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Prof. Dr. Michael Wolffsohn ausgezeichnet

"Unrecht an vertriebenen Deutschen nicht verschweigen"

(tutut) - Am Sonntag hat die Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN den Historiker und Publizisten Prof. Dr. Michael Wolffsohn in der Frankfurter Paulskirche mit dem Franz-Werfel-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Die Laudatio auf den Preisträger hielt der Historiker Prof. Dr. Andreas Rödder. In seiner Dankesrede stellte Wolffsohn fest, wir empörten uns über Gräueltaten weltweit, duldeten aber Schurkenstaaten im UN-Menschenrechtsrat, alimentieren palästinensische Terroristen - und denunzierten deutsche Vertriebene.

Die Jury des Franz-Werfel-Menschenrechtspreises würdigt mit dieser Preisverleihung das umfangreiche und vielfältige Schaffen von Prof. Dr. Michael Wolffsohn. Als Historiker und Publizist habe Wolffsohn in seinen Veröffentlichungen immer wieder deutlich gemacht, dass die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur nicht dazu führen dürften, das Unrecht an den vertriebenen Deutschen zu verschweigen. Engagiert habe er sich dafür ausgesprochen, dass die dauerhafte Erinnerung an die Vertreibung ein elementarer Teil deutscher Geschichte ist. Bereits sehr früh, nämlich 2001, sei Wolffsohn dem wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen beigetreten mit den Worten: „Wer kann sich dem Anliegen eines Zentrum gegen Vertreibungen verschließen? Nur Befürworter von Vertreibungen. Das Eintreten gegen Vertreibungen muss überparteilich und unabhängig von Herkunft und Ideologie sein.“

Der mit 10.000 € dotierte Franz-Werfel-Menschenrechtspreis wird alle zwei Jahre an Einzelpersonen, Initiativen oder Gruppen verliehen, die durch ihr Handeln das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Menschenrechtsverletzungen durch Völkermord, Vertreibung oder die bewusste Zerstörung nationaler, ethnischer oder religiöser Gruppen schärfen.

Der Geehrte  betonte, seine Rede ist Beitrag der Welt, dass Menschlichkeit und Menschenrechte stets in der Defensive seien, und dass sich Deutschland, besonders die Bundeskanzlerin, zur Existenz Israels bekenne. "Ebendiese Existenz sehen Israels Koalition und Opposition durch das Atompotenzial des Iran bedroht. Jüngst hat Israel dazu neue Fakten – wohlgemerkt: Fakten – präsentiert. Sie werden hier und in der EU nicht einmal ignoriert, sie werden negiert". Deutschland ächte und verdamme Terrorismus, gleichzeitig überweise die Bundesregierung seit Jahr und Tag aber Geld an die Exekutive der Palästinenser, die Hinterbliebene nachweislicher Terroristen mit „Märtyrerrenten“ versorge und in Schulbüchern antijüdische Hetze betreibet. Seit Jahr und Tag finanziere und akzeptiere Deutschland die Palästinapolitik der UN. Die definiere auch die Nachfahren der rund 700.000 im Jahre 1948 vertriebenen und geflüchteten Palästinenser als „Flüchtlinge“.

Wolffsohn: "Wie viele deutsche Flüchtlinge und Vertriebene gäbe es heute, wenn auch wir diesen UN-Maßstab anlegten? Wenn Nachfahren der rund zwölf Millionen 1944 bis 1946 deutschen Vertriebenen und Flüchtlinge (ohne den UN-Faktor x) zusammenkommen, werden sie von manchen als 'Reaktionäre', 'Revisionisten' oder gar 'Nazis' beschimpft und geächtet. Deutschlands Vertriebene sagen längst nicht mehr, Schlesien, Ostpreußen oder das Sudetenland 'ist unser'. Sie sagen: Es war unsere Heimat. Hitlerdeutschland hat den Krieg begonnen und verloren. Wir gaben Land für Frieden, Frieden ist das höchste Gut, und gut geht es uns". Deutschlands Vertriebene hätten bereits 1950 auf die Anwendung jeglicher Gewalt verzichtet, Palästinenser nicht. Diese genössen eine breite Sympathie, von der deutsche Vertriebene nur träumen könnten.

Menschlichkeit und Menschenrechte seien bei uns nicht deshalb in der Defensive, weil 'die' Deutschen keine Schutzbedürftigen aufnehmen wollten. Sie seien deshalb in der Defensive, weil die amtliche Menschlichkeit auf die unverzichtbare Sicherheit verzichtet habe. "Sicherheit wiederum, so die naturrechtliche Norm, ist die Voraussetzung von Freiheit und dem Streben nach Glück – also ein unveräußerliches Menschenrecht", sagte der Preisträger und fuhr fort: "Eigentlich habe nicht ich den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis verdient, sondern diejenigen unter den Millionen Deutschen, die in der Zeit der NS-Megaverbrechen individuell unschuldig blieben, kollektiv vertrieben, trotzdem keine Revisionisten wurden und mit sich und anderen sowohl den äußeren als auch inneren Frieden schlossen". Sogar Deutschland und erst recht die „Internationale Gemeinschaft“, allen voran die UN, zögen das Reden dem Realisieren von Menschenrechten oft vor. Irgendwie ähnelten sie dem Fliegenden Frosch, über Wilhelm Busch schrieb: "Wenn einer, der mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum/ Schon meint, dass er ein Vogel wär’,/ so irrt sich der.“

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