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Vor 150 Jahren

Der Frankfurter Friede zwischen Deutschland und Frankreich

Von WOLFGANG HÜBNER

Der 10. Mai 1871 war sowohl für das damalige Deutsche Reich als auch für die Republik Frankreich ein historischer Tag, wenngleich auf höchst unterschiedlich empfundene Weise. Denn der Vertrag, der zwischen beiden Staaten vor nun 150 Jahren in Frankfurt am Main geschlossen wurde, beendete einen Krieg, in dem es einen strahlenden Sieger und einen vollständigen Verlierer gab.

Nach den militärischen Schlachten 1870/71 hatte der Erfolg der Waffen das neue Deutsche Reich nicht nur zu einer europäischen Großmacht werden lassen, sondern wurde das Reich mit dem Frankfurter Vertrag auch territorial um das Elsaß und Teile von Nordlothringen erweitert. Das war die bitterste Pille, die von den französischen Kriegsverlierern geschluckt werden musste.

Was aus Sicht der viel später Nachgeborenen als ein Fehler mit dramatischen Folgen erscheinen kann, nämlich Frankreichs erzwungene Abtretung von Elsaß-Lothringen an den Nachbarn, war damals aus deutscher Sicht keineswegs unverständlich. Denn unseren Vorfahren war noch sehr bewusst, wie zerstörerisch französische Übergriffe auf deutsche Lande in den Jahrhunderten zuvor gewesen waren. Und auch der Krieg von 1870/71 wurde wegen eines eigentlich nichtigen Anlasses von Paris angezettelt.

Dass dieser Angriffskrieg gegen alle internationalen Erwartungen nicht mit einem französischen Sieg unter Kaiser Napoleon III. endete, sondern vielmehr mit dem Erfolg der unter preußischer Führung stehenden deutschen Königreiche und Fürstentümer, ja sogar die so lange ersehnte Reichsgründung brachte, war ein Triumph, der in Frankfurt vertraglich besiegelt wurde.

In den 18 Artikeln des Vertrages wurden etliche Punkte geregelt, neben der Gebietsabtretung auch eine französische Strafzahlung von fünf Milliarden Goldfrancs an das Deutsche Reich. Es war aber nicht die Absicht von Reichskanzler Otto von Bismarck, die Kriegsverlierer über die Maßen zu demütigen. Frankreich erholte sich dann auch recht schnell und wurde in den Jahrzehnten bis zum ersten Weltkrieg 1914 eine stets auf Revanche sinnende Macht im Westen. Das Deutsche Kaiserreich schaffte es in den 47 Jahren bis zum Zusammenbruch 1918 nicht wirklich, das neue „Reichsland“ Elsaß-Lothringen gut zu integrieren, obwohl noch heute prachtvolle Bauwerke in Städten und Gemeinden wie Straßburg oder Colmar Zeugnis von dieser Zeit ablegen.

In Frankfurt erinnert eine Gedenktafel an einen Nachkriegsbau an den Ort der historischen Vertragsschließung. Dort, wo sich heute eine Großbuchhandlung befindet, stand bis zur Zerstörung durch Bomben im zweiten Weltkrieg das Hotel "Zum Schwan". In diesem Hotel begannen am 6. Mai 1871 die Vertragsverhandlungen, die von französischer Seite von Außenminister Jules Favre geleitet wurden. Bereits vier Tage später konnten er und Reichskanzler von Bismarck das Dokument unterzeichnen. Damals war es noch möglich, die Verhandlungen strikt vertraulich und ohne jeden Medienrummel durchzuführen. Für das Deutsche Reich begannen danach viele Friedensjahre sowie eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, die es mit an die Spitze der damaligen Welt führten.
(pi-news.net)

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