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Je abgesicherter, desto „progessiver“

Brisanter Aufsatz des Elitenforschers Michael Hartmann

Von WOLFGANG HÜBNER

Der im Ruhestand befindliche Soziologieprofessor Michael Hartmann bezeichnet sich selbst als Sozialist und ist der politischen Linken in Deutschland verbunden. Er hat sich einen Namen als Elitenforscher gemacht, seine Bücher haben Titel wie „Die Abgehobenen. Wie die Eliten die Demokratie gefährden“ oder „Die globale Wirtschaftselite. Eine Legende“. Nun hat er in der Zeitschrift „Leviathan“ einen Aufsatz veröffentlicht, der keineswegs nur für Linke, sondern weit mehr noch für die Rechte in Deutschland Bedeutung haben sollte: „Die Kosmopoliten als Profiteure des Nationalstaats und seiner Institutionen“. Schon der Titel verrät, welche Brisanz Hartmanns Arbeit hat.

Der Soziologe hat in seiner Untersuchung die Haltung verschiedener akademischer Berufsgruppen zum umstrittenen Problem Einwanderung mit der Einstellung von Nichtakademikern zum gleichen Thema verglichen. Das Ergebnis mag interessierte Zeitgenossen nicht überraschen, ist aber gleichwohl aufschlussreich: Unter den Akademikern bereitet die Einwanderung nur 21 Prozent Sorgen, dagegen beunruhigt diese Entwicklung 43 Prozent der Nichtakademiker. Die ausgeprägte Sorglosigkeit unter Akademikern hat weniger Gründe in etwaiger größerer Fremdenfreundlichkeit als in ihrer privilegierten Berufssituation: Juristen, Mediziner oder Journalisten haben dort kaum Konkurrenz von Ausländern. Deren Anteil beträgt bei Juristen ein einziges Prozent, bei Journalisten nur zwei und bei Medizinern unter fünf Prozent.
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Auch Beamte können beruflich unbesorgt Gutmenschen sein. Denn unter den eineinhalb Millionen deutschen Beamten gibt es gerade einmal 4000 Ausländer. Hartmann schließt daraus: „Je attraktiver eine Position ist, desto geringer ist der Ausländeranteil“. Dass das so ist, dafür sorgt ausgerechnet jener Nationalstaat, der gerade unter akademisch gebildeten Kreisen oft als veraltet und beengend verachtet wird. Denn die nationalstaatlichen Rechtsordnungen für Juristen und Mediziner sorgen bestens für Schutz vor ausländischer Konkurrenz. Und Journalisten wie Beamte werden vor dieser Konkurrenz durch den beruflich notwendigen einigermaßen perfekten Gebrauch der deutschen Sprache geschützt.

Der linke Professor kommt zu einer politisch gar nicht korrekten Erkenntnis seiner Untersuchung: „Es ist leichter für offene Grenzen zu plädieren, wenn man durch die vom Nationalstaat geprägte Mechanismen (mehr oder minder stark) vor den negativen Konsequenzen gerade auf dem Arbeitsmarkt geschützt wird.“ Das allerdings hat die politische Rechte schon immer vermutet. Die „Weltoffenheit“ im akademischen Milieu beruht materiell schlicht darauf, von den Nachteilen der Einwanderung und offenen Grenzen viel weniger, wenn überhaupt betroffen zu sein. Wie gesagt: keine Überraschung!
(pi-news.net)

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