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Unter einem Apfelbäumchen

Hexen und Teufel tanzten in der Nacht den Heubergwalzer

(tutut). Hat sie jemand gesehen, wer ist ihnen begegnet in der vergangenen Nacht? Auf dem Heuberg waren sie wie gewohnt wieder versammelt. Unter "ihrem" Apfelbäumchen. Es waren nicht nur die Hexen des ländlichen Raumes, die sich dort trafen. Bevor nachgesehen wird, wer da alles an Walpurgis weiblicherseits auf dem Heuberg unterwegs gewesen ist, so mancher hat da sicher das ganze Jahr über seinen Verdacht, muss einfach zur Kenntnis genommen werden, dass das Ganze  Tradition ist, nicht nur fastnächtliches Brauchtum. Denn, dies berichten Experten des Hexenwesens, Ditte und Giovanni Bandini, in ihrem Buch "Kleines Lexikon des Hexenwesens" (dtv), hat der Heuberg unter Hexen einen besonders guten Ruf.
Er ist "einer der bekanntesten Hexentanzplätze in Schwaben". Deshalb sollen sich hier, so heißt es in dem Büchlein, "jede Freitagnacht -und natürlich erst recht an Walpurgis (30. April) die Hexen unter einem großen Apfelbaum versammeln, der das 'Hexenbäumle' genannt wurde. Der 'Hexenturm' aber, der sich auf dem Gipfel des Berges erhebt, soll der Wohnort des 'Heuberger Hexleins' gewesen sein - einer, wie die Sage weiß, untersetzten Frau 'mit großem Kopf, wie der Mond am Himmel, und mit kleinen, kleinen Füßlein. Alle Hexen wurden von ihm bewillkommt. Da ging's an ein Tanzen, und nach dem Tanz fing das Hexlein an zu prophezeien, ob die Weiber noch lange ihre Männer haben, oder sie bald verlieren und welche sie dann bekommen".
Während von heutigen Frauen eher bekannt ist, dass sie ernsthaftem soliden Gewerbe nachgehen wie Aquarellmalen, Buchschreiben oder Zeitungen füllen, aber keinesfalls auf dem Kehrbesen durch die Lüfte reiten, anstatt denselben durch den Rinnstein zu fegen, ist der Hexentanzplatz auf dem Heuberg schon seit 1509 aktenkundig. Seltsam, dass noch keine der zahlreichen Hexenzünfte auf dem Heuberg auf die Idee gekommen ist, dieses Datum zur eigenen Altersbestimmung heranzuziehen.
Dies dürfte vielleicht daran liegen, dass seinerzeit berichtet wird, dass "nicht wenige Frauen" verbrannt worden seien, nachdem sie unter Folter gestanden hätten, auf einer Sau oder einer grauen Katze auf den Heuberg geritten zu sein. Die Besenmobilität kam wohl erst später.
Auf dem Heuberg hätten sie, so wurde damals vermutlich im Hexenboten berichtet, mit anderen Hexen und Teufeln getanzt. Wahrscheinlich den Heubergwalzer, Urvater heutiger Ringelreigen unterm Maibaum. Wenn die Leute auf dem Heuberg damals glaubten, "Gespenster und Luftgesichte" gesehen zu haben, sollen die sie dies für Zauber von Hexen und Teufeln gehalten haben. Heute wissen's die aufgeklärten Menschen ja besser: Für Zauber, auch fauler Art, sind keineswegs Hexen oder Teufel verantwortlich. Die üblichen Verdächtigen sind fast täglich nachzulesen, beispielsweise auch in einer Heubergpostille. Keineswegs, wie glaubhaft versichert wird, von Hexen und Teufeln verfasst.
Nicht weniger teuflisch oder hexistisch ist, was Walpurgis oft an grobkriminellem Unfug getrieben wird, nachdem es früher als Maien (pro) oder Besenstiel (kontra) Mädchen gegenüber aufgerichtet worden ist. Mancherorts,so heißt es im "Heimatbuch des Heubergs", "Albbilder", sei es "Sitte, neugewählten Gemeinderäten eine große Tanne vor's Haus zu stellen. Es wird in einigen Talorten am 1. Mai aller mögliche Unfug angerichtet, besonders mit den im Hof umherstehenden Geräten".
Was die Tannen betrifft, müsste in Spaichingen ja jetzt ein ganzer Wald hingerichtet werden, wie sich mal präzise ein früherer bayerischer Ministerpräsident ausdrückte, als er Blumenpflege meinte. Offen muss die Frage bleiben nach den Hexen und Teufeln. Wenn sie nicht alle verbrannt worden sind, dann tanzen sie ja wohl noch heute. Wer hat sie gesehen, letzte Nacht? Ehrlich! Denn von Gespenstern und Luftgesichten und ähnlichem alten und neuem Miteinander ist in jüngster Zeit ja besonders viel gesichtet und berichtet worden.