Springe zum Inhalt

Merkels Bewerbung und Deutschlands Illusion

Rede auf Münchner Sicherheitskonferenz

Von WOLFGANG HÜBNER

Die Merkel-Fans in Deutschland sind wahnsinnig begeistert vom Auftritt der Dauerkanzlerin auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Die politische Chefin eines Staates mit einsatzunfähiger Streitmacht und fluguntüchtigen Regierungsflugzeugen hat in freier Rede (!) und richtig temperamentvoll (!!) die meisten der dort anwesenden hochrangigen Besucher begeistert und zu stehenden Ovationen bewegt. Das schafft sie ansonsten nur bei handverlesenen CDU-Veranstaltungen, aber dort herrscht bekanntlich eine kaum noch zu übertreffende Anspruchslosigkeit.

In einem Land, dessen politische Klasse und linksgrüne Medien es beim Volk geschafft haben, Donald Trump gefährlicher erscheinen zu lassen als jede nur denkbare Naturkatastrophe, terroristische Massenmorde oder tödliche afrikanische Seuchen, wird Merkels offen gezeigte Gegnerschaft zum amerikanischen Präsidenten frenetisch gefeiert. Dass der anwesende US-Vizepräsident nach der Heimkehr seinem Chef sicher einiges aus München erzählen wird, kann allerdings noch schmerzhafte wirtschaftliche und finanzielle Folgen für Deutschland, aber sicher nicht für die Pfarrerstochter haben.

Denn Merkel hielt in der bayerischen Metropole faktisch eine Bewerbungsrede für ein hohes internationales Amt nach Ende ihrer Amtszeit. Um damit Eindruck zu schinden, macht sich eine gehörige Portion Distanzierung von Trumps Politik besonders gut. Denn dieser Präsident ist für alle Anhänger der gerade zu Ende gehenden Weltordnung das Grauen in Menschengestalt. Dazu das Merkel-Mantra von der „multilateralen Welt“, das gerne gehört, doch in der realen Welt einer scheiternden Globalisierung im Sinne der westlichen Interessenlage keine glänzende Zukunft mehr haben dürfte.

Denn ob USA, China, Russland oder Indien, um nur die wichtigsten Staaten zu nennen: Überall wird militärisch aufgerüstet, um im internationalen Machtspiel weiterhin mitwirken zu können. Was ist mit Europa? Die Briten werden sich nach dem Brexit noch enger an den großen Sprachbruder anlehnen wollen und müssen. Und unser EU-Freundfeind Frankreich denkt überhaupt nicht daran, seine Atomstreitkräfte oder seinen festen Sitz im UN-Sicherheitsrat mit Berlin oder der EU zu teilen.

Deutschland mag zwar noch einige Zeit Exportchampion sein und hohe Überschüsse im Außenhandel erzielen. Aber Ökonomie ist nicht alles, wie man spätestens seit Beginn des 1. Weltkriegs wissen sollte. Zwar hat Merkel in ihrer Münchner Rede einmal mehr erwähnt, Deutschland müsse „mehr Verantwortung in der Welt“ übernehmen. Dass das notwendig sei, kann sie ja fast jeden Tag in der FAZ lesen.

Doch das lässt sich nicht in einem Land finanzieren und organisieren, das wegen offener Grenzen Millionen Sozialasylanten mit vielen Milliarden Steuergeldern versorgen muss, kaum noch geeignete Soldaten findet, die dazu noch fast nach Belieben beschimpft und verhöhnt werden dürfen, dazu unter Auswanderung begabter und leistungswilliger Köpfe leidet. Das Parteienkartell und seine Medien haben Deutschland geradezu systematisch wehrunwillig und wehrunfähig, aber wenigstens konkurrenzlos moralimperialistisch gemacht.

Es ist eine große deutsche Illusion, in dieser Verfassung international künftig ernst genommen zu werden. Schöne Fotos mit der Trump-Gegnerin Nancy Pelosi und Beifall von frustrierten Transatlantikern mögen die Kanzlerin erfreuen – für Deutschland ist das nutzlos. Denn selbstverständlich gibt es zwischen Flensburg und Konstanz, Aachen und Görlitz auch nach Merkels Abgang ein Weiterleben. Es wird jedoch ungeheuer belastet sein von der Hinterlassenschaft einer politischen Ära ohne Kompass und Prinzipien. In München wurde eine Bewerbung bejubelt, die den Müllers und Meiers hierzulande auch im Erfolgsfall nichts nutzen wird.
(pi-news.net)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.