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Leselust?

"Wohn-Haft", Roman von Manfred Haferburg, Vorwort: Wolf Biermann

"Wohn-Haft" ist ein Roman, der auf einer wahren Geschichte basiert. Der Leser taucht in den Alltag der DDR-Jahre ein. Er begegnet Menschen, die in dieses Land hineingeboren wurden und die sich hinter der Mauer einrichten müssen. Manche sind stark, wie die junge Lehrerin Sigi, deren Schicksal wie zufällig mit dem System kollidiert. Liebe trifft auf Dummheit und Hass. Manche sind zu schwach, den Verlockungen der Menschenfänger zu widerstehen. Wir lernen den blonden Wikinger Paul kennen, den das System zum Verräter an sich selbst und seinen Freunden macht. Manni, die Hauptfigur, begehrt auf. Aus dem Mitläufer wächst ein Mann, der versucht zu widerstehen. Wer sich nicht beugt, muss zerbrochen werden. Er wird verraten, zersetzt, gefangen und eingekerkert. Wir leiden mit im aussichtslosen Kampf des Einzelnen gegen das übermächtige System.

Die Geschichte bietet aber auch Einblicke ins Innenleben eines schier allmächtigen Apparates. Fasziniert folgen wir den Bonzen und Schergen bis in den Kopf hinein. Spitzel sind auf Spitzel angesetzt. Abgestoßen lesen wir von der Intelligenz des Bösen, von dessen Gemeinheit und Schläue. Eine Lehrstunde über totalitäre „Systeme“, wie sie als Gesamtheit funktionieren, samt genauer Beschreibungen einzelner Rädchen. Der Autor erzählt packend von menschlichen Stärken und Schwächen in einem menschenverachtenden System, dass man fast atemlos weiterliest. Dieser Roman ist so gesättigt mit realem Leben, dass man den Takt der untergegangenen Welt beim Lesen nachspüren und nacherleben kann. Wir werden erfahren, was wir eigentlich schon immer ahnten – am Ende sind Menschlichkeit und Liebe stärker als jede Diktatur. (Amazon)

Autor Manfred Haferburg  (geb.1948 in Nebra) wuchs in Sachsen-Anhalt auf. Er studierte in Dresden Kernenergetik und arbeitete im Kernkraftwerk Greifswald. Da er kein Mitglied der SED war und einen Anwerbeversuch des Ministeriums für Staatssicherheit ablehnte, geriet er ins Visier verschiedenster Zersetzungsmaßnahmen der Staatssicherheit. Im Mai 1989 versuchte er über die Tschechoslowakei in den Westen zu fliehen. Im Zug von Prag nach Nürnberg wurde er verhaftet und in die zentrale Untersuchungshaftanstalt nach Berlin-Hohenschönhausen verbracht. Von dort aus erfolgte im Oktober 1989 - einige Tage vor dem Fall der Mauer – seine Entlassung: mit verbundenen Augen wurde Haferburg in ein Auto gedrückt und auf offener Straße aus dem Fahrzeug geworfen. Nach Aberkennung der DDR-Staatsbürgerschaft durfte er von Greifswald aus schließlich ausreisen. Seit 1999 arbeitet Manfred Haferburg für eine internationale Organisation mit Sitz in Frankreich und berät Kernkraftwerke auf dem Gebiet der nuklearen Sicherheit. Über seine Erfahrungen mit dem Zersetzungsmechanismus der Stasi hat er den Roman "Wohn-Haft" mit einem Vorwort seines Freundes Wolf Biermann geschrieben. Manfred Haferburg: "Der Zeitgeist herrscht, weil das Betriebssystem der Unfreiheit Angst heißt...Die Geschichte droht, sich zu wiederholen. Noch ist nicht alles so schlimm, wie es in der DDR einst war. Aber die Gesellschaft ist auf einem bösen Weg dort-hin. Ich hätte nie gedacht, dass Reiseverbote – bei notabene sperrangelweit offenen Grenzen – je wieder in Deutschland möglich wären. Ich hätte jeden ausgelacht, der mir gesagt hätte, dass das deutsche Parlament zu einer auf das politische Geschehen einflusslosen gefügigen Volkskammer verkommt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es wieder eine Gesellschaft der Denunziation, der Manipulation, der Ausgrenzung Andersdenkender, der Übergriffigkeit der Staatsbürokratie bis ins Kinderzimmer, ja der offenen Verachtung des Staates gegenüber seinen Bürgern geben wird“.

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