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Pseudokonservative blenden nur Kurz

Mehr scheinen zu wollen als sein zu können

Von WOLFGANG HÜBNER

Aufstieg und Fall des österreichischen Politikers Sebastian Kurz sind ein Lehrstück für alle, die sich immer noch einen bürgerlich-konservativen Erlöser vom rot-grünen Elend wünschen sollten. Denn diesen Erlöser wird es nicht geben. Das liegt weniger daran, dass sich nicht auch in Deutschland vielleicht mal jemand für diese Rolle anbieten könnte.

Die peinliche Affäre um den falschen Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg ist ja noch nicht ganz vergessen. Sondern es ist das mittlerweile erreichte Stadium der Entartung und Machtkonzentration in Demokratien wie Deutschland oder Österreich, die solchen sich als bürgerlich-konservativ anbietenden Figuren nur dann eine Chance zur großen Karriere gibt, wenn sie Blender und Täuscher sind.

Da der wirkliche Charakter der zu Guttenbergs und Kurz‘ aber in der Regel recht schnell erkennbar wird, währt ihre Zeit an der Spitze nur kurz, aber lang die Enttäuschung hernach bei den Betrogenen. Es sei daran erinnert, wie viele durchaus nicht naive, eher konservativ oder sogar rechte Zeitgenossen auch hierzulande in dem Wiener Wunderknaben ein wertvolles Geschenk gesehen zu haben glaubten, das sie am liebsten gleich ins Berliner Kanzleramt geschickt hätten. Selbst nach der inszenierten Ibiza-Affäre und der skrupellosen Reaktion von Kurz mit seinem Wechsel zu den Grünen als Koalitionspartner gab es genug Stimmen, immerhin mache er ja seinen Staat dicht gegen die Migrantenflut.

Doch das wird sein Nachnachfolger schon deshalb ebenso tun, weil ihm die FPÖ unter dem glaubwürdigsten Politiker nicht nur Österreichs, Herbert Kickl, andernfalls ganz schnell im Nacken sitzen wird. Dazu braucht dieser Nachnachfolger kein Charisma, das Kurz so gerne angedichtet wurde, sondern nur politisches Nützlichkeitskalkül. Ansonsten wird der neue Kanzler in Wien wieder eine jederzeit austauschbare Charaktermaske innerhalb der politischen Klasse sein.

Das Verhängnis von Kurz war dessen Ehrgeiz, mehr scheinen zu wollen als sein zu können. Aber die Machtkartelle in westlichen Staaten, die im Virusgeschehen immer weniger Demokratien sind, haben keinen dringenden Bedarf für eitle Solotänzer auf dem politischen Drahtseil, sondern neuerdings eher für Corona-Generale. Deshalb kann sich Sebastian Kurz jetzt mit viel Zeit und materiell bereits bestens abgesichert um seinen frischgeborenen Nachwuchs kümmern.
(pi-news.net)

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