Springe zum Inhalt

Schönen Sonntag, Deutschland!!

Walser zu Merkel: Bin verführt von der Wucht ihrer Schönheit!

Von PETER BARTELS

Männer werden mit Glück manchmal Greise. Aber nicht alle Greise werden weise. Manche kriegen einfach nur eine Meise. Wie Martin Walser. Er macht Angela Merkel, der größten Kanzlerin aller Breiten, die irrste Liebeserklärung aller Zeiten: „Die stille Wucht ihrer Schönheit hat mich verführt!“

Der Schriftsteller ist 91, die Kanzlerin 64. Die Enthüllung des Jahrhunderts steht natürlich nicht in BILD, wie früher. Sie steht im „Spiegel“. Rubrik: „Ikonografie“, 118 Zeilen lang, 100 Anschläge breit, vier Fotos vorher/nachher, Titel: „Die stille Wucht der Frau Merkel“. Vorspann: „Ich kann immer zu dem Bild der Frau Merkel pilgern, wandern, es nimmt mich sofort in Beschlag“. Dann die Autorenzeile, englische Schreibschrift: Von Martin Walser. Daneben AUDIO (zum) ABSPIELEN: „Die stille Wucht der Frau Merkel“.

Bleiben Sie hier, lieber PI-NEWS-Leser, es geht erst los, Ihr Sonntag ist gerettet … Nein, die Story hat nichts mit dem 11.11. zu tun – der „Spiegel“ wird in Hamburg gemacht, nicht in Kölle. Und Walser wohnt am Bodensee. Bekanntlich sah da auch schon Annette von Droste-Hülshoff beim „Knaben im Moor“ Gespenster. Und es überkommt einem der furchtbare Verdacht, dass Martin Walser schon vor 51 Jahren so kurzsichtig war, wie Annette von Droste-Hülshoff, als er heimlich dem großen Rudolf Augstein die Ehefrau Maria ausspannte, flachlegte uuund Jakob aus den Lenden strömen ließ. Was man damals dem Knaben bald ansah, heute, dem Mann, erst recht; manchmal ärgert Gott eben die Lügenden!

Als das mit dem Kuckucksei nicht klappte, weil selbst Rudi, der alte Kiffer, ob der Physiognomie stutzte, die so gar nichts mit ihm zu tun hatte, wiederfuhr dem Jakoble die Gnade der Adoption; die Hannöverschen mögen eben keine Skandale. Schließlich sind sie immer noch irgendwie mit der Queen verschwägert. Und Rudi Augstein war ein Gentlemen, kaschierte sich trotzig zum Nenn-Papa und damit zum Erblasser für Millionen Mäuse. Und so hatte Bluts-Papa Martin Walser Rücken und Hand frei, Bücher zu schreiben: „Das Einhorn“… „Jenseits der Liebe“… „Das fliehende Pferd“. Er wurde zwar meistens mit einer unterschwelligen Häme vom SPIEGEL (heute „Spiegel“) begleitet, aber das Jakoble wurde ein Mann (51), Papa Walser ein Greis (91).

Walser: „Merkel sagt keine Phrasen auf, wie so viele andere Politiker“
Alte Männer, die kein Alzheimer haben, können sich erinnern. Walser memoriert im „Spiegel“ sogar einen Text, der am 22.11.2015 in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (die größere „taz“-Schwester!) stand: „Als ich in Berlin neulich in einem menschenvollen Saal sagte: ‚Angela Merkel ist schön‘, da lachten die Leute. Ich durfte es ihnen erklären.“ Dann verrät der Witzbold im „Spiegel“die Pointe: „Frau Merkel muss zu 100 Themen sagen, was sie denkt. Und sie sagt es immer so, dass man miterlebt, wie die Gedanken in ihr entstehen und dann gesagt werden. Nie sind ihre Sätze fertig, bevor sie gesagt werden.“

In Parenthese: Walser war damals 87 … Gut, Sophokles war auch 87, als er vor Gericht stand, weil Sohn Iophon ihn für bekloppt erklären lassen wollte, damit er endlich ans Erbe ran konnte. Sophokles hatte gerade das Jahrtausendstück „Ödipus auf Kolonos“ fertig geschrieben, hatte also keine Zeit für den Acker. So las der Angeklagte den Athener Richtern als Playdoyer in eigener Sache seinen „Ödipus“ vor, fragte danach: „Ist einer geisteskrank, der das noch schreiben kann?“ Donnernder Freispruch… Walsers Satz: „Nie sind ihre Sätze fertig, bevor sie gesagt werden“, hätten die Athener Richter womöglich ein psychologisches Gutachten von Sigmund Freud oder C.G.Jung fordern lassen. Aber die gab’s damals noch nicht. Walser zum Glück auch nicht …

Und so konnte der Schriftsteller, kurz nachdem Merkel die Grenzen von Hunderttausenden strammen, jungen Moslems fluten ließ, ins beifällig hoffende Herz der FAS-Redaktion hinein erklären: „Merkel sagt keine Phrasen auf, wie so viele andere Politiker … Deshalb werden ihre Sätze, egal zu welchen Themen, auch immer glaubhaft. Die meisten Politiker spulen ab, was sie draufhaben … Bei Frau Merkel werden wir Zeuge, wie Geist und Natur zusammenfinden, und eben deshalb ist sie schön.“

