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Trump als historischer Mythos

Die Verdammung der Hälfte der Amerikaner

Von WOLFGANG HÜBNER

Moderne Gesellschaften sind wegen der Macht der Medien Erregungsgesellschaften. Wenn diese Medien, wie in den USA oder Deutschland, in der großen Mehrzahl eine bestimmte politisch-ideologische Ausrichtung haben, kann die Erregung fast beliebig gesteigert und ihre Wirkung maximal ausgenutzt werden.

Und genau das geschieht nach den Geschehnissen am 6. Januar in Washington. Es wird jetzt der Versuch unternommen, jene fast 80 Millionen Amerikaner, die bei der Wahl am 3. November 2020 Donald Trump ihre Stimme gegeben haben, einzuschüchtern, zu strafen und auszugrenzen.

Nicht der Massenprotest gegen den offensichtlich größten Wahlbetrug in der US-Geschichte und auch in der Geschichte demokratischer Staaten überhaupt; nicht die Erschießung einer Trump-Anhängerin mit langer Dienstzeit für den Staat; nicht verdächtige Umstände bei der Erstürmung des Capitols stehen im Mittelpunkt oder auch nur am Rand der Medienschilderungen, sondern es sind der „Staatsfeind“ Trump, verwüstete Büros, angeblicher Terrorismus oder sogar der Verdacht eines Putschversuchs. Zu der Rolle Trumps in der entscheidenden Schlussphase seiner Amtszeit muss noch Kritisches gesagt werden. Doch diese Kritik kann noch etwas Zeit haben.

Keine Zeit hingegen ist mit der Feststellung zu verlieren, dass die hassvolle und verächtliche Verdammung Trumps auch und sogar vor allem auf die vielen Millionen zielt, die nicht nur in den USA ihre Unterstützung für Trumps nationalen Kurs gezeigt haben. Es sind diejenigen, die sich von der Globalisierungselite, von der modernen Allmacht der Digitalkonzerne, von den Gewinnern der finanzkapitalistischen Schuldenökonomie benachteiligt, gefährdet, aussortiert und ihrem Menschsein reduziert sehen. Zugespitzt formuliert handelt es sich um die Klasse der Überflüssigen, der Vergessenen, die nur noch als Konsumenten gebraucht werden.

Der große neue Klassenkampf mit vorläufigem Sieger
Ihnen gegenüber steht, wiederum zugespitzt, die Klasse derer, die sich begründet oder vermeintlich für die ideologischen und materiellen Gewinner der Entwicklung in den USA und in Deutschland und auch anderen westlichen Staaten halten. In den USA hat mit dem Sturz von Trump vorerst diese Klasse gewonnen. Der Zombie-Präsident Joe Biden ist ihr politisches Spielzeug, ebenso seine wahrscheinlich baldige Nachfolgerin Kamala Harris. Doch für Trumps Sturz wurde ein hoher Preis gezahlt: Die Glaubwürdigkeit demokratischer Wahlen ist damit radikal und unheilbar erschüttert. Und das keineswegs nur in Amerika.

Wer jetzt immer noch glaubt, mit Wahlen ließen sich fundamentale Machtverhältnisse ernsthaft beeinflussen oder gar verändern, will nicht wahrhaben, was bei und um die US-Wahl geschehen ist. Oder glaubt jemand tatsächlich, dass bei all den hauchdünnen Mehrheiten in entscheidenden Bundesstaaten und zuletzt wieder in Georgia am Ende auf wundersame Weise immer nur Biden und die Demokraten vorne gelegen haben? Den Wahlbetrug hat Trump nicht erfunden, er ist tausendfach bezeugt und überzeugend analysiert worden.

Doch das ist nun Geschichte, endgültig besiegelt am 6. Januar 2021. Die Sieger haben freie Bahn, die allerdings zum Übermut verführen könnte. Die Verlierer hingegen müssen nach einer Phase der Depression und Verwirrung Schlüsse aus ihrer Niederlage ziehen. Und das keineswegs nur in den USA. Donald Trump wird im Weißen Haus kein Comeback mehr erleben, dagegen spricht sein Alter, mehr aber noch sein Verhalten in der Schlussphase des Kampfes gegen den Wahlbetrug. Trump war nie ein weltanschaulich gut gewappneter Führer oder kühler Stratege. Er könnte allerdings als tragische Figur des Widerstands gegen die jetzigen Sieger eine für deren Machkomplex hochgefährliche Rolle bekommen: als historischer Mythos. Der große neue Klassenkampf unserer Zeit ist keineswegs endgültig entschieden.
(pi-news.net)

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