Springe zum Inhalt

Im Drei-Löwen-Takt

Segensgruß aus der Stauferzeit
Ausstellung in Schwäbisch Gmünd erinnert an das schwäbische Herrschergeschlecht
Die Staufer hält man hierzulande hoch in Ehren...noch hat es sich nicht ausgestaufert: Im Nachgang ist jetzt Schwäbisch Gmünd eingestiegen. 1162 erstmals erwähnt. Der Grund liegt auf der Hand: Weil im Jahr 1162 in einer Urkunde aus Kloster Lorch „Bürger von Gmünd“ zitiert werden, gilt die Stadt als älteste Staufer-Gründung. Dies ist ihr nun ein aufwendiges Festprogramm wert – und eine Ausstellung obendrein. Dass sich die städtische Schau, die noch bis 21. Oktober im noblen „Prediger“ gezeigt wird, gegenüber üppig ausgestatteten Landesausstellungen stark bescheiden muss, versteht sich. Dennoch fehlt es nicht an Aspekten, die – weil exemplarisch für eine ganze Epoche – über die reine Stadtgeschichte hinausreichen.
(Schwäbische Zeitung. Guten Morgen oder gute Nacht? Schwäbische Gmünd hat gefeiert, und die Schwäz zwei Monatxe später darüber geschrieben. Gibt es das,eine Zweimonatstageszeitung? Da das ganze Land im Drei-Löwen-Tat tickt, die drei Wappentiere der Staufer zieren auch das baden-württembergische Wappen, und weil überall im Land diese Herrscherfamilie ihre Spuren hiterlassen hat,nicht nur als Baudenkmäler, ist Schwäbisch Gmünd als älteste Staufersiedlung einen längeren Blick wert.)


850 Jahre Schwäbisch Gmünd – Staufersaga Premiere und Uraufführung
Ein ungeahntes und nie für möglich gehaltenes Bürgerengagement in und um Schwäbisch Gmünd hat ein Epos ermöglicht, wie es vielleicht nie wieder aufgeführt werden kann. Über 1300 Teilnehmer spielten die Epochen der Staufer vom Gründer Friedrich von Büren bis zum tragischen Ende durch die Hinrichtung des erst 16 Jahre alten Konradin.

Waffen- und Helmschmiede, Schreiner, Gewandmeisterinnen haben in nicht mehr zu zählenden Stunden einen Fundus an historisch genau reproduzierten Gewändern und Kopfbedeckungen, Helmen, Rüstungen, Fahnen, Waffen, Ausrüstungsgegenstände, Schuhwerk und vieles mehr erschaffen. Über die Qualität der hergestellten Gegenstände staunten sogar Fachleute, die Theater, Bühnen und Film ausstatten.

Diesen Schatz an Gegenständen gilt es nun vor Ort zu sichern, zu bewahren, aber auch zu nutzen und der Nutzung zuzuführen. Dies wird in Zukunft der Staufersagaverein bewerkstelligen. Premiere war am 29. Juni. Hervorragend aufgelegte Darsteller, tolle Kleidung und Gegenstände waren aber nur die halbe Miete, was wäre das Spiel ohne einen Drehbuchautor und Regiseur. Stefan Kirchenbauer hatte Unglaubliches wahr werden lassen und gemeinsam mit Professor Hubert Herkommer ein Epos für die Gegenwart und die Zukunft und für die zukünftigen Generationen verfasst.

Zum Start des Stauferwochenendes gab es so viel zu erleben und zu sehen, dass man zunächst Orientierung brauchte.Das Stauferlager im Stadtgarten mit der weltbekannten Artistenfamilie Traber, der Marktplatz, rund ums Münster, in der Hofstatt, überall war etwas los. Gmünd feierte.Gmünd erlebte ein nie dagewesenes Fest zum 850. Jubiläum als Stauferstadt. Letztendlich ist die einstige Zelle Gamundia sicherlich viel viel älter. Gmünder haben für Gmünder und viele tausend Gäste aus nah und fern ein nachhaltiges Werk geschaffen.

