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Sonntag, Leute!

Geschichte des Internationalen Frauentags

Warum der Weltfrauentag gerade am 8. März gefeiert wird, ist nicht mehr exakt auszumachen. Um das Datum des Tages wie auch um seinen politischen Hintergrund rankten sich in der Vergangenheit mehrere Erzählungen. Inzwischen ist aber unbestritten, dass der Weltfrauentag sozialistische Wurzeln und mehrere „Mütter“ hat.

Die mutigen Anfänge
Bereits auf der ersten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1907 forderte Clara Zetkin das allgemeine Frauenwahlrecht, nachdem bereits 1904 in Berlin der Weltbund für das Frauenstimmrecht gegründet wurde. Außerdem demonstrierten am 8. März 1908 in New York Textilarbeiterinnen für das Frauenwahlrecht, kürzere Arbeitszeiten, höhere Löhne und mehr Arbeitsschutz. Daran anknüpfend riefen Sozialistinnen in den USA den letzten Februar-Sonntag in jedem Jahr als nationalen Aktionstag für das Frauenwahlrecht aus. 1909 wurde er zum ersten Mal begangen.

Amerikanerinnen waren es auch, die 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Idee eines Frauentags verbreiteten. Clara Zetkin und Käte Duncker, Sozialdemokratinnen aus Deutschland, brachten einen entsprechenden Antrag ein, der positiv aufgenommen wurde. Am 27. August 1910 beschlossen 100 Delegierte aus 17 Ländern auf dem zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentags. Ziel und Hauptforderung war das Frauenwahlrecht. Damit war der Internationale Frauentag offiziell ins Leben gerufen.

Am 19. März 1911 fand daraufhin in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA der erste internationale Frauentag statt. Die Wahl dieses Datums sollte den revolutionären Charakter des Frauentags unterstreichen, denn der nahegelegene 18. März war der Gedenktag für die Gefallenen in Berlin während der Revolution 1848. Aus dieser Zeit stammt auch das wichtige Zitat von Clara Zetkin:

"Dieser Internationale Frauentag ist die wuchtigste Kundgebung für das Frauenwahlrecht gewesen, welche die Geschichte der Bewegung für die Emanzipation des weiblichen Geschlechts bis heute verzeichnen kann."
Clara Zetkin, Frauenrechtlerin, 1911

Im Ersten Weltkrieg versuchten politisch aktive Frauen in mehreren Ländern, aus ihm einen Aktionstag gegen den Krieg zu machen. Da pazifistische Veranstaltungen in Kriegszeiten aber fast überall verboten waren, konnte der Frauentag nur im Geheimen begangen werden. In den folgenden Jahren wechselte das Datum des Frauentags, bis es 1921 auf den 8. März festgelegt wurde.

(Quelle: "Landeszentrale für politische Bildung" Baden-Württemberg)

Clara Zetkin - eine Kommunistin
als Demokratin?
Wikipedia: Clara Josephine Zetkin, geborene Eißner (* am 5. Juli 1857 in Wiederau, Amtshauptmannschaft Rochlitz, Königreich Sachsen; † am 20. Juni 1933 in Archangelskoje, Oblast Moskau, Sowjetunion) war eine sozialistisch-kommunistische deutsche Politikerin, Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin. Sie war bis 1917 aktiv in der SPD und in dieser Partei eine markante Vertreterin der revolutionär-marxistischen Fraktion. 1917 schloss sie sich der SPD-Abspaltung USPD an. In der USPD gehörte sie zum linken Flügel bzw. zur Spartakusgruppe, die während der Novemberrevolution 1918 in Spartakusbund umbenannt wurde. Der Spartakusbund wiederum ging zusammen mit anderen linksrevolutionären Gruppierungen in der zum Jahreswechsel 1918/19 neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) auf. Als einflussreiches Mitglied der KPD war Zetkin von 1920 bis 1933 Reichstagsabgeordnete und 1932 Alterspräsidentin des Parlaments.

Auf übernationaler Ebene gehörte Zetkin als Beteiligte am Internationalen Arbeiterkongress von 1889 in Paris zu den Gründern der Zweiten Internationale der sozialistischen Arbeiterbewegung. In der Arbeit für die Internationale gilt sie als prägende Initiatorin des Internationalen Frauentags. Als Angehörige der Zentrale bzw. des später als Zentralkomitee bezeichneten Vorstandsgremiums der KPD war sie von 1921 bis 1933 Mitglied im Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI), wo sie in ihren letzten Lebensjahren zur Minderheit der Kritiker der letztlich von Stalin vorgegebenen Sozialfaschismusthese gehörte.

Dies bedeutete jedoch keine grundsätzliche Kritik an der Kommunistischen Internationale und der sowjetrussischen Diktatur unter Stalin. Auch kritisierte Zetkin niemals öffentlich den Kurs der KPD unter Thälmann, der einer „Unterwerfung unter die stalinistischen Prinzipien“ gleichkam. In einem Moskauer Schauprozess gegen sozialrevolutionäre Regimegegner hatte Zetkin 1922 außerdem als Anklägerin fungiert, die Todesstrafe gefordert und publizierte dazu eine „Kampfschrift“ im Komintern-Verlag. Als 1926 Felix Dserschinski starb, der als Leiter der Geheimpolizei Tscheka den „Roten Terror“ durchführte, lobte Zetkin in einem Brief an das ZK der KPdSU dessen Vorgehen als „beispielgebend“; Dserschinski habe „Entscheidendes und Unvergessliches“ geleistet, er „säuberte [...] den Weg für den sozialistischen Aufbau“.

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