Springe zum Inhalt

Impf-Ranking: „Flüchtlinge“ zuerst

Spahn: „Man wird, frau wird sagen, wann sie jeweils dran sind“

Von MANFRED W. BLACK

Man mag die neue Impfverordnung der Bundesregierung grundsätzlich – aus welchen Gründen auch immer – ablehnen oder nicht. Man mag heftig kritisieren, dass die rigorosen Corona-Impfbestimmungen ohne Gesetzesgrundlage – also ohne Beteiligung des zuständigen Parlaments – rechtlich allein vom Gesundheitsminister mit bloßer „Verordnung“ festgelegt worden sind. So oder so: Es lohnt sich, diese ministerielle Verordnung des Ministers Jens Spahn zu lesen.

Spahns arrogantes Gender-Deutsch
Auffällig ist zum Beispiel, dass „Flüchtlinge“ durch das Ministerium stark privilegiert werden. Selbst Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer, Erzieherinnen sowie Krebs- und COPD-Patienten müssen sich zugunsten der „Geflüchteten“ hinten anstellen. Und für mindestens 45 Millionen Bürger gibt es bisher offensichtlich gar keine Impf-Pläne.

Mit seltsamer Arroganz sagte Spahn bei seiner Pressekonferenz – im allerschlechtesten „Gender-Deutsch“ – vor laufenden Kameras wörtlich über das „gemeine Volk“: „Man wird, frau wird sehen, wann sie jeweils dran sind.“

Es gibt bisher vier unterschiedliche Prioritätengruppen. Die riesengroße Gruppe der aus dem Ausland „Geflüchteten“ befindet sich laut Verordnung in der „Impf-Prioritätengruppe Zwei“. Die ganz große Mehrheit der Bürger – weit über 40 Millionen Menschen – läuft unter „Ferner liefen …“, sie wird der Gruppe Vier zugeordnet.

In die Gruppe Vier kommt das „gemeine Volk“
Nur allzu viele Personengruppen schaffen es in die Prioritätengruppe Eins: Hier werden die über 80-Jährigen, Heimbewohner und alle Personen aufgezählt, die ambulant oder stationär in der Pflege tätig sind.

Dazu kommt das Personal aus medizinischen Einrichtungen, das einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist, mit dem Virus in Kontakt zu geraten. Also Mitarbeiter auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten, in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung und in den Impfzentren.

In der zweiten Prioritäten-Gruppe finden sich – neben den aus dem Ausland „Geflüchteten“ – „über 70-Jährige und Personen, bei denen wegen möglicher Vorerkrankungen ein hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion besteht“ (Tagesschau). Gemeint sind zum Beispiel Personen mit Trisomie oder Demenzkranke und Menschen mit geistiger Behinderung.

Dazu gehören auch die Beschäftigten, die mit diesen besonders gefährdeten Personen in engem Pflege-Kontakt stehen. Außerdem Menschen in Obdachlosenunterkünften. Eingruppiert wurden hier „zudem die Ärztinnen und Ärzte und jene Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko“ („Tagesschau“). Hausärzte gehören demnach nicht dazu.

Polizisten und andere Ordnungskräfte werden nur insoweit zu dieser Gruppe gehörig definiert, als sie durch besondere Einsätze als überdurchschnittlich gefährdet gelten. Streifenpolizisten etwa nennt das Ministerium an dieser Stelle ausdrücklich nicht.

In die dritte Gruppe wurden Menschen eingestuft, die mindestens 60 Jahre alt sind. Außerdem Lehrer und Erzieher, „Menschen in prekären Lebenslagen“ sowie Vorerkrankte wie Diabetiker, Asthmapatienten, Übergewichtige oder HIV-Erkrankte. In dieser vorrangigen Berechtigungsgruppe sollen ebenfalls geimpft werden: Apotheker, Feuerwehrleute, die meisten Polizeibeamten und Beschäftigte im Einzelhandel sowie in der Fleischindustrie.

