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„Spaichingen am langen Arm verhungern lassen“

Krankenhaus zu? -  Bürgermeister zweifelt am Aufsichtsrat

(tutut) - Dumm gelaufen, Herr Landrat!, kann man da nur sagen. Während er sich auf seinem" Neujahrsempfang" in Immendingen mit Wischiwaschi und Spielverlängerung als Amtsleiter beschäftigte, offenbarte er akute Führungsschwäche. Nein, nicht "Tourismus" ist das Thema des Tages in einem Landkreis, dessen Wirtschaft durch produzierendes Gewerbe bestimmt wird wie in keinem anderen Kreis im Land, sondern die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Jetzt und an jedem nächsten Tag. Geht das mit nur einem Krankenhaus in Tuttlingen? Muss Spaichigen zugemacht werden? Darüber hätte der Landrat sprechen müssen? Hat er gehofft, dass der Spaichinger Bürgermeister sich besser macht als Schwarzer Peter, indem er den Boten mit der schlechten Nachricht gibt? Sollte der Sack statt dem Esel geprügelt werden? Als "Begleiter, welcher er auch in Zukunft sein will, kommt Landrat Stefan Bär aus dieser politischen Krankenakte des Landkreises Tuttlingen nicht heraus. Führung ist gefragt. Dies gilt auch für den Kreistag, welcher nicht Zuschauer und Begleiter sein soll, sondern Entscheider! Oder wollen seine Mitglieder im Frühjahr nicht wiedergewählt werden? Womit wollen sie dies begründen? Mit Bürokratiewucherungen durch millionenteure Landratsamtserweiterung?

Stellungnahme von Hans Georg Schuhmacher
Was der Spaichiner Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher im Augenblick zur Ankündigung einer möglichen Schließung des Spaichinger Kranenhauses zu sagen hat, hat er in eine Antwort gepackt auf Fragen des "Wochenblatts". Darin stellt er fest:

"Ich kann die Entscheidung des Aufsichtsrats überhaupt nicht nachvollziehen. Es wurde im Jahr 2013 ein umfassendes Gutachten zur Zukunftsfähigkeit des Klinikums – damals war ich noch im Kreistag – in Auftrag gegeben. In diesem Gutachten heißt es unter anderem, dass die Überprüfung der Wettbewerbsfähigkeit in wenigen Jahren erneut untersucht werden solle. Das hat man versäumt. Im Gegenteil: Bei dem was ich heute weiß, muss ich davon ausgehen, dass man mit Änderung der Gesellschaftsstruktur der Klinik im Jahr 2015 begonnen hat, Spaichingen am 'langen Arm verhungern' zu lassen.

Das Argument, man ziehe die Innere Medizin nach Tuttlingen und schaffe dort zwei Chefarztstellen, ist genau die gleiche Organisation, wie wir sie heute haben, nur an einem Standort. In Tuttlingen muss man investieren, in Spaichingen bräuchte man das nicht. Es wird darüber hinweggetäuscht, dass verändert wird. Im Grunde nach bleibt alles so wie es ist; die medizinische Versorgung soll eben nur ausschließlich in Tuttlingen erfolgen.

Millionen in Spaichingen investiert
Zugleich wird verschwiegen, dass mit der Veränderung am Klinikstandort Spaichingen erhebliche Investitionen in Tuttlingen notwendig werden: Bau eines weiteren Bettenhauses bzw. einer Station. Dies obgleich in den letzten Jahren in Spaichingen Millionen investiert worden sind und das Haus gut da steht. Hier das Argument ins Feld zu führen, dass die Investitionen abgeschrieben seien, ist bei einer Diskussion über Kosteneinsparungen geradezu grotesk.

Ich habe schon des Öfteren von Bürgerinnen und Bürgern gehört, dass sie – gerade in der ärztlichen Notaufnahme - nach Tuttlingen mit dem Bemerken geschickt worden seien, man habe in Spaichingen nicht die für die Behandlung notwendige Infrastruktur, oder dass kein Arzt anwesend sei. Wenn das stimmt, dann kann man doch nur schlussfolgern, dass man schon seit wenigen Jahren auf die angeblich jetzt aufgetretene Situation zielgerichtet hingearbeitet hat.

