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Vergesst den DGB!

Gewerkschaften omnipräsent beim Grünen-Parteitag

Von WOLFGANG HÜBNER (ehemals langjähriger Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der IG Druck und Papier)

Das Bild des freudig einen Blumenstrauß hochreckenden DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann zwischen Robert Habeck und Annalena Baerbock auf dem Parteitag der Grünen in Bielefeld sagt alles: In diesem DGB haben Arbeiter und Angestellte selbst dann keinen Interessenvertreter mehr, wenn sie (noch) keine Patrioten sind. Denn ein führender Gewerkschafter, der ausgerechnet die Partei hofiert, die faktisch die Vernichtung der deutschen Industrie betreibt und damit den Verlust von Millionen auskömmlich bezahlter Arbeitsplätze in Kauf nimmt, handelt entweder sträflich naiv, steht unter Drogen oder ist schlicht ein Lump.

Dass der ehemalige Verdi-Vorsitzende Bsirske auf dem Parteitag begeistert bekannte: „Das ist meine Partei“, konnte nicht verwundern, denn er ist schon lange Mitglied der Grünen. Und Verdi ist die Gewerkschaft, deren Betätigungsfelder finanziell entscheidend davon abhängen, ob und wie sehr Industrie, Handwerk und Landwirtschaft erfolgreich wirtschaften. Insofern war Bsirske gewerkschaftlich schon an der richtigen Stelle, wenngleich auch dort nicht der richtige Mann im Interesse vieler Verdi-Mitglieder.

Der DGB-Vorsitzende Hoffmann, ohnehin eine schwache Figur, repräsentiert alle Einzelgewerkschaften, insbesondere die für die Industrie zuständigen. Mit seinem Auftritt beim grünen Hochamt der Deutschlandvernichter hat er den massenhaft von Arbeitslosigkeit und Entqualifizierung bedrohten Arbeitern und Angestellten in der Automobil- und Stahlindustrie, aber auch in anderen Branchen den Stinkefinger gezeigt.

Für interessenbewusste Gewerkschafter muss das ein unmissverständliches Signal sein, den Aufbau neuer Organisationen in Angriff zu nehmen bzw. die bereits vorhandenen Ansätze dazu auszubauen. Das ist kein leichtes Unterfangen, aber alternativlos. Denn der DGB ist nicht nur integrales Bestandteil des Machtsystems in Deutschland, er biedert sich nun auch noch in so verachtenswerter Weise an die Partei der Arbeiterfeinde an: Vergesst den DGB!
(p-news.net)

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