Wie schon oben gesagt: Der Rest der Bevölkerung – also die Riesen-Mehrheit – kommt in die Gruppe Vier. Hier steht noch gar nichts Genaues fest.

Ab 27. Dezember sollen offenbar in den Pflegeeinrichtungen die über 80-Jährigen geimpft werden. Anscheinend wird es allein zwei Monate dauern, bis die Personen in der Príoritätengruppe Eins geimpft worden sind.

Die Privilegierung der „Schutzsuchenden“ wagt niemand zu kritisieren
Die Reaktionen auf den Corona-Impfplan des Gesundheitsministers fallen bisher eher gemischt aus. Der Städte- und Gemeindebund lobt die vorgelegte Priorisierung. Scharfe Kritik haben sofort Hausärzte, Heimbetreiber, Patientenschützer und Polizeibeamte geübt.

Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg, Berthold Dietsche, beispielsweise kann nicht verstehen, dass Hausärzte nicht vorrangig geimpft werden sollen. Im „SWR“ nannte Dietsche diese Entscheidung „völlig unbegreiflich“.

Denn Hausärzte hätten von früh bis spät Kontakt mit teils hochinfektiös Erkrankten. Und gerade die Allgemeinmediziner stünden seit neun Monaten „an der vordersten Front der Corona-Bekämpfung“.

Kritik kommt auch von der Polizei. Sie wünscht sich eine höhere Priorisierung ihrer Gruppe im Impfplan. Bisher ist die Mehrheit der Polizisten in der dritten Gruppe: „Insbesondere die Polizeibeamtinnen und -beamten im Streifendienst kommen häufig mit vielen Menschen in näheren Kontakt und haben daher ein höheres Ansteckungsrisiko“, sagte Jürgen Köhnlein, bayerischer Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).

Die Privilegierung der „Flüchtlinge“ wird hinter vorgehaltener Hand viel kritisiert. Öffentlich wagt diese Kritik kein Verbandsvertreter zu äußern. Die inzwischen anscheinend allmächtige Political Correctness verbietet das.

“Spiegel”: EU hat Impfstoff-Angebote ausgeschlagen
Offenbar hat es – im Unterschied etwa zu Großbritannien oder den USA – nicht nur zu lange gedauert, bis die Impf-Genehmigungen durch die bürokratische EU vorlagen. Darüber hinaus stehen der deutschen Regierung bisher viel zu wenige Impfdosen zur Verfügung. Dies ist schon deswegen seltsam, weil es die Firma Biontech (Mainz) ist, die vorrangig die Impfstoffe für Deutschland und für die meisten europäischen Staaten produziert.

Der „Spiegel“ berichtet unter der Schlagzeile „Das Planungsdesaster“, dass die extrem bürokratisierte EU bei der Impfstoff-Bestellung geknausert und weniger Impfdosen geordert hat als möglich gewesen wäre. Biontech habe bis zu 500 Millionen Büchsen angeboten, die EU jedoch nur 200 Millionen bestellt und sich 100 Millionen weitere für später offengehalten.

Bei der US-Firma „Moderna“ hätten aus Brüssel 300 Millionen Dosen bestellt werden können, von denen habe die EU nur 80 Millionen gekauft – mit der Option auf 80 Millionen weitere Büchsen. Wissen die EU-Bürokraten nicht, dass in der EU 450 Millionen Menschen leben und dass die Menschen, die sich impfen lassen wollen, zweimal geimpft werden müssen?

Oder geht die EU-Spitze heimlich davon aus, dass sich viele Bürger in den EU-Staaten gar nicht impfen lassen wollen? Die EU-Spitze hat jedenfalls entschieden, „europäische“ Bestellungen vor nationalen zu bedienen. Aber die Brüsseler Monstrum-Spitze ist wiederum nicht in der Lage, die Pläne zeitnah zu erfüllen, die sie selbst für 27 Staaten aufgestellt hat.
(pi-news.net)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.