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Spaichinger Theorie und Praxis

Wahl im März: Bürgermeister und Kandidat bei den Grünen

Bürgermeister-Casting bei den Grünen: Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher (rechts) und Kandidat Tobias Schumacher.
(tutut). Die Hälfte ihrer eingeschriebenen Anhänger hatten die Spaichinger Grünen am Dienstagabend zwar nicht auf dem Olymp, aber im "Olympia" alias "Rössle" versammelt. Bürgermeister-Casting war angesagt noch vor Ende der Bewerbungsfrist vor exakt einem Dutzend Leuten. Kandidat Tobias Schumacher als Herausforderer und Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher hatten es im grünen Politfeld weder mit Dschungel noch mit Camp zu tun. Nacheinander konnten sie sich je 30 Minuten präsentieren. Das Ergebnis: Theorie fordert Praxis im Bürgermeisterwahlkampf heraus.
Oder anders ausgedrückt: Auf der einen Seite ein gestandener und gewandter Stadtschultheiß, der weiß, wo es langgeht, der das kommunale Einmaleins mit anschaulicher nachprüfbarer Stadtpolitik füllt, wo eins zum anderen kommt und das eine das andere bedingt oder bewirkt, auf der anderen einer, der ein bißchen zu oft von Gefühlen und Herzensangelegenheiten spricht und irgendwie meint, vieles anders und besser machen zu müssen auf dem Wege zu allgemeiner Harmonie, zu Friede, Freude, Eierkuchen.
So geht Politik allerdings selten bis nie. Schöne Theorie. Mit Arbeitskreisen, mit Experten, wenn es darum geht, eigentlich einen Bürgermeister zu wählen und nicht noch einen Hofstaat dazu für einen, der noch lernen will und muß. Ob die Spaichinger einen Bürgermeister wollen, der erst wulffen muß? Oder einen, der in Spaichingen schon acht Jahre Bürgermeister ist, mit aller Kritik und allem Zuspruch, die dazu gehören. Ob da ein 33-jähriger Anfänger eine Alternative ist?
Was offenbar niemand unter den grünen Olympioniken am Dienstagabend aufgefallen zu sein scheint: Mit Tobias Schumacher stand ja kein Anfänger als unbeschriebenes Blatt vor ihnen, der  Bürgermeistermarketing wie aus der kommunalpolitischen Fibel herunterbetete, sondern der Boss der Spaichinger CDU, der Vorsitzende der größten Gemeinderatsfraktion, bis vor drei Jahren noch mit absoluter Mehrheit gepolstert. Es stand auch der Kreisvorsitzende der CDU vor ihnen.
Ebenfalls niemand scheint auf die Idee gekommen zu sein, immerhin sind ja auch zwei Stadträte grün, dass das Hauptorgan der Gemeinde der Gemeinderat ist und nicht der Bürgermeister. Der ist ja kein kleiner Diktator, sondern hat zu erfüllen, was der Gemeinderat  beschließt. Dieser hat ihn zu kontrollieren.
Warum also ist der Kandidat Tobias Schumacher als Theoretiker und nicht als Praktiker aufgetreten? Er hätte doch gefragt werden müssen, warum er all die schönen Ideen, die er vorgetragen hat, nicht versucht im Gemeinderat umzusetzen? Was hat er in sieben Jahren gemacht?
Sechs Schlagworte hat er vorgetragen: Bildungsstadt,   Arbeits- und Einkaufsstadt, Mobilitätsstadt, Wohlfühlstadt,   Regionalstadt, Bürgerstadt. Fehlt noch die Kinderstadt, wenn es schon das Kinderland Baden-Württemberg gibt. Das klingt alles sehr bekannt. Dabei genügt es doch, einfach nur über Spachingen zu sprechen, über die Stadt und ihre Menschen. Das schaffte der Praktiker, der Bürgermeister, der Fleisch servierte, wo der andere dünne Knöchelchen auslegte. Der eine schüttete ein paar Puzzleteile aus, der andere legte ein lebendiges Bild der Stadt vor. Die Spaichinger haben die Wahl.

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