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Wann platzt der sozialististische Traum?

Der Grünen-Aufstieg ist Indiz für politischen Präferenzenwechsel

Von PROF. EBERHARD HAMER

Der Grenznutzen in der Theorie der Wirtschaftswissenschaft bezeichnet den Sättigungsgrad für die Bedürfnisse des Wirtschaftssubjekts. Der Zusatzwert weiterer Gütereinheiten nimmt nach dem Sättigungsgrad ab, kann sogar negativ werden.

Beispiel: Das erste Bier schmeckt immer am besten, hat den höchsten Nutzen. Beim zehnten Bier liegt vielleicht der Sättigungsgrad; – das 20ste Bier jedenfalls hat nur noch geringen oder negativen Nutzen für den Konsumenten.

Dieses Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen gilt nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig für den Wohlstand der Menschen in ihrer Lebenszeit.

Die Harzburger Schule hatte schon in den 1960er Jahren entdeckt, dass Mitarbeiter in den Betrieben eine „innere Kündigung“ vollziehen, wenn sie nach dem 50sten Lebensjahr auf die Rente zugehen und/oder mit eigenem Haus, Familie, Rücklagen und gutem Einkommen „saturiert“ sind. Es fällt dann den Unternehmern schwer, diese Menschen noch für Zusatz- oder Mehrarbeit zu motivieren.

Der Autor hat im Mittelstandsinstitut Niedersachsen sogar bei der erwerbsintensivsten Bevölkerungsgruppe, den Unternehmern, unterschiedliche Motivationsphasen empirisch festgestellt. Tausende Befragungen ergaben:
*In der Schul- und Ausbildungsphase der ersten 20 Jahre haben die Menschen und auch Unternehmer üblicherweise außerökonomische Ziele, wollen Wissen, Ausbildung, Qualifikation erreichen.
*In der ersten Berufsphase gaben 77 Prozent der befragten Unternehmer eindeutig ökonomische Lebensziele an. Dem Betrieb hatte sich sogar das Privatleben und die Familie unterzuordnen.
*Zwischen dem 40sten und 50sten Lebensjahr – der beruflichen Halbzeit – erreicht die ökonomische Präferenzkurve nur noch 63 Prozent. Der ökonomische Sättigungsgrad ist erreicht, wenn der Unternehmer den Betrieb „im Griff hat“, wirtschaftlich gesund ist und glaubt, sein wirtschaftliches Lebensziel geschafft zu haben. „Das kann’s doch nicht gewesen sein im Leben!“
*Von den über 50jährigen Unternehmern behaupteten nur noch 40 Prozent, dass sie noch vorrangig wirtschaftliche Lebensziele anstrebten. 60 Prozent dagegen gaben an, andere, nämlich familiäre, gesellschaftliche, soziale und persönliche Ziele als für sich inzwischen höherwertig anzustreben.

Der Autor bezeichnet dies als Präferenzenwechsel, weil etwa in der Mitte des Berufslebens und des Lebensalters erfolgreiche Menschen ökonomisch saturiert sind und dann oft ihre ökonomischen zu außerökonomischen Präferenzen wechseln.

In der nachberuflichen Phase gehen deshalb die ökonomischen Präferenzen überproportional zurück, bis alte Menschen endgültig Abschied von wirtschaftlichen Gütern nehmen müssen und der Grenznutzen zusätzlichen Gütererwerbs wieder an die Nulllinie geht.

