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Olympische Winterspiele

Peking und der „Fall“ Peng Shuai

Von Peter Helmes

Trotz der bevorstehenden Olympischen Winterspiele scheint das autoritäre Regime in Peking kein Interesse daran zu haben, sein internationales Bild aufzupolieren. Muslime werden in Umerziehungslager gesteckt, in Hongkong ist die Demokratiebewegung zerschlagen worden, die Drohungen gegen Taiwan nehmen zu, und Andersdenkende werden inhaftiert oder verschwinden auf seltsame Weise.

In drei Monaten also beginnen die Winterspiele in China, in dieser immer brutaleren Diktatur. Dieses Fest ist nur für wenige ein Anlaß zum Feiern. Die Kommunistische Partei Chinas hat unter ihrem allmächtigen Führer Xi Jinping ihren Kritikern die Daumenschrauben weiter angezogen.

Zuletzt war es die Tennisspielerin Peng Shuai, die die Klauen der Partei zu spüren bekam. Sie hatte Anfang November Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker öffentlich gemacht. Seither gilt die 35-Jährige als verschwunden. China kümmert sich nicht um Druck von außen. Aber alles, was mit dem Fall zu tun hat, wird innerhalb Chinas vollständig verschwiegen und zensiert.

„Völlig neue Form der Kollaboration mit China“
Durch das Verschwinden der Tennisspielerin Peng wird jedoch der moralische Druck auf das Internationale Olympische Komitee, das offensichtlich auf eine demonstrative Zusammenarbeit mit Chinas Führung im Fall Peng setzt, verstärkt. Präsident Thomas Bach schweigt nach wie vor zu dem Verschwinden der Tennisspielerin – eine Haltung, die bei ihm nicht unbekannt ist. Gut möglich, daß er Chinas Staatschef Xi aus rein wirtschaftlichen Interesse die Laune nicht vermiesen will.

Bach habe „eine halbe Stunde lang mit ihr per Videoschalte gesprochen“, erklärte das IOC am Wochenende. Peng habe versichert, daß es ihr gut gehe, zur Zeit aber wolle sie nicht gestört werden. Internationale Beobachter gehen davon aus, daß sich das IOC von Chinas Sicherheitsbehörden hat einspannen lassen. Eine Sprecherin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch reagierte empört, sie nannte das Vorgehen des deutschen IOC-Chefs eine „völlig neue Form der Kollaboration“ mit Chinas Führung.

Aber es gibt auch andere, mutigere Stimmen: In einer Zeit, in der von Unternehmen, Regierungen und gemeinnützigen Organisationen viel Zweideutiges über die grassierenden Menschenrechtsverletzungen in China zu vernehmen ist, klingt Steve Simon, Vorsitzender und Geschäftsführer der Women’s Tennis Association, wie der sprichwörtliche Rufer in der Wüste. Simon drohte China mit einem Rückzug aus dem Land, falls die Führung in Peking den Fall der verschwundenen Tennis-Spielerin nicht aufkläre.

Die von Peng erhobenen Vorwürfe sexueller Übergriffe und Zensur seien ernst und ‚größer als das Geschäft‘. Dieser eine Satz zeugt von viel Zivilcourage und sollte Schule machen – vor allem bei Organisationen, die China aus wirtschaftlichen Interessen noch immer die Stange halten. Gemeint ist hier etwa das Internationale Olympische Komitee unter Führung von Thomas Bach.

Es scheint, als weite sich der Fall Peng Shuai zu einem internationalen Politikum aus. Die Regierungen Großbritanniens und der USA z.B. haben Chinas Staatsführung aufgefordert, sicherzustellen, daß es der 35-Jährigen gut geht. Voller Zweifel zeigte sich der Frauentennis-Weltverband WTA. Es bleibe unklar, ob Peng frei sei und ob sie ihre eigenen Entscheidungen wirklich treffen könne, erklärte WTA-Präsident Steve Simon.

Es wird interessant sein zu beobachten, wie der „Fall“ Peng Shuai ad acta gelegt werden wird; denn Peking wird alles unternehmen, Gras über die Angelegenheit wachsen zu lassen. Ein willfähriges Olympisches Komitee wird ihm wohl kaum dabei in die Quere kommen.
(conservo.blog)

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