In einer Schenkungsurkunde zugunsten der Benediktinerabtei Lorch findet sich Schwäbisch Gmünd 1162 erstmals erwähnt: Neben der gesamten Belegschaft des Klosters bezeugen auch 15 Laien, „alle Bürger zu Gmünd“, den Rechtsvorgang. Obwohl dies nur belegt, dass die Stadt zu diesem Zeitpunkt bereits existierte, feiert Gmünd, wie in solchen Fällen üblich, 2012 das 850. Jahr seines Bestehens.

Noch trennt die viel befahrene B 29 und ein riesiges Baustellengelände, ein Gmünd 21, den Bahnhof von der mittelalterlichen Altstadt. Anfang nächsten Jahres soll der Einhorn-Tunnel die Stadt endlich vom Durchgangsverkehr entlasten. Zur Landesgartenschau 2014 will Gmünd seine Besucher mit einem grünen Teppich empfangen. Mit seinem unveränderten mittelalterlichen Grundriss, dem größtenteils erhaltenen Altbaubestand und dem Heiligkreuzmünster, das die Baumeisterfamilie der Parler berühmt machte, bevor sie den Veitsdom in der Reichshauptstadt Prag baute, könnte Gmünd ein Touristenmagnet werden.

1162 regierte Friedrich I., genannt Barbarossa, der erste Kaiser aus dem Geschlecht, dessen Stammsitz die nahe gelegene Burg Hohenstaufen war. Die Ausstellung im Museum im Prediger stellt zunächst die neun Stauferherrscher von Konrad III. bis Konradin vor. Ihre Siegel zeigen das immer gleiche Bild des Herrschers, mit Szepter, Krone und Reichsapfel. Ein Faksimile der Urkunde von 1162, aber auch einige originale Pergamente des 13. Jahrhunderts folgen, neben einigen schönen Exemplaren rot bemalter Buocher Keramik. Aspekte der Stadtgeschichte illustrieren unter anderem historische Zeichnungen und Druckgrafiken von den wichtigsten Klöstern und Burgen der Umgebung.

Ein außergewöhnliches Stück ist die mehr als zwei Meter breite Pirschkarte von 1572. Sie zeigt das Jagdgebiet zwischen Gmünd und Aalen, samt den Dörfern und Weilern des oberen Remstals und einem anschaulichen Blick auf die hohen Türme der Gmünder Stadtbefestigung. Die zwei wichtigsten Kirchen der staufischen Zeit nimmt die Ausstellung näher in den Blick: Die Johanniskirche – möglicherweise als Taufkirche der Staufer geplant – präsentiert sich heute in romanischem Stil. In diesen Zustand wurde sie indes erst zwischen 1869 bis 1880 versetzt: Zeichnungen von 1860 dokumentieren den damals bestehenden und den geplanten Zustand, der dem heutigen entspricht. Ein schematisches Modell zeigt die Marienkirche, die sich an der Stelle des späteren Heiligkreuzmünsters befand. Ihre zwei massiven Chortürme, von denen Eckfundamente und Säulenbasen in der Ausstellung zu sehen sind, standen noch bis 1497.

Das ganze Jahr über finden in Gmünd Veranstaltungen zum Stauferjahr statt. Eine Stauferstele steht seit 31. März am Johannisplatz. Seit 5. Mai führt der Stauferradweg über den Hohenrechberg zum Hohenstaufen. Höhepunkt war die Woche vom 29. Juni bis zum 8. Juli: Da warf sich Gmünd in Staufer-Klamotten, hergestellt in einer Gewandmeisterei von über 80 ehrenamtlichen Helfern. Erwähnenswert ist auch eine städtebauliche Tagung zum Thema „Europäische Städte der Stauferzeit“ vom 4. bis 6. Oktober.

Die Stauferzeit dauerte in Gmünd länger als sonst im Reich, nämlich bis 1297: Nur eine der überraschenden Facetten, mit denen die Ausstellung „1162. Die Staufer und Schwäbisch Gmünd“ aufwartet. Sie ist für die Stadt und das Museum ein Novum: So anschaulich und zugleich konzentriert wurden die Anfänge der Stadt noch nie präsentiert.