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Tritratrulala

Deutsch-französische Freundschaft: ein Kasperletheater

(tutut) – Dies ist keine Sonntagsrede. Dies ist keine Theorie. Dies ist praktische Lebenserfahrung. Rüber und nüber. Vis-à-vis. Brückenschläge sind auch Schläge. Es steht schlecht um die deutsch-französische Freundschaft. Das Geheimnis: Es hat sie nie gegeben. Zwischen Ländern und Politikern gibt es keine Freundschaften. Nur Zweckgemeinschaften. Meist auf Zeit. Eine Frage der Verhältnisse.

Die Verhältnisse sind mal so und mal so. Zur Zeit gibt es gar keine.Denn die Grenze zwischen beiden Ländern ist dicht wie noch nie. "Europa" kennt nur noch ein Gegeneinander von eingebildeten Kranken. Jeder in seinem eigenen Irrenhaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten sie so sein, wie die Sieger sie wollten und bis heute noch wollen. Der Rhein ist keine Grenze, keine Grenze – weil er eine Grenze ist. Daran hat sich auch in einem sich grenzenlosen aufblasenden Europamoloch EU nichts geändert. Der Anfang war zwar nicht schlecht mit De Gaulle und Adenauer, die Köpfe hießen aber Jean Monnet und Robert Schumann. Im Laufe der Jahre überwucherte das Fleisch den Kern. Entstanden ist eine außer Kontrolle geratene EUdSSR, die auf Implosion und Explosion wartet, an denen ein Vorgänger UdSSR noch leidet.

Demokratie kann es in Vielvölkergebilden nicht geben, denn Demokratie ist Volksherrschaft. Wo ist ein europäisches Volk? Viel Schein und wenig Sein. Scheinparlament ohne legislative Befugnisse, Regierungskommission ohne Mandat. Selbst die Fahne ist nicht legalisiert. Europas höchstes Gefühl kann eins der Vater- und Mutterländer sein. Mehr ist nicht möglich, mehr wäre und ist vom Übel. Nur Deutschland – welches Deutschland? – hat dies nicht verstanden.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist das amerikanische Westdeutschland zum Irrläufer geworden, während der sowjetische Teil Restdeutschland geblieben ist. Nun driftet zusammen, was schwierig zueinander findet, wie die zwei Königskinder des Volksliedes, die einander so lieb hatten, aber „sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief“. Dabei – so tief ist der Rhein gar nicht, rüber und nüber ist viel Betrieb und mancher Umtrieb. Aber lieb haben sich die einstigen Geschwister der großfränkischen Familie nicht. Dazu kennen sie sich viel zu wenig.

Sprachlosigkeit kennzeichnet das deutsch-französische Verhältnis. Und zwar gerade dort, wo es am wenigsten zu erwarten wäre. Auf der kommunalen und regionalen Ebene. Wer von deutscher Seite aus versucht, mit Offiziellen oder selbst Inoffiziellen, egal welcher Art, Kontakt zu bekommen, kann gleich einen Ochsen ins Horn fetzen. Der Rhein teilt Welten. Hie Frankreich mit den Franzosen, da Ausland Deutschland mit den Deutschen, die dies nicht wissen. Hie Patrioten in einer Nation, da Heimatlose in einer künstlichen EU, denen jeglicher Patriotismus und jedes Nationalgefühl ausgetrieben worden ist. Wehe dem, der stolz sein sollte Deutscher in Deutschland zu sein unter deutscher Flagge, wie es in jedem anderen Land der Welt normal ist: Der muss krank sein, in Deutschland, an Deutschland.

Ist die deutsch-französische Freundschaft denn nicht unwiderrufbar? Was ist denn mit all jenen regionalen Gebilden, die wie Paukenschläge über Grenzen hallen? Eurodistrikt, Metropol- oder Trinationale Region? Alles Tritratrulala! Kasperletheater. Irgendwie und irgendwo müssen ja Steuergelder auf den Grill. Aber wer sich bewegt, hat verloren. Die Wacht am Rhein sitzt heute in Paris. Mit Franzosen in Kontakt zu kommen, ins Gespräch, ist vergeblicher als bei neu entdeckten Stämmen im Dschungel. Nicht einmal die elementarsten Höflichkeitsregeln scheinen auf französischer Seite bekannt zu sein. Denn auch eine negative Reaktion wäre ja eine Reaktion. Gar keine aber wie von einem Totalstoffel, gibt sehr zu denken. Das sind keine Einzelbeobachtungen, sondern summieren sich aus zahllosen vergeblichen Kontaktversuchen von Ostfranken nach Westfranken.

Von Erwin Teufel gibt es den Satz: „Wer miteinander spricht, schießt nicht aufeinander“. Deshalb ist es sicher kein Ausreißer, wenn der französische Wirtschaftswissenschaftler Attali in einem Interview erkärte: „Ich bin überzeugt: Wenn wir weitermachen wie jetzt, wird es vor Ende des Jahrhunderts einen neuen französisch-deutschen Krieg geben“. Undenkbar? War es vorstellbar, dass sich nach Titos Tod in Jugoslawien Nachbarn gegenseitig umbringen, nachdem sie Jahrzehnte friedlich zusammengelebt haben? Wer Europa ein festes Fundament geben will, muss Regionen schaffen, muss zusammenführen, was zusammengehört. Über Grenzen hinweg. Was in Frankreich gerade passiert, ist antiregional, wie beispielsweise in Ostfrankreich zu erleben.

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