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Keltensiedlung Baldenberg

Der Dreifaltigkeitsberg bewahrt noch sein historisches Geheimnis

(tutut). Sie bringt es zwar nicht an den Tag, die gerade in Stuttgart laufende Ausstellung "Die Welt der Kelten", aber sie erinnert daran: Der Baldenberg (vermutlich nach dem germanischen Sonnengott Baldur benannt), heute Dreifaltigkeitsberg, ist möglicherweise einer der bedeutendsten Siedlungsplätze der Kelten im Land. Allerdings bewahrt diese Stätte bis heute noch ihr historisches Geheimnis. Erst gründliche Ausgrabungen könnten es aus dem Dunkel der Geschichte  ans Licht bringen.
Den ersten und bisher einzigen größeren Versuch, dem Berg hinter die Kulissen  seiner noch gar nicht so alten Kirchengeschichte zu schauen, welche im 15. Jahrhundert mit einer Kapelle nach einem damals in dieser Art häufigen "Wunder" ihren Anfang nahm,  gab es in den 50er Jahren, als der Leiter des Schwenninger Heimatmuseums, Dr. Richard Ströbel, 1958 mit ein paar Grabungen eher mehr Rätsel hinterließ als sie auflöste. Schlüsse, welche aus Funden gezogen wurden, ähnelten eher Spekulationen, zum Teil recht tollkühnen. Mit fundierter Wissenschaft, welche sich allein an Fakten orientiert, hatte dies wenig zu tun. So spukt denn noch heute in manchen Köpfen ein keltischer Fürstensitz am Sporn des Berges in Richtung Balgheim herum, wo einst allenfalls ein mittelalterlicher Bau gestanden haben soll, die noch immer sagenhafte Baldenburg. Von dieser ist weniger bekannt als  vom Dornröschenschloss.

Die Heuneburg an der Donau ist ein Begriff. Diese keltische Siedlung ist durch reichhaltige Funde weltbekannt geworden. Ein ähnliches Zentrum darf auch auf dem Dreifaltigkeitsberg angenommen werden. Professor Dr. Wolfgang Kimmig, der inzwischen gestorbene einstige Professor für Vor- und Frühgeschichte an der Universität Tübingen, war als Ausgräber der Heuneburg zu einem der bekanntesten Archäologen Europas geworden. Er, der 1958 Dr. Ströbels Ausgrabungen auf dem Dreifaltigkeitsberg auch besucht hatte, hat den Dreifaltigkeitsberg "für ein Riesenobjekt mit hochinteressanten Aspekten" gehalten.
Den Dreifaltigkeitsberg gründlich archäologisch zu erforschen, wäre seiner Meinung nach eine Lebensaufgabe, die aus heutiger Sicht allerdings Millionen kosten würde. Diese Mittel sind nicht vorhanden, und so werden vermutlich noch Generationen abwarten müssen, um den Geheimnissen des Berges auf die Spur zu kommen. Unter Druck stehen die Archäologen nicht, was den Berg betrifft, weshalb nicht zu erwarten ist, daß hier bald einmal wieder gegraben wird. "Man soll das alles stehen und liegen lassen", meinte Dr. Kimmig, "denn wenn wir alles das ausgraben wollten, was wir kennen und was man aus Neugierde und Inte­resse auch ausgraben könnte, würde das viel zu weit führen".
Jede Ausgrabung habe nur dann Sinn, wenn sie nachher dokumentiert werde, damit man mit den Dokumenten auch arbeiten könne. Dr. Kimmig kann sich aufgrund der bisher auf dem Dreifaltigkeitsberg mit seinen Wallanlagen und den bisherigen Funden vorstellen, hier noch hochinteressante Ent­deckungen machen zu können. Es müsse auch gesehen werden, dass die Kirche wohl nicht zufällig auf dem Berg stehe. Solche Anlagen seien immer an Punkten entstanden, wo schon in der Vorgeschichte etwas Wichtiges war. Nicht auszuschließen sei, daß hier bereits früher ein Heiligtum war. Die Kirche habe oft christliche Heiligtümer an Stellen gesetzt, die vorher schon als heilig verehrt wurden. Damit wurde den Ungläubigen praktisch die richtige Lehre beigebracht.
Denkbar ist, daß sich auf dem Dreifaltigkeitsberg ein wichtiges kelti­sches Zentrum befand. Denn die Umgebung in der sogenannten Keltenzeit vermutlich stark besiedelt, wie auch einige keltische Hinterlassenschaften, die soge­nannten Viereckschanzen im Raum Trossingen, Spaichingen, Aldingen undAixheim beweisen. Eines der größten keltischen Heiligtümer in der Gegend ist das Heidentor bei Egesheim, ein Opferplatz mit einmaligen Fibel-Funden. Ob es d i e Kelten überhaupt gegeben hat? Neueste Theorien bezweifeln dies, soweit Vorstellungen von einem eigenständigen keltischen Volk ausgehen.
Über den heutigen Stand der archäologischen Forschung auf dem Dreifaltigkeitsberg hat schon vor Jahren umfassend  Dr. Verena Nübling vom Landesdenkmalamt berichtet, auch in Führungen auf dem Berg. Die Skizze untermalt ihre Schilderung:
Der Dreifaltigkeitsberg als Kulturdenmal: Oder was heute Sache ist
"Der Dreifaltigkeitsberg bot aufgrund seiner natürlichen Schutzlage zu verschiedenen Zeiten den Menschen Zuflucht, der nach Süden aus der Albhochfläche vorspringende Sporn (Höhe: 984 m) fällt nach drei Seiten steil ab und ist nur von Norden her zugänglich. Von Norden nach Süden wurde sein Plateau durch fünf hintereinander liegende Querbefestigungen (Wall A - E, siehe Plan) abgesichert. Die bisher ältesten Siedlungsspuren auf dem Berg stammen vom Ende der Jungsteinzeit  (etwa Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr.) und der späten Urnenfelderkultur  (etwa 9. - 8. Jahrtausend v. Chr.).
Die jungsteinzeitlichen Funde, die aus dem Bereich des heute kaum noch sichtbaren Walles D stammen, gehören zu einer Höhen­siedlung, deren Ausdehnung noch unbekannt und für die eine Befestigung bisher nicht nachweisbar ist.
Die Funde der späten Urnenfelderkultur stammen gleichfalls aus dem Bereich des Walles D, dessen Konstruktion - Trocken­mauer mit eingezogener Holzversteifung - auch für eine
Datierung in dieser Zeit spricht.
Die nächste Besiedlungsphase fällt in die späte Hallstatt­zeit (etwa 6. Jahrhundert v.Chr.). Der ältere Teil des Walles B wurde als Steinmauer mit Holzversteifung er­dichtet, der einem Brande zum Opfer fiel. Die durch diese Be­festigung geschützte Siedlung war großflächig angelegt und muß sehr bedeutend gewesen sein. Es ist jedoch nicht sicher, ob sie in die Reihe der frühkeltischen Fürstensitze gehört, da bisher noch kein entsprechendes Fundmaterial vorliegt.

