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Spaichinger Geschmacksache

Verkehrssicherheit statt Kreiselkunst - CDU-Kaufantrag verschoben

(tutut). Kunsthonig ist kein Honig. Nicht alles, was als Kunst bezeichnet wird, ist auch Kunst. Sondern, wie der Spaichinger CDU-Stadtrat und Narrenzunftpräsident, Steffen May, richtigerweise meinte, Geschmacksache. Wohl davon ausgehend, dass nach dem Geschmack der CDU Kunst ist, was als metallenes Räderwerk auf dem Kreisel beim "Ochsen" bisher als Leihgabe des Produzenten und studierten Theologen Jürgen Knubben, auch Künstler genannt, herumsteht. Als "Räder 4" bezeichnet, wie Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher  präzisierte. Also gibt es vermutlich noch mindestens drei weitere solche Räderwerke.
Da bisher auf der B 14 am Ortseingang aus Richtung Tuttlingen von täglich über 20 000 Autos umfahren, aber noch nie umgefahren, und nach Meinung der CDU deshalb zu Spaichingen gehörend, sollte das Werk nun auch ganz der Stadt gehören. Für 40 000 Euro. So der Antrag. Auf viel Zustimmung stieß dies im Gemeinderat nicht, zumal FWV-Stadtrat Staudenmayer auf die jüngsten Steuererhöhungen verwies und deshalb wie auch sein Fraktionskollege Reisbeck von gewisser Verständnislosigkeit Spaichinger Bürger gegenüber Kunstkäufen sprach. Diese Auffassung teilte auch der Bürgermeister (Nicht klug!") und erinnerte an 7500 Euro, welche bereits laut Haushalt als Beitrag für einen Stadtkünstler ausgegeben werden sollen.Schließlich gab sich die CDU auf Vorschlag des Bürgermeisters damit zufrieden, ihr Ansinnen und damit ihren Antrag ohne Abstimmung auf ein paar Monate zu verschieben.
In Wirklichkeit aber ging es in der Sitzung gar nicht um hehre Kunst, sondern schlicht um die Tatsache, welche von der EU über den Bund und über Land und Regierungsbezirk bis hin zu Kreis und Stadt nachdrücklich verbreitet wird: Verkehrskreisel müssen sicherer werden. Dazu gehört, dass sie so unübersichtlich sind, damit nicht geradewegs und mit unverminderter Geschwindigkeit durchgebrettert wird. Außerdem wird gefordert, dass, falls jemand mit seinem heilix Blechle mitten auf der Insel landet, er sich dort nicht an Hindernissen das Genick bricht. Und Hindernisse können auch Werke sein, welche nach dem Geschmack einzelner Stadträte nicht nur in Spaichingen zur Kunst erklärt werden. Daran begannen Einzelne,  wie z.B.  Stadtrat Ballof von der CDU, herumzumäkeln, was aber müßig war. Denn Verkehrssicherheit, die vorgeschrieben wird, liegt nicht mehr in der Entscheidungsfreiheit einzelner kunstsinniger und ausgabenfreudiger Stadträte.
So versuchte der Bürgermeister, abschweifende Verkehrs- und Kunstsolisten immer wieder zurückholen auf den Spaichinger Ochsenkreisel, wenngleich FDP-Stadtrat Leo Grimm auf den eigentlichen Kaufantrag der CDU zurückkam, über den seiner Meinung nach abgestimmt werden sollte. Vom Kreisel wird nun zunächst einmal das Räderwerk verschwinden, denn der Bürgermeister hat die Leihgabe gekündigt, da diese ja den Standort verlassen soll. Ob und wo sie später einmal wieder in Spaichingen landet, darüber soll der Gemeinderat befinden, wenn die Planung für den Umbau des Kreisels vorliegt. Dieser wird sicher einen Hügel bekommen, wo jetzt die von der CDU als Kunstwerk bezeichneten und auf 40 000 Euro taxierten Räder stehen.
Ob diese Kunst sind und welchen Wert sie haben, das könnte ja vielleicht mal ein Gutachten feststellen. Vielleicht stehen die nichtrollenden Räder ja auch Reklame, so dass ihr Hersteller sogar hierfür in der Schuld der Stadt wäre und nicht umgekehrt. Möglicherweise gibt es auch eine andere Überraschung. Eine solche, wie es sie gab, als  die im Laufe der Jahre von der Stadt angekauften und angesammelten Kunstwerke taxiert und versteigert worden sind, um Platz zu schaffen im Rathaus. Wie sich wohl zur Überraschung kunstsinniger Spaichinger dabei herausstellte, handelte es sich  offensichtlich um Gruscht, der kaum über Materialwert lag. Das mit der Kunst ist stets halt Geschmacksache.  Da gibt es guten und schlechten. Ganz einfach also.