Springe zum Inhalt

Vorschlag eines Hamburger Professors

Durchtesten – die dritte Strategie gegen die Coronaviren-Seuche

von FALKO BAUMGARTNER

Welche Strategie gegen das Coronavirus ist die richtige? Während Deutschland versucht, die Ausbreitung der Seuche zu verlangsamen, melden sich die ersten Stimmen für eine gezielte Durchseuchung. Es gibt aber auch einen dritten Ansatz, der mit geringeren finanziellen Kosten und gesundheitlichen Risiken behaftet ist.

Flatten the curve
Nachdem der Versuch gescheitert ist, das Coronavirus wie SARS bereits in dem Frühstadium seiner Verbreitung auszumerzen, hat sich die Politik auf eine Eindämmung der Seuche verlegt, um Zeit bis zur Entwicklung eines Impfstoffes zu gewinnen. Dabei ist es das Ziel, die Zahl der Neuinfektionen so gering zu halten, daß sie die begrenzte medizinische Versorgungskapazität nicht sprengt.

Durchseuchen
Thomas Straubhaar, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg, hat nun in seiner WELT-Kolumne für eine Strategie der kontrollierten Durchseuchung der Bevölkerung mit dem Coronavirus geworben. Straubhaar weist zurecht darauf hin, dass die jetzigen Maßnahmen zur sozialen Entflechtung und Stilllegung so lange aufrecht erhalten werden müssen, bis ein Gegenmittel (Impfstoff oder Medikament) gegen das Coronavirus gefunden wird. Da das noch lange dauern könne, drohe der dauerhafte Stillstand der Republik. Straubhaar schlägt deswegen vor, die aktive und jüngere Bevölkerungsschicht zum Zwecke der Erreichung der Herdenimmunität durchseuchen zu lassen. Bis dieser Punkt erreicht sei, solle die gefährdete Gruppe der Alten in Hochisolation genommen werden.

Durchtesten
Es gibt aber auch noch eine dritte Strategie, von der man bislang fast nichts gehört hat: die totale Durchtestung der gesamten Bevölkerung auf das Virus. Auf diesem Weg könnte man die Infektionsketten erkennen, die wachsenden Cluster ausfindig machen und die Infizierten vom Rest der Bevölkerung isolieren. Um eine lückenlose Kontrolle zu gewährleisten, müssten die Tests zuerst in sehr kurzen Abständen durchgeführt werden. Mit der Zeit könnten dann die Testintervalle ausgedehnt werden, bis alle Infizierten lokalisiert und isoliert worden sind.

Voraussetzung für ein Gelingen dieser Strategie wäre natürlich die lückenlose Überwachung des grenzüberschreitenden Personenverkehrs (Quarantänepflicht, Körpertemperaturmessung), um eine Wiedereinschleppung des Virus zu verhindern. Die Mobilität der Gesamtbevölkerung müsste durch Ausgangssperren und soziale Distanzierung bis zur Gewinnung einer klaren Lageeinschätzung niedrig gehalten werden. Diese Maßnahmen laufen teilweise bereits ohnehin an. Anders als bei der jetzigen Seuchenstrategie, die das Land in Dauerlähmung hält, könnte man das Wirtschafts- und Sozialleben aber wieder bis zu einem vernünftigen Maß hochfahren.

Das Problem wären die Testkapazitäten: Bislang hat Deutschland eine Kapazität von 12.000 Tests pro Tag. Diese müssten um das Siebentausendfache ausgebaut werden. Dazu müssten Testlabors überall im Land aus dem Boden gestampft werden. Eine umfangreiche, personalintensive Infrastruktur zur Durchtestung der Bevölkerung müsste aus dem Nichts geschaffen werden. Das alles wäre organisatorisch aufwendig und würde viele Milliarden Euro kosten. Das wäre aber immer noch ein Klacks zu den finanziellen Kosten, die die jetzige Vorgehensweise verursacht, während die gesundheitlichen Risiken der Durchseuchungsstrategie vermieden werden würden.
(pi-news.net)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.