Springe zum Inhalt

Menschenrechtsideologie

Illusionär, verlogen, gescheitert

Von WOLFGANG HÜBNER

Es gibt, ohne Zynismus, einen positiven Aspekt im afghanischen Geschehen: Denn drastischer kann nicht mehr unter Beweis gestellt werden, welchen Schaden die besonders in Deutschland so propagierte wie beliebte Menschenrechtsideologie in der Außenpolitik anrichtet. Haben die Amerikaner zumindest noch 2001 bei ihrer Besetzung Afghanistans wenig Zweifel über ihre rache- und machtpolitischen Motive gelassen, so war die deutsche Teilhabe an dem nun krachend gescheiterten Abenteuer immer lyrisch umflort von den edelsten Motiven und Zielen wie militärgestützte Sicherung von Mädchenschulen, Frauenemanzipation und Demokratieschulung. Davon spricht nun keiner mehr, denn jetzt geht es nur noch darum, schnell die Flucht zu ergreifen.

Derweil die Bundeskanzlerin, eine ihrer erfolgreich erprobten Machtstrategien, mal wieder von der Bildfläche verschwunden zu sein scheint; die Verteidigungsministerin zwischen Kuchenbacken allerlei herumstammelt, und jener Außenminister, der wegen Auschwitz in die Politik gegangen sein will, so hilflos-lächerlich wirkt, wie er es ja auch schon immer ist, betet die ganze deutsche politische Klasse dafür, dass niemand von ihr zur Verantwortung für das afghanische Desaster gezogen wird, und die Evakuierungsflugzeuge noch Landeerlaubnis in Kabul bekommen. Da bekommt übrigens die frisch plakatierte grüne Wahlparole „Bereit, weil ihr es seid“ einen ganz aktuellen Sinn beim Gedanken an die Massen junger Männer in Kabul, die zwar nichts gegen die Taliban tun wollen, aber sehr gerne zum Aufbruch nach Germoney und kurzen Frauenröcken bereit sind.

Keiner von all diesen Politikdarstellern dürfte bereit sein zum Eingeständnis, dass nur illusionslose Realpolitik aus dem selbstgebauten Gefängnis der Menschenrechtsideologie herausführt. Doch je länger diese Realitätsverweigerung anhält, desto teurer wird sie. Unglaubwürdig und verlogen ist sie ohnehin schon längst. Denn was in Afghanistan unerträglich fürs westliche Gemüt gewesen sein soll, ist in Saudi-Arabien, Katar oder den Arabischen Emiraten, also ökonomisch befreundeten Staaten, kein störendes Problem. Und wer bei Russland oder Weißrussland um jeden verhafteten Oppositionellen klagt, aber bei so ungehemmt repressiven Regimen wie China oder Ägypten lieber die ganz leisen Töne wählt, sollte in der offiziellen Politik besser ganz stumm sein.

Das ist für das asyloffene Deutschland schon deshalb ratsam, weil immer mehr Staaten mit der Flüchtlingswaffe drohen können und diese auch anzuwenden bereit sind. Den neuen Machthabern in Kabul wird es sehr gelegen kommen, für ihr an überflüssigen Söhnen reichem Land ferne Abnehmer zu finden. Deshalb werden sie sich freuen, wenn eine deutsche Annalena eilfertig in der EU Kontingente für selbstverteidigungsunwillige Afghanen fordert.

Und sie werden sich amüsieren über grünrotschwarze Menschenrechtsschwätzer, die außenpolitisch Schiffbruch erleiden und innenpolitisch ihre Gesellschaften mit kulturfremden Migranten verheeren und spalten. Michel Houllebecq hat gerade die richtige Überschrift für diesen Wahnsinn formuliert: „Der Selbstmord der Moderne“.
(pi-news.net)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert