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Taube oder junge Frau?

Der Heilige Geist hat vielerlei Gestalt

Diese stille Brüterin weiß nichts von ihrer Bedeutung als Modell für den Heiligen Geist.
(tutut). Wenn keiner was Genaues weiß, sagt die Phantasie: So sei's! Wie erklär'  ich's meinem Kinde? Da tun sich die christlichen Kirchen etwas schwer mit dem zu erklären, was von Pfingsten zu glauben ist. Ein Goitt, und dann dreigeteilt? Vater, Sohn und Heiliger Geist. Seit dem 4. Jahrhundert ist es halt so.  Deshalb feiern Chrisrten fast aller Kirchen 50 Tage nach Ostern Pfingsten als den Tag, an dem der Heilige Geist auf die Jünger Jesu ausgegossen wurde. Der Heilige Geist geht nach der Lehre der Katholischen Kirche aus dem Vater und dem Sohn als einem einzigen Prinzip durch „eine einzige Hauchung“ hervor. Glaubenssache.  Die evangelischen Kirchen tun sich da schwerer. Lehren vom Heiligen Geist wurden in der Reformation eher als schwärmerisch diffamiert, dem entgegen stehen seit dem 19. Jahrhundert  Pfingstbewegungen und charismatische Erneuerungsbewegungen.
Genauer wird's, was den Heiligen Geist in der Darstellung betrifft. Wenngleich die Anschauungen ziemlich weit auseinander liegen. Am meisten als Symbol verwendet wird die Taube, ein Tier, dessen Verhalten ganz im Gegensatz zu Verwendung als Friedenszeichen steht. Interessanter sind die übrigen Darstellungen des Heiligen Geistes. Da gab es, wohl zum Ärger der Katholischen Kirche, ein paar interessante seltene Abirrungen. Eine davon ist zum Beispiel auf dem Deckengemälde der Kirche Mariä Himmelfahrt in Egesheim auf dem Heuberg zu sehen: der Heilige Geist als Jüngling.
Sogar als junges Mädchen oder als eine Art Zwitter, als mädchenhafter Jüngling, kommt er in Einzelfällen vor. Seit 1775 ist die Taube die einzig erlaubte Darstellungsform. Der Heilige Geist kommt auch als unsichtbarer Wind vor, als fließendes Wasser, als Feuer. Ganz, ganz schwierig wird es allerdings, wenn es um Reliqien auch vom Heiligen Geist geht. So musste schon Albrecht von Brandenburg, Erzkanzler des Heiligen Römisches Reiches, den Spott Luthers über sich ergehen lassen, als er auf seine alten Tage in seinem Mainzer Bischofssitz 8933 Reliquien versammelt hatte, wovon er sich einen Sündenablass von mehreren Millionen Jahren versprach. Unter diesen Stücken waren, so Luther, auch zwei Federn und ein Ei vom Heiligen Geist...
Luther - wer kennt ihn schon als Satiriker? - schrieb 1542 in seiner Schrift "Neue Zeitung vom Rhein": "Es ist eine Ankündigung von allen Kanzeln verkündet worden, die gilt, soweit sich das Mainzer Erzbistum am Rheinstrom erstreckt. Sie besagt, dass dessen Bischof alle Reliquien, die Seine Kurfürstlichen Gnaden zu Halle in Sachsen gehabt hat und die mit großem römischen Ablass, mit Gnaden und Privilegien begnadet und bestätigt sind, aus triftigen Gründen und auf Eingebung des heiligen Geistes hin nach Mainz in die St. Martinskirche überführt hat. Dort sollen sie jährlich, am Sonntag nach dem Bartholomäustag, mit großer Feierlichkeit verehrt werden, mit gleichzeitiger Verkündung, was eine jede Reliquie darstellt - und mit großer Vergebung vieler Sünden, damit die lieben Rheinländer den armen, entblößten Knochen wieder zu neuen Kleidern verhelfen sollten... Man berichtet auch zuverlässig, dass Seine Kurfürstlichen Gnaden viele bedeutende neue Stücke neuerdings dazugebracht habe, von denen man vorher nichts gehört hat, und dass außerdem ein besonders großer Ablass gegeben sein soll vom jetzigen allerheiligsten Vater, Papst Paul III., nämlich: Ein schönes Stück vom linken Horn des Mose,  drei Flammen vom Busch des Mose, auf dem Berge Sinai, zwei   Federn und ein Ei vom heiligen Geist, ein ganzer Zipfel von der Fahne, mit der Christus die Hölle aufstieß,  auch eine große Locke vom Barte des Beelzebub, der an der Fahne kleben blieb, ein halber Flügel von St. Gabriel, dem Erzengel, ein ganzes Pfund von dem Wind, der an Elia vorbeirauschte, in der Höhle am Berge Horeb, zwei Ellen von dem Ton der Posaunen, auf dem Berge Sinai, dreißig Fürze von der Pauke Miriams, der Schwester Mose, gehört am Roten Meer, ein großes, schweres Stück vom Geschrei der Kinder Israel, womit sie die Mauern Jerichos niedergeworfen haben, fünf schöne helle Saiten von der Harfe Davids, drei schöne Haarlocken des Absalom, mit denen er an der Eiche hängen blieb..."