Bei Untersuchungen der zweiten und dritten Unternehmergeneration stellte sich jedoch ein anderer Verlauf der Präferenzkurve dar. Wer schon vom Elternhaus her mit wirtschaftlichen Gütern ausreichend versorgt ist, hat entsprechend weniger Interesse an eigenem Erwerb zusätzlicher wirtschaftlicher Güter als seine Altersgenossen. Bei ihm findet deshalb der Präferenzenwechsel zugunsten außerökonomischer Ziele schon in früherer Lebenszeit statt. „Dies muss nicht bis zu den typischen „Aussteigern“ aus kultivierten Familien führen, sondern lässt sich schon in Schule und Hochschule oft am unterschiedlichen Ehrgeiz von „Aufsteigerkindern“ gegenüber Kindern wohlhabender Familien beobachten. Erstere sind hungrig nach wirtschaftlichen Gütern, letztere oft bereits satt. Entsprechend unterschiedlich ist für sie der Grenznutzen wirtschaftlicher Güter und der Einsatz, den sie deshalb für wirtschaftliche Ziele zu bringen bereit sind. Die Regel hieß früher, dass Fabrikantenkinder bevorzugt Archäologen, Künstler oder Wissenschaftler werden – ein weiterer und älterer Anhaltspunkt für das Vorliegen vorzeitigen Präferenzenwechsels der zweiten und dritten Generation“.

Für diese Menschen hat also die Präferenzenkurve schon von vornherein abfallende Tendenz:
Die Ergebnisse der Präferenzbefragung des Mittelstandsinstituts zeigten übrigens keinerlei signifikante Präferenzen nach der Ausbildung der Unternehmer, ob sie aus der Praxis kamen oder aus der Hochschule. Ebenso konnten keine Präferenzen festgestellt werden bei Unternehmern aus verschiedenen Unternehmensgrößen oder -branchen. Der Autor schließt daraus, dass die Theorie des Präferenzenwechsels generell gilt.

Nicht empirisch belegt ist bisher die Frage, ob auch Völker ökonomischen Präferenzenwechsel vollziehen. Die Geschichte scheint aber zu bestätigen, dass Völker mit hohem Lebensstandard mehrheitlich in außerökonomische Präferenzen drängen (Romantik, Nationalismus, Sozialismus, Gender und Ökologie) und „durch das Ausleben solcher außerökonomischer Präferenzen bewusst ihr ökonomisches Versorgungsniveau aufs Spiel setzen und mindern“. Erst wenn diese Völker wieder eine Phase des Gütermangels erreicht haben, treten wieder in umgekehrter Weise Präferenzenwechsel zugunsten ökonomischer Prioritäten an die erste Stelle.

So haben unsere Väter und wir Alten nach der außerökonomischen Phase des Nationalsozialismus und des politischen wie wirtschaftlichen Zusammenbruchs nach dem Kriege eindeutig ökonomische Lebensziele angestrebt. Die heutige Jugend dagegen scheint einen hohen Lebensstandard für selbstverständlich und nicht mehr lebenswert zu halten und sucht ihre Präferenzen wieder in außerökonomischen Zielen wie Ökologie (statt Ökonomie), Sozialismus, Klimatheorie, Migrantenhilfe oder anderen Schwärmereien. Das würde auch erklären, weshalb vor allem hochversorgte jüngere Menschen wirtschaftsfeindliche Ideologien und Schwärmereien bevorzugen, dafür leben wollen und die wirtschaftlichen Leistungsträger unserer Wirtschaft sogar verachten. Die Mittelstandssoziologie ortet diese wirtschaftsfeindlichen grünen Romantiker vor allem in den mit öffentlichen Geldern existenzgesicherten und überdurchschnittlich bezahlten Gruppen der Beamten, Sozialfunktionäre, im Bildungsbereich von Medien bis Schulen und im akademischen Gesundheitsbereich. Kein Wunder, dass diese Multiplikatoren auch die Jugend überwiegend mit ihren wirtschaftsfremden Ideologien und romantischen Lebenszielen motivieren konnten.

