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Impfen gegen Denunzianten?

Da hilft wohl nur noch ein bisschen Welklugheit

(tutut) - Er war Jesuit, seine Bücher aber veröffentlichte er unter Pseudonym, denn sonst wäre die Menschheit vor sowas wie Balthasar Baltasar Graciáns (1604 - 1658) "Handorakel - Die Kunst der Weltklugheit - in 300 Lebensregeln" verschont geblieben. Sie ist ja schon mit 10 Geboten überfordert. Dem spanischen Priester waren diese aber zu wenige. Und so hat er gegen jeden etwas als Rezept für die Ewigkeit aufgeschrieben. Klar, dass einer der bedeutensten philosophischen Schriftsteller der klassischen spanischen Literatur Wegen seiner aufklärerischen Weltsicht Publikationsverbot erhielt.

Zum Beispiel helfen gegen Denunzianten weder Pillen noch Impfen:
"Kein Ankläger sein. Es gibt Menschen von finsterer Gemütsart, die alles zum Verbrechen stempeln - nicht aus Leidenschaft, sondern von einem natürlichen Hange getrieben. Sie sprechen über jeden ihr Verdammungsurteil aus, über die einen für das, was sie getan haben, über die anderen für das, was sie tun werden.

Es zeugt von einem grausamen, ja niederträchtigen Sinn; und sie klagen mit einer solchen Übertreibung an, dass sie aus Splittern Balken machen, die Augen damit auszustoßen. Überall sind die Zuchtmeister, die ein Elysium in eine Galeere umwandeln möchten. Kommt gar noch Leidenschaft hinzu, so treiben sie alles aufs äußerste. Demgegenüber weiß ein edles Gemüt für alles eine Entschuldigung zu finden, und wenn nicht ausdrücklich, so durch Nichtbeachtung".

Was aber macht der Kluge, wenn er nicht der Dumme sein will, dieser aber durch Nachgeben wird? Da kann gutgemeinter Rat nicht immer der richtige sein, wenn er zu spät kommt, denn so wird selbst Demokratie manchmal ganz schnell abgeschafft zur Diktatur:

"Nicht abwarten, dass  man eine untergehende Sonne sei. Es ist eine Regel der Klugen, die Dinge zu verlassen, ehe sie uns verlassen. Man wisse, aus seinem Ende selbst sich einen Triumph zu bereiten. Sogar die Sonne zieht sich oft, noch bei hellem Scheine, hinter eine Wolke zurück, damit man sie nicht versinken sehe und ungewiss bleibe, ob sie untergegangen sei oder nicht. Man entziehe sich zeitig den Unfällen, um nicht vor Beschämung vergehen zu müssen.

Lasst uns nicht abwarten, dass die Welt uns den Rücken kehre und uns, noch im Gefühl lebendig, aber in der Hochachtung gestorben, zu Grabe trage. Der Kluge versetzt seinen Wettrenner bei Zeiten in den Ruhestand und wartet nicht ab, dass er, mitten auf der Rennbahn niederstürzend, Gelächter errege. Eine Schöne zerbreche schlau bei Zeiten ihren Spiegel, um es nicht später aus Ungeduld zu tun, wenn er sie aus ihrer Täuschung gerissen hat".

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