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Vorzensur bei der Schwäz?

Von der Schwierigkeit, Nachrichten öffentlich zu machen

Die Südwestpresse/Neckarquelle   hat am Dienstag berichtet, drei andere Zeitungen sind bisher dazu unfähig.
(tutut). Landtagsabgeordnete haben bei der Schwäbischen Zeitung kein Problem, ins Blatt zu kommen, vorausgesetzt, sie heißen Guido Wolf und sind von der CDU. Der neue Spaichinger FDP-Landtagsabgeordete Leo Grimm für den Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen  kann ein garstig Lied darüber singen, wie einseitig die Schwäz Nachrichten der beiden Landtagsabgeordeten behandelt. Diese schlechte Erfahrung macht er bereits seit dem Wahlkampf im vergangenen Jahr. Für die Leser der Zeitung bedeutet dies, dass sie viele Nachrichten ihres Abgeordneten Leo Grimm nie erfahren, es sei denn, sie erkundigen sich auf dessen website.
Es dürften rund 80 bis 90 Prozent aller vom FDP-Landtagsabgeordneten Leo Grimm herausgegebenen Pressemitteilungen sein, welche bei der Schwäz unter den Tisch oder sonst wohin fallen. Normalerweise hat eine Zeitung, die den Anspruch erhebt, eine Zeitung zu sein, es dem Leser zu überlassen, welche Nachrichten er für sich auswählt oder für interessant hält. Dies scheint die Schwäz ihren Lesern als eine Art Vorzensur abnehmen zu wollen.
Haben, um nur ganz wenige Beispiele von vielen zu nennen, die Leser auf dem Heuberg vor einem Jahr etwas von einer einmaligen Begegnung in Böttingen erfahren? Da traf Entwicklungsminister Niebel in einer engen Wohnstube auf ein für Afrika strickendes Kränzchen älterer Damen, die zusammen mit Konsul Quandt aus Trossingen um einen Kaffeetisch saßen. Für den Heuberger Boten kein Thema, und damit auch für die Leser keins. Die Trossinger Zeitung war daran interessiert, durfte dann aber wohl nichts bringen.
Zweites Beispiel einer nicht ganz unwichtigen Nachricht: Gleich nach der Landtagswahl  stattete der Abgeordnete Grimm dem Regierungschef des Kantons Schaffhausen, im Rang einem deutschen Ministerpräsidenten gleichzusetzen, einen Antrittsbesuch ab, wobei auch über deutsch-schweizerische Verkehrsprobeme gesprochen wurde. Die Schwäz veröffentlichte darüber keine Zeile, machte dafür jetzt ein Jahr später, als Guido Wolf in Schaffhausen ebenfalls  in seiner Eigenschaft als MdL war, großes Tamtam daraus.
Zuletzt kündigte der FDP-Landtagsabgeordnete Leo Grimm ein Gespräch mit Erika Faust, Leiterin der Arbeitsverwaltung für die Landkreise Tuttlingen, Rottweil und Schwarzwald-Baar, wegen der arbeitslosen "Schlecker-Frauen" an. Die Schwäz veröffentlichte die Meldung, aber nicht auf der Regionalseite, wo sie hingehörte als regionales Thema, sondern versteckt auf der Spaichnger Lokalseite, wo die Meldung nichts verloren hatte. Das Ergebnis des Gesprächs ist den vier Lokalzeitungen im Wahlkreis am Ostermontag zugesandt worden. Bis jetzt war nur die Südwestpresse (Neckarquelle) in der Lage, die Pressemitteilung sogar einschließlich Foto zu verbreiten.
In anderen Redaktionen einschließlich Schwäz verhindern  offensichtlich organisatorische Probleme, zu erkennen, was regional oder rein lokal ist. So gibt Tuttlingen beispielsweise an, die Meldung mit dem Ergebnis der Besprechung mit regionaler Bedeutung nach Spaichingen geschickt zu haben. Die Redaktion des Südkuriers in Donauschingen teilte mit, die Meldung nach Immendingen geschickt zu haben, aus was für rätselhaften Gründen auch immer. Die Redaktion des Schwarzwälder Boten, die jüngst Leo Grimm in den Bundestag versetzt hat, sah sich wohl überfordert, eine regionale Meldung an die zuständige Redaktion in Villingen weiterzuleiten. Chaotische redaktionsinterne Organisationsprobleme haben Außenstehende nicht zu lösen!
Wer also wirklich wissen will, was sein Landtagsabgeordneter der FDP tut, wo er auftritt, welche Anliegen er verfolgt, kann sich auf die Lokalpresse als Leser auf keinen Fall verlassen. Schon gar nicht, wenn diese ein Monopol einnimmt wie die Schwäbische Zeitung. Deren Lesern im Kreis Tuttlingen, das zeigt die Erfahrung von MdL Leo Grimm, werden Informationen vorenthalten. Dies gilt allerdings nicht im Vergleich zu einem Landtagsabgeordneten Guido Wolf, der von der Schwäz seit Monaten nur noch als Landtagspräsident belobsudelt wird, auch wenn er auf Zunftabenden, Narrentreffen und ähnlichen wichtigen Veranstaltungen gar keine Landtagssitzungen geleitet hat.