Springe zum Inhalt

Leselust

George Floyd – zwei Prognosen

Seit Weiße auf der Straße knien und um Vergebung für ihre Hautfarbe bitten; seit alle Abstandsregeln aufgehoben sind, weil in den Großstädten der westlichen Welt gegen Rassismus und für den Wert schwarzen Lebens demonstriert wird; seit klar ist, dass der kriminelle Floyd ein „sanfter Riese“, die weiße Welt hingegen die Zerstörerin von Frieden, Klima und dem großen Miteinander ist, wissen wir – ja was eigentlich?

Wir wissen nicht mehr als das, was der konservative Publizist Martin Lichtmesz in den vergangenen drei Jahren geschrieben und prognostiziert hat: Er hat mit "Rassismus. Ein amerikanischer Alptraum" und mit "Hierarchie der Opfer" exakt beschrieben, was von den USA herkommend über den großen Teich nach Europa schwappen wird.
Aber der Reihe nach: Rassismus ist tatsächlich ein Alptraum für Amerika. Das liegt nicht daran, dass es besonders viel davon gebe. Auch die USA, die ja bekanntlich das rassistische Deutschland niederwarfen, um noch bis in die sechziger Jahre gesonderte Bänke, Schulen, Busse und Universitäten für Schwarze bereitzuhalten, haben dazugelernt und betonen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, dass jeder gleich behandelt werde und dieselben Chancen habe.

In seinem Bändchen "Rassismus" zeigt nun aber Lichtmesz, dass jemand immer dann ein echtes Problem hat, wenn er ständig betont, dass er keines habe. Und so ist das auch: Weiße und Schwarze, Hispanier und Asiaten – sie alle sollen zwar stets und immer und ohne Probleme eine große Nation sein. In Wirklichkeit leben sie aber recht streng voneinander getrennt und ohne echtes Verständnis füreinander in ihren eigenen Stadtvierteln. Man ignoriert das irgendwie im Alltag, aber immer dann, wenn es ernst wird, kommt es ans Tageslicht.

Lichtmesz zeigt, dass Wahlen in den USA längst zu ethnischen Wahlen geworden sind: Man wählt je nach Hautfarbe vor allem so oder so, und aller Negation zum Trotz spielt das richige Ansprechen dieser Hautfarbe eine Riesenrolle im Wahlkampf. Wir Europäer kennen das noch nicht recht, aber es wird auch bei uns dazu kommen, prognostiziert Lichtmesz. Und mehr: Kann Europa etwas von den USA lernen? Aber ja: Europa muss Europa bleiben, und das bedeutet eben auch, dass es der Kontinent der Europäer bleiben muss. Wer von Amerika lernen will, muss sagen: Lasst uns die dortigen Fehler nicht wiederholen. Wir dürfen unsere Landsleute keinem Experiment opfern!

Um diese Opfer geht es im zweiten Bändchen von Lichtmesz: Die Frage, warum gerade George Floyd zu einem Fanal wurde, verweist auf eine Hierarchie der Opfer: Weil Weiße von vornherein eher Täter sein sollen und Schwarze Opfer (der Kultur, der Geschichte, der Polizei, des Bildungssystems usw.), müssen sie anscheinend wenigstens in einem Bereich einen Ausgleich erfahren: schwarze Opfer, aber auch die Opfer unter den eingewanderten Syrern und Afghanen, den Nigerianern und Zigeunern, erfahren deutlich mehr Beachtung als diejenigen Frauen und Mädchen, die vergewaltigt wurden oder die niedergestochenen jungen Deutschen der letzten Jahre.

Lichtmesz dröselt diese ideologische Ungerechtigkeit in seinem Bändchen auf und prognostiziert eben das, was wir nun erlebt haben: schwarze Ikonen struktureller weißer Gewalt und eine völlige Lähmung der Weißen, die sich im Angesicht des goldenen Sarges alles bieten lassen müssen. Kann man alles nachlesen, kann man alles wissen. Lesen und verschenken.
» Rassismus. Ein amerikanischer Alptraum
» Die Hierarchie der Opfer
(pi-news.net)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.