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Ungehorsam kann so sexy sein…

Gedankenspiele zum Jahreswechsel: Auge um Auge

Von NADINE HOFFMANN

Was ist, wenn der alttestamentarische Satz der Natur des Menschen viel eher entspräche als all die verwässerten und bis zur Unkenntlichkeit verunstalteten Gesetzessprüche der (deutschen) Justiz? Die Vergewaltiger laufen und verarmte Rentner inhaftieren lässt.

Was würde das für uns bedeuten, wenn wir das, was gerne als Rache schubladisiert wird, im Grunde unseres kleinen Herzens als göttliche Gerechtigkeit empfänden, die sich den Weg nach außen bahnen will? Würde uns der Spagat zwischen offiziellem und intimem Recht nicht genauso zerreißen wie der Versuch, ein guter Untertan und eifriger Systembekämpfer zugleich sein zu wollen? Wir müssen uns schon entscheiden.

Eine Oma, die aus Geldmangel Brötchen stiehlt, gehört nicht verurteilt, ein Schänder hingegen schon. So verständlich. Wer daran rüttelt, sind deutsche Richter und mediale Obermoralisten, altpolitisch Entrückte ohnehin. Das sind nicht wir. Sind wir aber vielleicht nicht so zivilisiert, wie wir meinen oder ist es die sogenannte Zivilisation mitsamt ihrer Systemstützen in Robe, die uns nur vorgespielt und übergestülpt wird? Oder bedeutet „zivilisiert“ inzwischen „dressiert“ so wie „gut“ inzwischen für Deutschlandhass steht? Und wenn ja, wann hat der Umkehrpunkt begonnen?

Eingekerkert in „moderne“ Rituale wird unser wahres Inneres in der institutionalisierten Gesellschaft gar nicht mehr abgebildet oder lediglich rudimentär verkünstelt als Schauspiel wiedergegeben. So die Erkenntnis. Oder wer erkennt sich noch in richterlichen Sprüchen einer etablierten Verrücktheit im besten Deutschland, das wir je hatten? Ich nicht.

Doch davor, vor unseren ureigenen Instinkten, die uns, geht es nach den Einen von Gott, geht es nach den von Anderen von Mutter Natur geschenkt wurde, haben wir Angst. Wir haben Angst davor, einen Idioten als Idioten zu bezeichnen. Warum eigentlich? Wegen des verdammten Konsens, der die Gesellschaft zusammenhält?

Dieser Konsens ist Kitt aus Feigheit und Ignoranz! Und ist es nicht genau das, was in „Der Prozess“ beschrieben steht, die entmenschlichte, blanke, maschinelle Knechtung und Verurteilung vibrierenden Fleisches, die der humanen Gefühlswelt entgegen steht und gegen die man ohnmächtig ankämpft? Ohnmächtig deshalb, weil man sich nicht traut die Klappe aufzutun.

Wie ich darauf komme? Nun, ich habe weder zu oft Filme von Antoine Fuqua gesehen noch zu viele Nächte mit Kafka verbracht. Ich beobachte. Und ich beobachte dabei die Entfremdung der Menschen, die nun mal so sind wie sie sind, von den Institutionen, die vorgeblich Ausdruck menschlichen Daseins seien. Da passt nichts mehr zusammen.

Die Realität ist: Entweder man fügt sich den Gegebenheiten und bricht zusammen oder man bricht aus. Aus dem Kerker künstlicher Maßstäbe. Oh Gott, sie will Selbstjustiz… werden manche schreien. Nun, würde ich einen Kindes– oder Tierquäler bei seiner Untat ertappen, wüsste ich wirklich nicht, ob ich mich nicht selbst vergesse.

Aber nein, worauf ich hinaus will, ist folgendes: Das, was uns als quasi in Stein gemeißelt vorgegeben ist, zu hinterfragen. Zu hinterfragen, ob die andere Wange hinzuhalten unserem Wesen wirklich entspricht. Ob es wirklich die Essenz menschlichen Seins ist, sich anzupassen. Ich will die Infragestellung all dessen, was uns wie ein nicht verdaubarer Berg vorgesetzt wird, und ich will sie jetzt.

Nicht wir müssen uns ständig fügen vor Geschriebenem und Ungeschriebenem. Nicht wir müssen uns ständig hinterfragen. Soll sich doch das GEZ-Kartell mal reflektieren, wenn Millionen Deutsche (man wird ja nochmal träumen dürfen) dieses System zum Einsturz bringen. Zum kleinen Beispiel. Ein Hoch auf die Bauern auf der Autobahn!

Vielleicht bin ich ein unheilbarer Idealist, aber ich glaube, dass, wenn wir uns von den falschen Ansprüchen befreien, im Einklang mit uns leben und diesen verdammten Idioten einen Idioten nennen, wir keine Feldzüge und konstruierten Feinde bräuchten, die unserer falschen Mission im Wege stehen und wir würden Unmenschen, die uns unter dem Vorwand der Optimierung weiter kerkern wollen, sofort den Stinkefinger zeigen. Ungehorsam kann so sexy sein.
(pi-news.net)

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