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Der Souverän hat abgedankt

Der Kreis Tuttlingen opfert das Spaichinger Krankenhaus

(tutut) - Wir sind das Volk!  Das hat niemand gesagt von den rund 800 Versammelten am Mittwochabend in der Spaichinger Stadthalle.  Vielleicht hatten alle auf ein Schauspiel gewartet, auf einen Weihnachtszirkus im Februar.  Und dabei haben sie gar nicht gemerkt, dass  sie selbst die  Vorstellung waren.  Auf dem Altar  der Politik lag das Spaichinger Krankenhaus.  Den Opferpriester machte der Landrat, eingeübt seit  Wochen.  Der, auf den es ankam, der Souverän, das Volk, hatte abgedankt.  Lautlos, still und stumm assistierte der Kreistag  im Rollentausch untertänigst der Obrigkeit.  Der Aufsichtsrat  des Volks-Klinikums hat  in mehr oder weniger fachlicher Komptenz  alternativlos eine Entscheidung gefällt,  das Volk darf zahlen und weiter zusehen.  Der Kreistag hat amtlich, was er noch zu erörtern und zu entscheiden hat.  Der ganze Vorgang erinnert an Vergangenheit, da ein Spaichinger Stadtpfarrer noch von der Kanzel donnerte: Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.  Anschließend dann beruhigte er nicht die stürmische See, sondern das Volk auf dem Narrenschiff: In solchen Zeiten komme es nicht darauf an, welcher Partei der Käptn angehört.  Die  Antwort war das Schweigen der Lämmer.

Ein schweigendes Volk, ein entmündigter Kreistag. Ja, wenn's ihnen so gefällt,  was der Landrat meint als  Ultima ratio für die Gesundheit der Bevölkerung tun zu müssen, da es eine linksgrünsozialistische Regierung diktiert, dann kriegen sie's wie bestellt. Hier und da noch ein Schönheitspflästerchen auf dem Paket, ein Schleifchen drum, und prima ist's.  Am 7.März  wird gewichtelt, wie's der Landrat dem Kreistag befiehlt.  Im Mai darf das Volk  ihn neu wählen. Es wird fast, aber nicht ganz, der alte sein, denn frühere volksnahe CDU wird wohl dazu kommen, heißt dann aber AfD.  Der linke Block, der jetzt schon probt, muss jetzt schon aufstehen gegen Rechts.  Wer fragt da nach gesundem Menschenverstand und  optimaler mediznischr Versorgung der Bevölkerung im Kreis Tuttlingen?

Landrat Stefan Bär sagte in der Stadthalle auf, was er seit Tagen schon hat schreiben lassen, der von der Regierung und die Funktinäre des Gesundheitsgeschäfts  drehten die bekannten Walzen ihrer Orgeln, ein Arzt politisiert, hält es aber nicht für Politik, denn das muss ein so schmutziges Geschäft sein für Weißkittel, obwohl Zeitungen anderes verbreiten.  Ein Exministerpräsident  träumt von uralten Zeiten, da es noch eine CDU gab. Diskussion? Dialog? Fehlanzeige.  In meinungs- und pressefreien Zonen empfiehlt sich Zurückhaltung.  Es könnte ja den mainstream stören.

Zunächst einmal, wolle man die Betten in Spaichingen erhalten, das eine oder andere eventuell ausbauen, was aber die Altersmedizin  betrifft, so müsse diese ganz nach Tuttlingen. Angesichts dessen, dass Deutschland das teuerste Gesundheitswesen in der Welt hat mit mittelmäßigem Erfolg, klingen Auslassungen von Regierungsseite  in Richtung größerer Zentren wenig  überzeugend. Die Fehler stecken auch im System, vor allem wenn über Fachpersonalmangel geklagt wird. Es gibt europäische Länder, in denen Ärzte und Pflegekräfte aus Deutschland sich wohler fühlen.

Der Abend in Spaichingen war ein verlorener Abend. Er bot keine Auseinandersetzung über verschiedene Modelle,  sondern er stellte die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen, ohne dass die den Eindruck haben kann, ihre Vertreter haben in deren Interesse entschieden. Wenn er Kreistag wie geplant am 7. März das Modell Landrat  beschließt, dann nickt er dies in Wirklichkeit nur ab.  Das Fazit von Spaichingen ist: Da kann passieren, was will, die Sache wird durchgezogen. Wo ist das Volk?

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