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Sigmaringen hui, Spaichingen pfui?

Krankenhausförderung: Sozialminister als Millionenmann

Zum künstlichen Notfall erklärt: Kreiskrankenhaus Spaichingen.

(tutut) - Schuss ins Knie! Der Tuttlinger Landrat und der Sozialminister sind im Lauf gegen das Spaichinger Krankenhaus beim Start übergetreten. Hat dies ein linkgrün wirkendes  Monopolblatt noch nicht mitbekommen? Muss schwierig sein, zum Thema zu recherchieren oder einfach nach Sigmaringen zu schauen.  Zweimal eine Schließung des Krankenhauses Spaichingen als künstlichen Notfall anzukündigen, ohne dass der verantwortliche Kreistag seriös über das Thema überhaupt diskutiert oder gar entschieden hat, ist ein Versuch, das Hornberger Schießen durch ein Honberger zu ersetzen. Der Sozialminister macht jetzt den Millionenmann bei der Krankenhausförderung:  Sigmaringen hui, Spaichingen pfui?

Piffpaff! Der Landrat und der Minister sind draußen. Ob der Kreistag ihnen noch eine Chance gibt? Zurück auf Los. Dies gilt allerdings auch für ein paar Kreisräte, die sich der Wirkung ihres öffentlichen Plapperns wohl nicht bewusst sind. Denn schließlich geht es um die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Tuttlingen. Wie gesund hätte der Kreis Tuttlingen denn gerne seine Menschen? Geld hat er ja. Und gut geht es ihm auch, wie der Landrat nie aufhört zu versichern.

Nach seinem Urteil über das Krankenhaus Spaichingen müsste  der Landrat nun erbleichen, falls er über den Tellerrand des Kreises nach Sigmaringen schaut. Da hat sich der Sozialminister vor der Kamera des gleichen Lokalblatts in Szene gesetzt und sogar den Geldbriefträger gemacht für von Steuerzahlern hart erarbeitete Millionen. Für das Sigmaringer Krankenhaus.

Drei Krankenhäuser leistet sich der Landkreis Sigmaringen. In Sigmaringen, Pfullendorf und Bad Saulgau. Die Bevölkerung wird es ihren Vertretern danken. 130 192 Menschen leben im Kreis Sigmaringen. Im Kreis Tuttlingen sind es sogar 139 000. Der Landrat und sein Hof geben nun vor, dass neben dem Krankenhaus Tuttlingen das Spaichinger Haus eins zu viel sein soll. Von der "Redaktionsleitung" Spaichingen insistiert, schloss sich das Sozialministerium an, ohne offenbar weiter nachdenken zu lassen.

"Schließung der Spaichinger Klinik ist im Sinne des Landes" titelte das Blatt und erklärte: "In der umfänglich entbrannten Diskussion um die Schließung des Klinikstandorts Spaichingen und die Umwandlung in ein ambulantes Gesundheitszentrum sind die Rahmenbedingungen ein Hauptargument: die der Vergütung und die der Investitionen. Eine Anfrage dieser Zeitung im Sozialministerium Stuttgart ergibt: Das Land – in einer Linie mit den Vorgaben des Bundes – unterstützt diese Entwicklung". Und: "Die Konzentration und Schwerpunktbildung bei Krankenhäusern sei 'grundsätzlich zu begrüßen, da medizinische Kompetenz an einem Standort gebündelt wird“. Und: "Minister Manne Lucha (Grüne) gegenüber unserer Zeitung zu der derzeitigen Diskussion im Kreis: Durch Schwerpunktbildung werde es 'in der Regel zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung kommen'. Er sei davon überzeugt, dass eine optimale medizinische Versorgung durch eine engere Verzahnung der stationären und ambulanten Versorgung sowie mit der Pflege und anderen Gesundheitsdienstleistern nötig sei".

Nachdem der Minister sozusagen das Spaichinger Krankenhaus per Fernsprech gefeuert hat, lässt sich der Grüne in einer anderen Welt, in Sigmaringen, feiern. Dort ist der grüne Ministerpräsident zuhause, in der Region Bodensee-Oberschwaben ist auch Minister aus  Ravensburg daheim. "SRH-Krankenhaus bekommt 33 Millionen Euro - Das Krankenhaus in Sigmaringen wird komplett erneuert. Knapp 100 Millionen Euro soll die Generalsanierung kosten. Offen war bis zuletzt die Frage, wie viel Geld Geld die Landesregierung dazu gibt. Heute war Sozialminister Manne Lucha in Sigmaringen" jubelt es aus dem gleichen Blatt von jenseits der Tuttlinger Grenze. "Sozialminister 'Manne' Lucha hat am Montag einen Scheck in Höhe von 33 Millionen Euro an das SRH-Krankenhaus in Sigmaringen übergeben. Mit dem Geld fördet das Land die im Frühjahr beginnende Generalsanierung des Krankenhauses. Die Förderung fällt höher aus als von den Verantwortlichen des Krankenhauses erwartet. Kommunalpolitiker sprechen von einem Durchbruch für den Erhalt der drei Krankenhausstandorte".

Der Geldbote im Namen des Steuerzahlers ohne diesen zu erwähnen, erklärt dann auch: "Das medizinische Konzept ist sehr überzeugend. Es wird den Erfordernissen der Raumschaft, der Region des Landkreises Sigmaringen gerecht in seiner Ausdehnung auch mit den medizinischen Schwerpunkten".

Der Südkurier, der von exakt 33,3 Millionen Fördergeld berichtet, schreibt: "'Die geplanten Baumaßnahmen am Standort Sigmaringen stellen eine wichtige Investition in die Zukunft dar. Das SRH Krankenhaus Sigmaringen rüstet sich damit gut für die kommenden Herausforderungen, davon bin ich überzeugt', lobte Minister Lucha die Professionalität der Konzeption und Planung. 'Zukunftsfähige Häuser werden wir finanzieren', erklärte der gelernte Krankenpfleger, dass das Land sehr genau überlege, welche Vorhaben gefördert werden, denn man müsse für die nächsten 20 Jahre denken: 'Wir wollen die Krankenhauslandschaft in Baden-Württemberg zielgerichtet und an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten. Dabei ist uns wichtig, die spezifischen regionalen Besonderheiten in die Krankenhausplanung und -förderung einfließen zu lassen'".

Die SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH mit drei Standorten mit 1300 Mitarbeitern versorgen jährlich 23 000 Patienten. Die drei Kliniken mit 523 Betten sind Akutkrankenhäuser der Grundversorgung. An den drei Standorten werden jährlich 8000 Operationen und 64 000 ambulante Behandlungen durchgeführt. Das SRH Krankenhaus Sigmaringen ist zusätzlich ein Haus der Regelversorgung mit ergänzenden Angeboten. Zur Klinik in Pfullendorf gehört eine Gesundheits- und Krankenpflegeschule.

Das Klinikum im Kreis Tuttlingen verfügt in Tuttlingen über 229 Betten und in Spaichingen über 96 mit insgesamt 850 Mitarbeitern.

 

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