Vertrauensbeweis" mit dem er wiedergewählt worden ist. Sie bestätigte ihm, in den letzten acht Jahren viel bewegt, verändert und auf eien guten Weg gebracht zu haben. Sie wünschte sich eine gedeihliche Zusammenarbeit mit den Umlandbürgermeistern und gab sich zuversichtlich, zukunftsgerechte Lösungen zum Wohle der Stadt zu finden mit ihm und mit dem Gemeinderat zu finden.
Bürgermeister: staatspolitisches Bekenntnis
Hans Georg Schuhmacher sprach von der Ehre, seinen Amtseid ableisten zu dürfen als sein staatspolitisches Bekenntnis, nämlich diesen Staat in seiner gesellschaftspolitischen Werteordnung vertreten zu dürfen und sich niemals gegen die Grundwerte der Verfassung stellen werde. Er werde stets auch die Anerkennung und Freiheit jedes einzelnen Bürgers über die Individualinteressen  einzelner, vielleicht auch namhafter, Bürger stellen werde, innerhalb der gegebenen Rechtsordnung. Der Bürgermeister dankte dem großen Vertrauen der Bürger und bedauerte, dass der Wahlkampf nicht frei war von "unfairen Dingen" war bis hin zu einer begleitenden Berichterstattung der im Ort ansässigen Presse, "die ich mir so nicht im vorhinein hätte vorstellen können, schon gar nicht hätte vorstellen wollen"..

Blumen für die Frau des Bürgermeisters, Christine Schuhmacher.
Mit dem ihm gegebenen Vertrauensvotum sei auch ausgedrückt worden, "dass vieles gut war, was wir gemeinsam in den vergangenen acht Jahren zusammen erreicht haben". Als er vor acht Jahren nach Spaichingen gekommen war, sei klar gewesen, dass er und sein Vorgänger zwei unterschiedliche Persönlichkeiten seien. Für manche müsse ungewohnt gewesen sein, wie er versucht habe, der Stadt Impulse zu geben: Stadtsanierung von der Innenstadt her, Schaffung von Wohnraum für hier arbeitende Menschen, Gleichbehandlung von Vereinen mit füralle verbindliche Förderrichtlinien, Gleichbehandlung bei der Musikschulförderung, Regelung er Finanzierung in der Verwaltungsgemeinschaft, Förderung der Frühkinderbetreuung im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf,die Schaffung einer dienstleistungsorientierten Verwaltung.
Albert Teufel habe es nicht schlechter gemacht,sondern das solle nur heißen, dass er der Stadt Impulse geben wolle, die er als Außenstehender als vernünftig und notwendig angesehen habe. Niemand könne nun sagen, dass sich diese Stadt nicht weiterentwickelt habe, dass nicht enorm viel bewegt und verändert worden sei. Dies sei in zahlreichen Sitzungen des Gemeinderats auf den Weg gebracht worden. Er sei nun in der glücklichen Lage, das fortführen zu dürfen, was er zum Teil sehr mühsam in den vergangenen Jahren begonnen und entwickelt habe. Er finde es auch gut, das die Spaichinger einen Bürgermeister gewählt hätten, der streitbar sei.
Er werde auch in den nächsten Jahren nicht nachlassen in seinem Bemühen, eine für die Stadt und die Verwaltungsgemeinschaft vertretbare Finanzierungsregelung  hinzubekommen, die verlässlich, dauerhaft und passgerecht sei auch dann, wenn Kollegen vom Gründergeist der Gemeinschaft redeten, der angeblich verloren gegangen sei. Man müsse sich auch vor Augen führen, dass Zeiten sich veränderten, und Veränderungen brächten auch die Aufgabe von Gewohntem mit sich. In einer schnellebigen Zeit müsse man sich auch selbst verändern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Man müsse nicht jeden Trend mitmachen, wie beispielsweise privat bauen zu lassen und dann mieten, was sich inzwischen als teurer herausgestellt habe.

Flotte Sitzungsbegleitung.
Wichtig sei, handwerklich sauber zu arbeiten und nachhaltig im Sinne einer verträglichen Finanzentwicklung. Dies gelte auch für die kommenden Jahre, wo es um eine "vernünftige" Weiterentwicklung der Kläranlage gehe, zahlreiche Gemeindestraßen müssten instandgesetzt werden, Kindergärten müssten für die Kinder von Betriebsangehörigen geöffnet werden, welche nach Spaichingen geholt worden seien, hinreichender und bedarfsgerechter Wohnraum sei zu schaffen. Stadtsanierung dürfe nicht beim Marktplatz aufhören, zur nachhaltigen Entwicklung müsse auch die Bahnhofstraße mit Bahnhof und Gewerbemuseum gehören. Die alte Tunrhalle müsse denkmalschutzwürdig saniert werden, wobei tief in die Tasche zu greifen sei. Auch die Stadionhalle Unterbach stehe auf dem Programm.
Die Stadt müsse sich auch gesellschaftlichen Wandlungen stellen. In der Schulpolitik zum Beispiel, wichtiger denn je sei auch die Zusammenarbeit mit Kirchen und Religionsgemeinschaften. Die Vereine könnten weiterhin auf Unterstützung rechnen, soweit dadurch Vereinszwecken gedient werde. Er bat den Gemeinderat zum Wohle der Stadt parteiunabhängig im Sinne einer Weiterentwicklung der Stadt Diskussionen zu führen und in der Öffentlichkeit seriös damit umzugehen. Anschließend gab sich Schumacher überzeugt, "dass eine schöne Amtszeit vor mir liegt, an deren Ende Sie sagen werden, dass sich unsere Stadt weiter bewegt hat". Dafür werde er alles in seiner Macht stehende tun. "Ich freue mich auf das gemeinsame Arbeiten, ich freue mich auf das Zusammenleben mit Ihnen, und ich freue mich auf die Dinge, die wir in Zukunft gemeinsam angehen werden", schloss der Bürgermeister sozusagen seine zweite Antrittsrede.

