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Stauffenberg – Joker gegen Rechts?

Politischer Stimmungsmache

Gastautor Josef Hueber

Wie Geschichte wieder einmal zurechtgebogen wird, um die Migrationspolitik Merkels zu rechtfertigen und Kritiker ins Rechtsaußen zu befördern. Der 20. Juli – dies sei vorangestellt – ist ein Tag, der es verdient, mit Achtung respektiert und gewürdigt zu werden. Deswegen ist es angebracht, sich seiner Instrumentalisierung zu widersetzen.

Geschichte muss man gefügig machen
Es ist nicht das erste Mal, dass das Porträt eines ruhmeswürdigen Toten in einen Rahmen gesteckt wird, der nur den Teil des Gesichtes zeigt, den man benötigt, um sich selbst in ein günstiges Licht zu stellen. Die Gedenkfeier für den Nobelpreisträger Imre Kertész, entschlossener jüdischer Kritiker der Islamisierung Europas, im Deutschen Bundestag war so ein Beispiel verfälschender, politikgenehmer Instrumentalisierung.

Graf Schenk von Stauffenberg, Gallionsfigur des Widerstands gegen die Gewaltherrschaft Hitlers, trifft dasselbe Schicksal anlässlich der Gedenkfeiern zum 20. Juli 1944, dem Tag des gescheiterten Tyrannenmords auf Hitler. Er sei, so der Subtext der Würdigung Kanzlerin Merkels, ein mahnender Kämpfer gegen Rechtsradikalismus und Rassismus gewesen.

Die Tagesschau vom 20. Juli, verlässliche Berichterstatterin regierungsgenehmer Nachrichten, beginnt mit dem Titel “Gedenken an Widerstand gegen Hitler”. Gesenkte Köpfe von Merkel und Kramp-Karrenbauer im Großformat bei Sendungsbeginn. Die Feier und das Gelöbnis von Soldaten in Berlin bilden die Grundlage der Dokumentation.

Historisches so, wie es passt
Was sagte die Kanzlerin? (ab Min. 2:10) War das Attentat von seiner Motivierung her 1:1 Vorläufer bzw. Vorbild des Kampfes gegen die Herausforderungen der politischen Situation in Deutschland heute? Merkel formulierte, unterschwellig erkennbar, als ob das der Fall wäre. Das Attentat sei ein Aufruf , “wachsam” zu sein und “Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus in all ihren Erscheinungsformen entschieden entgegenzutreten”.

Stauffenberg – Einsatz des Lebens gegen Antisemitismus?
War es Stauffenbergs Absicht, Rassismus und Antisemitismus entgegenzutreten? In “ Deutschlandfunk Kultur” erscheint bereits 2016 ein Beitrag mit dem Titel “ So antisemitisch war der militärische Widerstand”, von Otto Langels.

Der Autor vertritt die Meinung, “Antisemitismus war unter den Verschwörern des 20. Juli ein verbreitetes Phänomen”. Stauffenberg, so erfahren wir in der Dokumentation, habe an seine Frau Nina über die Menschen in Polen geschrieben: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohl fühlt.”

Der Historiker Peter Steinbach, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, geht davon aus, “dass Stauffenberg 1939 die Rassenpolitik der Nationalsozialisten grundsätzlich bejahte.” Er sieht ihn als Militär, “von dem wir schmerzlich vermissen Proteste angesichts der Rassenpolitik der Nationalsozialisten” gerade auch das Fehlen einer „Reaktion auf die Pogrome im November 1938 oder etwa auch auf die sofort mit Kriegsbeginn einsetzende Verfolgung und Unterdrückung der Juden.“ Und weiter: „ “Die Empörung über die Schoa war es nicht, die die meisten Männer des 20. Juli in den Widerstand trieb.”

Die aktuelle Jüdische Allgemeine v. 20.7.2019 titelt das Gedenken an Stauffenberg “Problematische Erinnerung”. Aus jüdischer Sicht sei die “Glorifizierung […] irritierend und unangemessen”. Man erfährt, dass in dieser Frage “in der Historiografie weiterhin heftig gestritten” wird. Stauffenberg, so räumt er dennoch ein, kam nach Berichten von “Augenzeugen über die Massaker an ukrainischen Juden“ zu dem Entschluss, “ Hitler müsse beseitigt werden.”

Magnus Brechtken, stellvertretender Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, ist nicht ganz so wohlgesonnen. Er ist der Meinung, dass dem “nationalsozialistischen Volksgemeinschaftsgedanken” der Widerstand “ wohl eher zustimmend als ablehnend” gegenüberstand.

Otto Langels: “Der spätere Hitler-Attentäter Stauffenberg unterschied sich in seiner antisemitischen Einstellung nicht wesentlich von anderen Personen, die am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 beteiligt waren.“

Die Würdigung des Menschen von Stauffenberg ist – ungeachtet historischer Debatten – angebracht. Die Instrumentalisierung seiner Biografie zugunsten politischer Stimmungsmache ist es nicht.
(vera-lengsfeld.de)

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