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Solidarität! Freundschaft!

Immer schön vorsprechen, dann klappt das mit dem Sozialismus

(tutut) - Politik, Medien, Kirchen - alle sind nun im Sozialismus vereint. Kein Bürgermeister, Landrat, Bischof, der nicht die Solidarität gegen ein Unheil wie Corona rühmt oder fordert. Den Ruf Freundschaft! einer ehemaligen FDJ-Funktionärin, die inzwischen eine rechtskonservative CDU in den Linksverkehr einer politischen Geisterbahn hat einfädeln lassen, werden sie sicher auch bald drauf haben.

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg listet zur Information über Politik und Ideologie der DDR "Die Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik" auf, "10 Gebote für den neuen sozialistischen Menschen", verkündet von Walter Ulbricht 1958 auf dem fünften Parteitag der SED. Die Regeln, die stark an die biblischen 10 Gebote erinnern, wurden in das Parteiprogramm aufgenommen. Zweimal geht es dabei ausdrücklich um "Solidarität", im 1. und im 10.Gebot:

Du sollst Dich stets für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse und aller Werktätigen sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen.
Du sollst Dein Vaterland lieben und stets bereit sein, Deine ganze Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht einzusetzen.
Du sollst helfen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen.
Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen, denn der Sozialismus führt zu einem besseren Leben für alle Werktätigen.
Du sollst beim Aufbau des Sozialismus im Geiste der gegenseitigen Hilfe und der kameradschaftlichen Zusammenarbeit handeln, das Kollektiv achten und seine Kritik beherzigen.
Du sollst das Volkseigentum schützen und mehren.
Du sollst stets nach Verbesserung Deiner Leistung streben, sparsam sein und die sozialistische Arbeitsdisziplin festigen.
Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen.
Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten.
Du sollst Solidarität mit den um nationale Befreiung kämpfenden und den ihre nationale Unabhängigkeit verteidigenden Völkern üben.

Abgesehen davon, dass die SED, welche für den Unrechtsstaat DDR verantwortlich und in der Bundesrepublik verboten war, nun unfröhlichen Wiederaufstand in der Bundesrepublik feiert und dabei schon einen Ministerpräsidenten stellt, welcher erst durch Eingriff seitens der "CDU"-Bundeskanzlerin wieder in sein Amt in Thüringen gehievt wurde, nachdem durch demokratische Wahl dort ein FDP-Politiker gelandet war.

In seinem Lexikon "Die Sprache der BRD - 145 Unwörter und ihre politische Bedeutung" weist Manfred Kleine-Hartlage auf die Problematik hin, welche mit dem Begriff Solidarität gerade in der jetzigen inflationären Verwendung im Zusammenhang mit politischem Versagen wegen eines Virus verbunden ist: "Verwerflich ist nicht, dass Politiker, Meinungsmacher und linke Ideologen gern über'Solidarität' reden - verwerflich ist, dass sie damit, wie immer, etwas anderes meinen, als sie dem Adressaten suggerieren: nämlich ein Verhalten, das jede existierende und funktionierende Solidargemeinschaft ruinieren muss... Solidarität beruht auf Gegenseitigkeit, und dies gilt auch für das Verhältnis von Herrschenden und Beherrschten: Eine politische Klasse, die mit ihrem eigenen Volk nicht solidarisch ist, sich aber von ihm alimentieren lässt, ist das Äquivalent zu einem Schwarzfahrer. Schwarzfahrer aber gehören aus dem Verkehr gezogen". Politischer Murks darf nicht auf Solidarität rechnen und sich damit seiner Verantwortung entziehen.

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