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Jeder Steuerzahler haftet mit

Banken allein von fünf Krisenländern haben über 9 Billionen Euro Schulden
(tutut). Es ist die Zahl des 21. Jahrhunderts, an ihr dürften EU und der Euro scheitern. Der Chef des Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts in München, Hans-Werner Sinn, hat sie am Montag in einem Interview mit dem Deutschlandfunk genannt: 9,2 Billionen Euro Schulden haben allein die Banken in den fünf Krisenländern Italien, Griechenland, Portugal, Spanien, Irland angesammelt. Für die sollen jetzt vor allem auch die deutschen Steuerzahler aufkommen. So haben es unisono CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne beschlossen.
Es ist ein Irrtum zu glauben, wie beispielsweise all die Sparkassen und Volksbanken versuchen den Menschen weiszumachen, assistiert von kompetenzlosen Lokalredaktionen, es gebe gute Banken daheim und schlechte überall auswärts. Nein, auch die Sparkassen beispielsweise sind mit von der Partie, wenn Landesbanken Milliarden verzocken. Das ganze Bankensystem ist marode, riskiert aber nichts, wenn die Politik dieses Glücksspiel mit immer neuem Geld stützt, anstatt die Verantwortlichen hinter Gefängnismauern verschwinden zu lassen. Denn dann würde sich schnell etwas ändern.
Hans-Werner Sinn hat in dem Interview mal aufgezählt, was zur Zeit schon Zahl ist in Europa. Wahrscheinlich hört so etwas wieder kein Schwein, denn dem Volk genügen Brot und Spiele. Da lassen sich 6000 Leute je 2 Euro abnehmen für Sicherheitskontrollen auf einem Marktplatz, um stehend Fußball anzusehen, was sie zuhause viel bequemer hätten. Gldeichzeitig lassen sie sich einreden, dass Deutschland Topfavorit wäre, obwohl es im Fußball schon seit vielen Jahren nichts mehr gewonnen hat. Wie sollten die sich dafür interessieren, daß sie ausgenommen werden wie Martinsgänse? So weist der Ifo-Cef beidspielsweise darauf hin: "Wir haben verschiedene Mechanismen, durch die wir schon haften: zum Ersten die Kredite, die die EZB gegeben hat, die zulasten der Bundesbank gehen. Wenn da nicht zurückgezahlt wird, dann teilen sich die überlebenden Banken, Zentralbanken das brüderlich. Dann ist es der Rettungsschirm mit seinen verschiedenen Facetten, vor dem EFSF das Griechenlandpaket, dann dieser EFSF, dann der Naturkatastrophentopf der EU und dann eben neuerdings auch der ESM, der jetzt gerade letzte Woche ratifiziert worden ist vom Deutschen Bundestag. In der Summe kommt da ein Haftungsvolumen für alle Länder zusammen von 2100 Milliarden Euro auf den Tisch. Aber wenn da was schief geht, und sagen wir mal die fünf Krisenländer gehen wirklich Pleite - man muss ja heutzutage mit allem rechnen -, dann kommen auf Deutschland Haftungssummen von etwa 700 Milliarden Euro zu".
Zu den genannten 9200 Milliarden Euro erklärt Sinn: "Da liegt eigentlich schon ein Aspekt, der vielen Bürgern überhaupt nicht klar ist. Die denken, na ja, jetzt haben wir die Staaten gerettet, dann können wir da die Banken auch noch retten. Weit gefehlt! Die Bankschulden sind ja fast dreimal so groß wie die Staatsschulden. Die Staatsschulden dieser fünf Länder sind 3,3/ 3,4 Billionen, und hier reden wir über 9,2 Billionen Bankschulden. In der Summe, wenn man die Doppelzählung herausnimmt, sind das gigantische 12.000 Milliarden Euro. Nun heißt das ja nicht, dass diese Lasten dann auf irgendwen zukommen, also die Abschreibungsverluste aus den Immobilienkrediten, die in Südeuropa gegeben wurden, und aus den Unternehmenskrediten, die sind da, aber die sind natürlich nicht so groß. Nur weiß es kein Mensch und potenziell begibt man sich auf eine Schiene, wo irgendein Prozentsatz von diesen zwölf Billionen halt verlustig gehen wird. Dass das erhebliche Verluste sein werden und dass das hier nicht mit 100 Milliarden Euro getan ist, das scheint mir klar zu sein".
Was auf Deutschland zukommen werde, wisse niemand, sagt Sinn, "aber wenn wir mal sagen, von diesen Schulden sind 20 Prozent abzuschreiben, dann sind das ja schon 2,4 Billionen. Das wäre ja einmal das deutsche Sozialprodukt fast. Also das sind ja keine Peanuts mehr. Nun gut, die müssen wir ja nicht selber tragen. Die anderen Länder tragen ja mit. Aber wenn dann einer nach dem anderen fällt? Also es sind doch erhebliche Risiken für die finanzielle Stabilität der Bundesrepublik Deutschland, die man jetzt hier so einfach eingeht. Frau Merkel hat ja gekämpft wie ein Löwe bis zum Schluss, aber sie waren sich alle einig: Man wollte an das deutsche Geld heran, da stand sie ganz alleine".
Für Griechenland sieht der Ifo-Chef nur einen einzigen Weg: "Austritt, Abwertung und vielleicht später wieder einzutreten". Was die 9200 Milliarden Bankschulden in den fünf Krisenländern betrifft, wäre Deutschland automatisch mit 43 Prozent dabei, wenn die anderen nicht zahlen könnten. Das könnten auch die Deutschen nicht zahlen bei einem Bundesetat von 300 Milliarden.Sinn sieht nur einen einzigen Weg, wie die Verluste getragen werden könnten: durdch die Vermögenden,die Gläubiger dieser Schulden. Die müßten auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.