"Gehen wir sachlich miteinander um": MdL Leo Grimm
MdL Leo Grimm: Spaichingen ist die Sache der Bürger
Der Spaichinger Landtagsabgeordnete Leo Grimm (FDP) zitierte zu Beginn und am Schluss seines Grußwortes den größten Spaichinger des 19.Jahrhunderts, Anton Kupferschmid: "Der Wert des Menschen richtet sich nicht nach seiner äußeren Stellung. Aber er richtet sich danach, wie er diese Stellung zu Nutz und Frommen des Ganzen ausfüllt. Der einzige Unterschied ist nur, dass das Maß der Pflichten und Verantwortung äußerlich sichtbarer hervortritt, je höher die gesellschaftliche Stellung ist. Im Wesen bleibt es sich gleich. Immer ist die sittliche Tüchtigkeit der wahre Wertmesser, und wird der Mensch danach zu bemessen sein, ob und wie er auf dem ihm beschiedenen Platz seine  Pflichten erfüllt". Und: "Sie dürfen mich nicht loben. Was ich getan habe, ist nicht des Lobes, sondern der Sache wegen geschehen." Die Sache der Bürger hier sei Spaichingen. Grimm: "Behandeln wir es sachlich. Gehen wir dabei auch sachlich miteinander um".
Schaue man auf die letzten Monate und Wochen des Wahlkampfs zurück, blicke man täglich um sich, dann müsse man den  Eindruck bekommen,  dass heute Leistungen der ganzen Gesellschaft, der ganzen Gemeinschaft, gerne auf einzelne Personen zugespitzt würden. Ehrenbürger Erwin Teufel habe immer wieder betont, das Amt müsse zum Mann kommen, nicht umgekehrt,wobei es, os Grimm, auch eine Frau sein könne. Entscheidend aber sei doch, wie der Mann, die Frau, dieses Amt zu Nutz und Frommen des Ganzen ausfüllten. Grimm erinnerte an ein Wort des Athener Perikles, der vor 2500 Jahren gelebt hat, und der übertragen gesagt hat, dass der ein guter Bürger sei, der sich um seine Stadt kümmere, und der ein schlechter, der still bleibe.
Ein Bürgermeister sei kein Alleinherrscher. Eine Gemeinde brauche Bürger, die sich engagierten, die in ihrer Gemeinschaft mitarbeiteten und mitwirkten. Ein Bürgermeister brauche Impulse, Anregungen. Eine Gemeinde brauche den Dialog, ja auch den Streit um die Sache. Dieser dürfe aber nicht verwechselt werden mit einem Kampf jeder gegen jeden. Der Abgeordnete: "Wir brauchen in Spaichingen Bürger,die nicht abseits stehen, keine stillen Bürger. Wir brauchen gute Bürger.Spaichingen ist bekannt für seine guten Bürger, für Menschen, die vielseitig mitwirken an der Gestaltung ihrer Stadt".
Landrat Stefan Bär: aufeinander zugehen
Landrat Stefan Bär gratulierte dem Bürgermeister namens des Kreises zu beeindruckenden Wiederwahl. Wenn Kommunalpolitik so etwas wie die Schule der Demokratie sei, dann seien Wahlen Zeugnisse. Zu Wahlen gehöre auch die Auswahl, insofern habe der unterlegene Kandidat eine echte Wahl ermöglicht. Sowohl Bürgermeister wie Gemeinderat hätten eine starke Position. Er sei überzeugt, das nach den Wahlkampfaktivitäten die Bürger nun Ruhe und Normalität erwarteten. Es sei die Zeit, aufeinander zuzugehen mit dem Ziel eines Spaichinger "Teams".

Minibagger zum Gräbenzuschütten für den Bürgermeister (rechts) und den Herausforderer (links) vom Tuttlinger Bürgermeister Emil Buschle, der auch Wein mitbrachte vom einstigen Tuttlinger Weinberg am Hohentwiel.
Emil Buschle: Lager wieder zusammenführen
Emil Buschle, der Erste Bürgermeister von Tuttlingen, welcher namens der Kreisstadt Hans Georg Schuhmacher zum souveränen Wahlerfolg gratulierte, schlug vor, wieder jährliche Begegnungen zwischen beiden Gemeinderäten aufzunehmen. Das Verhältnis zwischen beiden Städten sei etwas Besonderes, seit jeher Zentren in der Region. Deshalb sei eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit wichtig. Er wünschte, dass die im Wahlkampf gebildeten beiden Lager nun wieder zusammengeführt werden. Hierzu seien alle in der Stadt gefordert.