In der frühen Ladezeit  (etwa 5.-4. Jahrhundert v.Chr.) errichteten die Kelten zwischen den Wällen E und F eine Siedlung, von der nur noch die in den Felsen eingetieften Gruben von vier Häusern vorhanden sind. Die Ausdehnung dieser Siedlung reicht wahrscheinlich bis zum Wall B, wie eine Grube, die etwa 100 m südlich des Walles zutage kam, vermuten läßt.
Im Frühmittelalter  (etwa ab dem 8. Jahrhundert n.Chr.) wurde der Berg erneut befestigt. Es entstand eine Burg, die vermut­lich 'Baldenburg' genannt wurde. Den Namen Baldenberg trug der Dreifaltigkeitsberg bis in die Neuzeit. Die Wälle E und F sind Reste dieser Burganlage. Vielleicht fällt in diese Zeit auch die Erhöhung des Walles B, dem ein weiterer Wall (Wall C) vorgelagert wurde. Über das sicher adelige Geschlecht, dem diese Burg gehörte, ist nichts bekannt.
Im Mittelalter oder im Hochmittelalter, eine genauere Datierung ist zur Zeit nicht möglich, wurde noch Wall A errichtet. Siedlungsreste aus diesem Zeitraum sind bisher nicht entdeckt worden.
1415 wurde eine Kapelle zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit geweiht und im Jahre 1592 erweitert. Sie weist darauf hin, daß auch in dieser Zeit dem Berg, vor allem durch die Wall­fahrt, eine besondere Bedeutung zukam. Das jetzige Kirchengebäude wurde in den Jahren 1666 bis 1673 erbaut und 1760 vergrößert und erneuert. Damals entstand auch der Hoch­altar nach den Plänen von Josef Anton Feichtmayer.
Die mit dieser Kirche zusammenhängende Wallfahrt, die bis heute stattfindet, und die hervorragende Lage des Berges, haben noch immer eine besondere Anziehungskraft. Seit 1924 hat die Gemeinschaft der Claretiner die Betreuung des Dreifaltigkeitsberges und der Wallfahrt übernommen".

Die Besiedlung des Berges im Laufe der Geschichte, den Sporn betreffend, wohl nicht dem letzten Stand der Forschung entsprechend. Quelle: Tuttlinger Heimatblätter 1976