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Von Badnern und anderen Schwaben

Gelb-rot-gelbe Irrtümer im Bindestrich-Land

(tutut). Wenn die badische Fußballseele kocht, ertönt das "Lied der Sachsen", auch als "Lied der Badner" mit vielen oft selbstgezimmerten Strophen stadionbekannt. Selbst eingefleischte Schwaben stehen auf, wollen nicht abseits bleiben, auch wenn sie keine Badner sind, und leisten dem vermeintlichen westlichen Gesangverein im Bindestrich-Land Tribut. Alles nur ein gelb-rot-gelber Irrtum. Einer von vielen.
Jetzt, da der 60. Geburtstag von Baden-Württemberg als einjährige Dauerwerbesendung der grün-roten Regierung über Bildschirm und auf Altpapier zum Pseudojubiläum aufgeblasen wird, stehen natürlich all die Lachsäcke und Ländlekomödianten der kleinen Bühnen nicht abseits.
Da gibt ein schwäbischer Verlag das "Badische Witzbüchle" eines selbsternannten badischen Humoristen heraus. Im Badischen fand sich wohl niemand für diesen genialen Badnerstreich.

Alles Makulatur, wenn die Badner dahin geschickt werden, wo sie wirklich zuhause sind, nämlich in die Fabelwelt der historischen Mythen. Bloß gut, dass die wenigsten Badner wissen, dass sie Schwaben sind. Baden ist ein politisches Konstrukt von Napoleons Gnaden. Einem Stamm der Badner sind die Römer nie begegnet, aber den Schwaben. Und was da gelb-rot-gelb westlich der alten "Grenze" in vielen Vorgärten an der Stange flattert, ist der vierte badische Flaggenversuch im 19. Jahrhundert und stammt von 1891. Heraldisch ist es das Banner der (ausgestorbenen) Geroldsecker, welche einstmals vom Rhein bis zum Neckar herrschten, ihre Farben trägt u.a. Sulz a. N. neben zahlreichen anderen Kommunen heute noch im Stadtwappen.
Wenn jetzt, lustig, lustig, tralalalala, "Sauschwoaba" und "Gälfiäßler" sich zum üblichen Duell der gegenseitigen Neckereien treffen, wie auf einem Plakat angekündigt, sind sie einem Irrtum erlegen und artikulieren sich dümmlich, saudumm, auf Deutsch gesagt. Denn gerade jetzt hetzt eine junge SVP-Abgeordnete in der Schweiz gegen Deutsche mit dem Ergebnis, dass Deutsche in der Schweiz als "Sauschwaben" beschimpft werden. Da hört der Spaß auf, das sollten auch geschichtsvergessene "Komiker" wissen.  Abgesehen davon, dass das württembergische Wappen auf dem Plakat falsch ist, müssten die beiden Akteure sich nur mal im Elsass oder in der Deutschschweiz umhören.
Wenn dort auf die jenseits der Grenze etwas deftig zur Sache gekommen wird, ist von den "Sauschwoabe" die Rede, oder von den "Schwowe", wie es auf einem Plakat heißt, das am Ende der deutschen Besetzung im Elsass aufgehängt worden ist und auf vorherige deutsche Plakate anspielt, auf denen der "welsche Plunder"  verjagt wurde. Diese Plakate sind u.a. im Dokumentationszentrum bei Schirmeck zu sehen, welches der Geschichte des von Deutschland und Frankreich umkämpften Gebiets von Elsass und Moselle gewidmet ist. Mit den "Schwaben" sind einfach die Deutschen gemeint, oder, um es genau zu sagen: die Badner, denn die sind ja die ersten Deutschen auf dem anderen Ufer.
Dabei sitzen alle im selben Boot, sind vom selben Stamm. Schwaben sind's, von Johann Peter Hebel dann im 19. Jahrhundert zu Alemannen neu umgedichtet. Heute halten sich die Badner dafür, um sich von den Schwaben irrtümlich abzusetzen. Für die Römer, welche erstmals jenen begegneten, die sie Alemannen nannten, waren es zunächst mal die, für die sie diese Germanen aus dem Raum der Elbe kommend gehalten haben: Menschen. Das nämlich bedeutet das Wort.
Dieser Ausdruck ging bald verloren, die Sueben, die Schwaben besiedelten die Region, welche heute in fünf Länder reicht, nämlich nach Österreich, Schweiz, Deutschland, Frankreich und Liechtenstein. Noch zu Beginn des 19. Jahrhundert berichteten Reiseschilderungen aus dem heutigen Baden schlicht aus dem östlichen Schwaben.