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„Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden“

Probt oder mimt Laschet den Lockdown-Widerstand?

Von WOLFGANG HÜBNER

Wer in der Union von CDU/CSU und damit auch in Deutschland das Alphatier werden will, der muss zur richtigen Zeit fest zubeißen, um den Platz an der politischen Sonne zu erobern. Das gilt auch für Armin Laschet, dessen erste Silbe des Nachnamens ja nicht gerade auf eine kämpferische Natur schließen lässt. Nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden stehen ihm auf dem Weg ins Bundeskanzleramt noch zwei Figuren der Union im Wege: Merkel und Söder. Die eine will angeblich freiwillig weichen, ist aber kräftig dabei, dem Nachfolger maximal viel verbrannte Erde zu hinterlassen. Der andere aus Bayern ist so chronisch beißwütig, dass er längst in Gefahr ist, sich in seiner Corona-Tollwut festgebissen zu haben.

Wenn Laschet über ein Mindestmaß an politischem Instinkt für die Gunst der Stunde im vierten Lockdown-Monat hintereinander verfügen sollte, dann muss er jetzt seinem Nachnamen Unehre machen und zuschnappen. Denn die Stimmung im Land der Schafsgeduldigen kippt selbst in einigen linientreuen Medien in Richtung Lockerung und Beendigung der ebenso unglaubwürdigen wie sinnlosen Zwangsmaßnahmen. Glaubt man Berichten über eine Rede Laschets beim digitalen Neujahrsempfang des baden-württembergischen Landesverbands des CDU-Wirtschaftsrats, dann übt der CDU-Vorsitzende zumindest den Biss, mit dem er sowohl das Problem Merkel als auch den fränkischen Großkotz außer Gefecht setzen könnte.

In der Rede soll Laschet ziemlich unverblümt Kritik an der weiteren Aufrechterhaltung der Zwangsmaßnahmen, der Entmündigung der Bevölkerung und der Inzidenzdiktatur geübt haben. Mit anderen Worten: Kritik an und Abwendung von dem Kurs von Merkel und Söder. Wie glaubwürdig Laschet, der bislang diesen Kurs stets eifrig mitgetragen hat, eingeschätzt werden kann, ist eine andere Frage. Doch um Glaubwürdigkeit geht es in der etablierten deutschen Politik schon lange nicht mehr. Im konkreten Fall geht es vielmehr um ein strategisches Manöver im Kampf um die künftige Kanzlerkandidatur. Wer diese erobern will, muss nicht nur den gefährlichsten Rivalen (Söder) ausspielen, sondern sich auch von Merkel absetzen.

Paradoxerweise ist das für einen eingefleischten Merkelianer wie Laschet leichter als für den selbstverliebten Söder, der Sympathien für die Kanzlerin nur so lange heucheln wird, bis er sie los sein und auf ihrem Thron sitzen wird. Kein Thema eignet sich besser für diese Absetzbewegung als die tiefe Unlust und Müdigkeit einer wachsenden Zahl von Deutschen am endlosen Lockdown. Selbst Laschet dürfte kapiert haben, wie ausweglos die Corona-Politik von Merkel und Söder ist. Dass er die Kritik vor Vertretern des Kapitals gemacht hat, lässt auf seine Erkenntnis schließen, die Mächtigen im Hintergrund seien der „Menschenrettung“ um jeden Preis inzwischen doch müde geworden.

Die nächsten Wochen, vielleicht schon Tage werden erweisen, ob Laschet den Widerstand gegen Merkel und Söder nur gemimt hat oder ernsthaft probt. Wenn er Kanzler werden will, kann es allerdings beim Proben nicht bleiben.
(pi-news.net)

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