„Dass es Angela Merkel gibt, ist in der deutschen Geschichte ein Glücksfall“
Es kommt noch besser, Franz Kafka: „Ihrem Gesicht ist so gut wie nie anzumerken, wie sie findet, was sie jetzt wieder zu sagen hat … Und das unterscheidet sie von allen Politikern der Epoche: Wenn sie spricht, läßt sie uns erleben, wie ihre Sätze entstehen, während sie spricht. Das macht sie einmalig, dass sie uns erleben läßt, wie sie zu den Sätzen kommt, die sie sagt … Ich bin immer gespannt darauf, was sie im nächsten Augenblick sagen wird … Deshalb werden ihre Sätze, egal zu welchen Themen, auch immer glaubhaft.“

Dann schießt der Greis die Meise ab: „Vor kurzem waren im Fernsehen zu sehen Angela Merkel und ihr Vorgänger Gerhard Schröder. Wir haben natürlich den Wahlabend im Kopf, als Schröder, durch seine Niederlage fassungslos, der Gewinnerin ins Gesicht sagte, sie könne das ja gar nicht, Bundeskanzlerin sein. Die Männer debattierten heftig, Merkel schaute ruhig zu und sah dabei schöner aus als je zuvor …. Und jetzt leiht Frau Merkel diesem Gerhard Schröder ihre freundliche Anwesenheit zum Erscheinen seiner Autobiographie. Das ist eine Szene, die Vollkommenheit ausstrahlt … Das war ein Lichtblick … Frau Merkel ist ein Lichtblick… Ich wage zu hoffen, dass ihre Regierungszeit einmal epochal ihren Namen tragen wird … Und ich kann aus Erfahrung sagen: dass es Angela Merkel gibt, ist in der deutschen Geschichte ein Glücksfall.“

Ja, der sehr alte Mann vom Bodensee erinnert sich auch an den 31. August 2015, an die 800.000 Flüchtlinge, die „erwartet“ wurden (es wurden dann 1,6 Millionen, und es werden jeden Tag mehr). Auch an das, was nur wir wissen, was sie aus Angst vor „schlechten Bildern“ sagte: „Deutschland ist ein starkes Land … Wir haben vieles geschafft … Wir schaffen das …“. Ganz alte Männer haben meistens von Natur aus (Prostata, Blase) einen feuchten Feinripp – der von Walser muß sehr feucht gewesen sein bei diesem Satz: „Das war der Satz aller Merkel-Sätze! „Wir schaffen das!“ Spätestens an dieser Stelle der „Spiegel“-Story wird das Walser-Double wider Willen, Wagner, der Postbote von BILD und Merkel-Mönch, die Grappa-Blase vor Ergriffenheit tröppeln lassen, falls er die Schüssel rechtzeitig erreicht: Walser himmelt trotz „entbrannter, wilder Diskussion“ ungerührt weiter, zitiert seine Aphrodite aus dem Schaum des Sozialismus: „Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mehr mein Land“. Und schließlich: „Ist mir egal, ob ich schuld am Zustrom der Flüchtlinge bin, nun sind sie halt da.“ Der Dichter: „Damit beende ich die Aufzählung … die das Merkel-Bild schufen … Ihr Bild ist ihr Wesen.“

„Ich kann mich nicht sattsehen an ihrer Art“
Dann dreht der Greis richtig durch, zerrt sogar Kleist aus der Gruft, seinen Aufsatz: „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“. Walser: Das sei die Formel für Angela Merkels politische Stilistik … für ihre Glaubwürdigkeit. Sie weiß nicht schon vorher, was sie nachher sagen wird. Sie läßt uns erleben, wie die Sätze in ihr entstehen. Das wirkt, als prüfe sie selbst, ob sie das, was sie jetzt sagt, wirklich sagen darf, sagen soll, sagen muss… Ich kann mich nicht sattsehen an ihrer Art … Ich bin immer gespannt darauf, was sie im nächsten Augenblick sagen wird … Ihrem Gesicht ist so gut wie nie anzumerken, wie sie findet, was sie jetzt wieder zu sagen hat.“

Walser jetzt ganz Wagner: „In Wirklichkeit handelt, entscheidet sie ununterbrochen. Das ewige Seehofer-Gerede über eine Obergrenze … Die drastisch sinkende Zahl der Arbeitslosen … Klimawandel … Modernisierung – das schöne Merkel-Gesicht bleibt so ausdrucksscheu wie immer. Sie ist immer nur Zeugin ihrer Handlungen. Sie ist sozusagen nicht schuld daran, dass sie so erfolgreich ist, und darum ist dieses Merkel-Gesicht so schön. Darum ist über die Schönheit der Frau Merkel genug, wenn auch nicht alles gesagt.“

Crescendo frenetico: „Sie hat gesagt: Wir schaffen das. Sie hat es geschafft. Da dürfte man doch singen. Oder jubeln … Nichts ist verführerischer als der Erfolg. Deshalb gebe ich zu: Ich bin verführt. Von ihr und von der stillen Wucht ihrer Schönheit.“

Müssen wir, wie seinerzeit beim STERN mit seinen „Hitlertagebüchern“ die Tausendjährige Geschichte, auch die „Merkel-Geschichte“ seit 2015 umschreiben? Ich fürchte, wir im Tal der Ahnungslosen, müssen uns nur Sorgen machen um den Feuchtigkeitsgrad des greisen Dichterfürstens Schritt. Und um seinen Sohn Jakob; da kommt noch was auf Deutschland zu…

Schönen Sonntag, Deutschland!
(pi-news.net)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.