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Schweigen ist Gold

Heiliger Bimbam zum 9. November

Jüdischer Friedhof.
(tutut). Um 22.03 Uhr  wollen alle Spaichinger Kirchen mit siebenminütigem Gebimmel "Mutig für Menschenwürde" Lärm machen. Von Friede,  nein, nicht dazu von Freude und Eierkuchen ist die Rede, sondern vom Gedenken an die sogenannte Reichspogromnacht am 9. November 1938 und von Mahnung und Aufrütteln der Spaichinger und von ökumenischer Sühne und Solidarität usw. Das Martin-Luther-Haus will Hort für Stille und Gespräche sein.
Wäre Schweigen nicht goldiger als heiliger Bimbam von Türmen? Von Türmen, die einst Hitlers Drittes Reich stets Beifall läuteten, falls die Glocken nicht schon zu Kanonen umgeschmiedet worden waren? Den Kirchen stünde es gut an, still in sich zu kehren und zu bedenken, was sie verantwortlich mit angerichtet haben. Nicht nur bei der  Verfolgung und Ermordung von Juden und anderen unliebsamen Zeitgenossen des Deutschen Reiches.
Im Martin-Luther-Haus könnte mal an den Namensgeber als einem der schlimmsten Judenverfolger erinnert werden. Eine Reformation der Reformation stünde auch dieser Kirche gut an, denn Hitler hat eine Luther erschreckend ähnliche Sprache geführt. Beide Kirchen sind im Dritten Reich nicht gegen die Verbrechen an der Menschheit aufgetreten, wenngleich es einzelne Mitglieder gab, die eine eigene Meinung dagegen wagten und auch dies mit KZ und Ermordung bezahlten, vor allem auch deshalb, weil ihre Kirchen sie im Stich ließen.
Der Judenhass ist im Christentum von Anbeginn an geschürt worden. Die ersten Synagogenbrandstifter sind Bischöfe und Heilige der Katholischen Kirche gewesen. Es schadet nichts, ab und zu statt in Traktätchen einfach mal in Geschichtsbücher zu schauen und laut daraus vorzulesen. Da würden so manchem heute betroffen Dreinblickenden die Ohren klingen. Auch ohne Glockenläuten.