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Sonntag, Leute!

Geschenke für die Reise ins Jenseits, gefunden in Gräbern der Römerstadt Rottweil.

Lieber silbernes Geschirr als Silbergeld

Wir werden uns hüten, überflüssige Geschenke zu schicken, wie einer Frau oder einem alten Mann Jagdwaffen, wie einem Bauern Bücher, wie einem Gelehrten und Wissenschaftler Jagdnetze. In gleicher Weise werden wir umgekehrt darauf achten, daß wir dem anderen - wir wollen ihm mit unserer Sendung ja eine Freude machen - nicht etwas zukommen lassen, was seine Gebrechen verhöhnt; einem Alkoholiker also schicken wir keinen Wein und einem Kränkelnden keine Arzneimittel. Sonst wird die Gabe nämlich zur Beleidigung, wenn in ihr die Schwächen des Empfängers zum Vorschein kommen.

Wenn es einem freisteht, was man überreichen will, werden wir vor allem nach Dingen von bleibendem Wert suchen, damit das Geschenk möglichst von Dauer ist. Nur wenige Menschen sind so dankbar, daß sie an das, was sie bekommen haben, dann noch denken, wenn sie es nicht mehr sehen. Doch auch Undankbaren kommt zusammen mit dem Geschenk die Erinnerung wieder, sobald es ihnen vor Augen steht und sie am Vergessen hindert ...

Ich werde somit lieber silbernes Geschirr als Silbergeld verschenken, lieber Statuen als Kleidung und was sich sonst schon nach kurzem Gebrauch abnutzt... Ich will, daß mein Geschenk, wenn möglich, nicht vergeht; es soll Bestand haben, mit meinem Freund verbunden sein, sein Leben begleiten ...

Bei einem Geschenk soll der gesunde Menschenverstand zum Tragen kommen. Zeit, Ort und Person muß man berücksichtigen ... Freut man sich denn nicht viel mehr über etwas, was man noch nicht hat. als über etwas, das man reichlich besitzt, und mehr über das, was man schon lange sucht und nicht gefunden hat, als über etwas, das man überall sieht? Die Zuwendungen sollen weniger kostbar, als vielmehr ungewöhnlich und mit Bedacht ausgewählt sein.
(Seneca)

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