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Spaichinger Räderwerk

Über Kunst lässt sich auch nach noch einmal 20 Jahre streiten

Vorher...

(tutut) - Kunst kommt nicht nur von Können, sondern ist stets umstritten. Vor allem, wenn wie in Spaichingen nicht jedem gefällt, was die einen preisen und andere bezahlen sollen, egal, was sie sich selbst gönnen wollen. Wohin sowas führt, zeigt Spaichingen, wo alle zwei Jahre der Groschen fällt im Wert von 15 000 Euro, jeweils zur Hälfte von der Stadt, ohne die Bürger einmal zu fragen, ob's ihnen gefällt, was gefallen soll, und seitens eines von der CDU gegründeten Vereins, der noch immer da ist, obwohl die CDU weg ist wie so manche Kunst. So kam einst die ganze Stadt unter das Räderwerk des Kurators dieses Vereins, denn der berät nicht nur, sondern ist gleichfalls auch Kunde in eigener Sache, als Künstler, nicht als Theologe, was er studiert hat.

Kunst ist ein Geschäft und nicht nur Geschmackssache. So wie Kurator und Künstler Jürgen Knubben Räder zusammengeschweißt hat, damit sie nicht rollen, gingen die Meinungen darüber im Spaichinger Gemeinderat auseinander, als die CDU beantragte, das auf dem Ochsenkreisel als Leihgabe stehende Werk für 40 000 Euro zu kaufen mit 10 000 Spende der Stadt. Der Gemeinderat machte mehrheitlich mit, was in der Öffentlichkeit einen, heute alltäglich,  Shitstorm auslöste.

Kunst kommt manchmal eben doch von Wollen, denn wer lebt schon von Können allein? Aber der Bürgermeister wollte nicht, weil diese Kreiselkunst verkehrsrechtlich erst als Gefährderin galt, später dann als Geduldete, und deshalb sollte der Kreisel kunstfrei werden. In einer Nachtaktion vor sieben Jahren, auch ein Spaichinger Kunststück, kam ihm die CDU mit Traktor zuvor und brachte die Knubben-Räder "zusammen mit Spaichinger Kunstfreunden", wie das Lokalblatt artikelte, in private Sicherheit.

Nicht das Räderwerk, aber ihr Macher raste: "Er wolle sich nicht instrumentalisieren lassen von den Ränkespielen eines Bürgermeisters, 'dem es sicher nicht um die Kunst geht, und die für mich nicht nachvollziehbar sind'.Aber, so Knubben, er werde sie nicht nach Rottweil zurückholen, sondern nur zwischenlagern bei freundlichen Spaichingern. 'Ich finde, einfach die Räder passen auf dem Ochsenkreisel'“ (Schwäbische Zeitung). Die erklärte auch, wie kostbar Kunst ist, denn Hunderttausende Euro stehen als Skulpturen schon in der Stadt herum, hat derVerein ausgerechnet, falls sich ein Käufer fände. Ohne aber bleibt der Spaichinger Vereinskunstgenuss leider nur im Soll.

Dass der Bürgermeister, nun haben sie ja einen neuen und wohl kunstsachverständiger ("Ausängeschild Spaichingens") auch durch die Nähe nicht nur in der CDU-Kreistagsfraktion zu Harald Niemann, die Räder schließlich nicht ganz los wurde, lag am Asylangebot des Landkreises, welcher das Knubbenwerk nun auf seinem Gelände der Erwin-Teufel-Schule duldet, da der städtische Ochsenkreisel zum Zankapfel wurde. Wer sich auf der B14 versteuert, kann dort testen, ob sie verkehrsgefährlich sind.

Wurde ihnen der Boden durch die angekündigte 10 000-Spende Harald Niemanns bereitet oder was aus dieser geworden? Das wäre schon mal eine Erzählung wert, wenn Stadtkunst mit den alten CDU-Recken auf einer Wiese auf dem Berg ihren 20. feiert. Noch einmal 20, dann ist das Alter erreicht, wo Schwaben bekanntlich gescheit werden. Über Kunst lässt sich allerdings immer streiten, da helfen weder Apotheker, Minister oder Bürgermeister.

...Nachher.

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