Entscheidung in Eile durchboxen wegen Wahlen?
Wenn ich noch Kreisrat wäre, würde ich dies einmal kritisch untersuchen. Die Klinik hat sich jedenfalls nicht so eingerichtet, wie es im Gutachten 2013 vorgesehen war. Wenn ich zudem höre, dass die Kreisräte von CDU und Grüne ihr Verständnis für die Entscheidung schon signalisiert hätten, dann darf man sich nicht wundern, wenn eine Entscheidung in dieser wie vom Landrat vorgegebenen Eile durchgeboxt werden soll.

Das hat etwas damit zu tun, dass man keine langen Diskussionen in der Sache will. Es sind Kreistagswahlen und Anfang nächsten Jahres steht die Wiederwahl des Landrats an. Vielleicht ist es unpässlich, eine solche Diskussion in Wahlkampfzeiten vor sich herzutragen.

Den Bürgerinnen und Bürgern, die auf medizinische Versorgung angewiesen sind bringt diese Windeseile nichts. Im Gegenteil.

Ich kann alle Verantwortlichen nur dazu einladen, die Gutachten, die vorliegen, auch zur Verfügung zu stellen, damit man sich – auch ich mir – ein umfassendes Bild machen kann. Ich kann nur dazu einladen, dass man diese für den Landkreis wichtige Frage nicht in drei Monaten entscheidet. Und ich frage mich, wie die Position des Kreistags ist, wenn dieser angeblich auch erst jetzt über diese Neuerung informiert worden sein soll.

Medizinische Versorgung im nördlichen Landkreis sichern
Für mich steht außer Frage, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung des nördlichen Landkreises aufrechterhalten werden muss. Für mich steht außer Frage, dass der Landkreis bei aller Überlegung der Klinikgesellschaft nach Aufgabe des Standorts gewährleisten muss, dass jeder, der medizinsche Hilfeleistung braucht, auch in Spaichingen behandelt werden kann, und zwar in einer Art und Weise, dass sowohl zumindest Fachärzte der Allgemeinmedizin als auch Fachärzte anderer Disziplinen wenigstens werktäglich am Klinikstandort arbeiten und behandeln können. Das muss der Landkreis gewährleisten; besonders in Zeiten, in denen auch die altersbedingte Aufgabe einiger Arztpraxen in den nächsten Jahren droht.

Es darf nicht sein, dass man ein Versorgungszentrum in Spaichingen einrichtet, welches nur die Patienten, die ankommen, nach Tuttlingen überweist. Das ist wohl beabsichtigt, wenn man in der Fachsprache von Portalfunktion des Klinikstandorts Spaichingen spricht. Solche Fachbegriffe täuschen über die wahre Absicht hinweg, dass man Spaichingen nur deswegen aufrechterhalten will, dass keine Patienten des nördlichen Landkreises in Kliniken nach Rottweil oder Villingen-Schwenningen abwandern.

Brauchen Klinik für Grundversorgung und Heilbehandlung
Das kann für Spaichingen aber nicht die Lösung sein. Wir brauchen den Klinikstandort zur Grundversorgung und zur stationären Heilbehandlung. Die Infrastruktur mit Operationssälen und einem schönen Bettenhaus ist da: Die Anfahrtssituation ist wesentlich besser als in Tuttlingen. Da sage mir einer, es sei nicht lohnenswert, für Spachingen zu kämpfen. Der Landkreis ist gefordert, Vorschläge zu machen. Was ich fordere, liegt auf dem Tisch.

Jedenfalls akzeptiere ich nicht, dass der Landrat und die Geschäftsführer der Klinik kundtun, Spaichingen aufgeben zu wollen und auf die Frage, wie es weiter gehen solle, keine Antwort parat haben". (Soweit die Stellungnahme des Spaichinger Bürgermeisters)

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