Der Autor hat selbst die politischen Stadien des Präferenzenwechsels in unserem Volke erlebt:
*Nach dem Kriege waren wir alle auf Leistung heiß, wollten wir, „dass es uns wieder besser ging“, dass wir unsere Existenz wirtschaftlich wieder sichern. Ludwig Erhard war damals beliebtester Politiker.
*Seit den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts geriet die These von der „ungerechten Verteilung von Vermögen und Erträgen“ in den Vordergrund der politischen Auseinandersetzung, wobei immer der Neid gegen die „Reichen“ geschürt wurde, obwohl dies nur fünf Prozent der Bevölkerung waren. Tatsächlich wurde aber ein Umverteilungssystem geschaffen, das die Reichen verschonte und den fleißigen Mittelstand überproportional belastete, sogar zugunsten der Ober- und Unterschicht ausbeutete.
*Um die Jahrtausendwende war die Umverteilung bis an die Grenzbelastung des Mittelstandes ausgereizt, ging es angeblich nicht mehr nur um Verteilung, sondern um den Untergang von Mensch, Natur und Erde. Das begann mit der Panik vor der Atomenergie, Waldsterben, Artensterben und ging weiter bis zur Klimakatastrophe durch CO2 und Stopp der gesamten Wirtschaft wegen Corona-Panik. Das Ganze wird mit Gutmenschentum begründet. So wollen die Grünen die Armen und Gescheiterten der Welt in unser Sozialsystem holen, wollen mit dem Geld der Fleißigen durch Geld- und Schuldenflutung ein „Grundeinkommen ohne Arbeit“ für alle in Deutschland, Europa und der Welt sichern, und hebeln in Fürsorge für sexuelle Minderheiten die Jahrtausende alte Familienkultur aus.

Immer in der Geschichte waren Bildungs- und Mediensektor Vorkämpfer für Präferenzenwechsel in der Gesellschaft. Dass 90 Prozent der Medienmitarbeiter und die Mehrheit der Lehrer grün sind, erklärt den Aufstieg der grünen Partei und die Anpassung der meisten übrigen Parteien an deren Ideologien bzw. Schwärmereien.

Unter Führung der USA haben auch Europa und Deutschland inzwischen den Wohlstand als selbstverständlich und stattdessen Klima-, Gender-, Feminismus und Multi-Kulti-Ziele als vorrangig erklärt. Unsere Völker haben einen Präferenzenwechsel vollzogen, der sich bei der kommenden Bundestagswahl dokumentieren dürfte.

Die Abkehr von ökonomischen zu außerökonomischen politischen Zielen graust den Ökonomen:
*Wenn aus ideologischen Gründen die Wirtschaft immer mehr beschränkt, sogar voll ausgebremst, ihre Voraussetzungen (Energie) vernichtet und das Volk aus privater individueller in Staatsverantwortung gestürzt wird, werden wir das erleben, was alle sozialistischen Verwaltungswirtschaften erlebt haben: den Zusammenbruch unserer Wirtschaft.
*Und wenn der fleißige, den Wohlstand bisher auch für die übrige Bevölkerung tragende Mittelstand noch weiter ausgebeutet wird, hören die Unternehmer auf zu unternehmen, die Leistungsträger auf zu leisten und wird die anschwellende Masse zusätzlicher Transferleistungs- und Sozialleistungsforderer diejenigen vernichten, die bisher für sie zahlten.
*Wir haben erlebt, dass unsere ökonomische Leistung Existenzsicherung, Glück und Zufriedenheit brachte. Nie aber haben ideologische Phasen langfristig Existenzsicherung, Glück und Zufriedenheit bringen können, sondern wirtschaftlich immer nur Zusammenbruch, Armut und Not.
*Die Wirtschaftsgeschichte aber zeigt: Der Markt lässt sich nicht betrügen, Güter entstehen nur aus Arbeit und Wohlstand nur aus Leistung. Wer dies umzudrehen versucht, wird auch diesmal scheitern.

Das Hinauszögern des Scheiterns durch Geldschwemme und Schuldenflutung kann nur kurzfristigen Scheinwohlstand halten.

Der grüne Traum von Ökologie statt Ökonomie scheint jedenfalls bereits in der Wendephase, nämlich durch einen Crash und damit zu einem wieder neuen Zwangspräferenzenwechsel zu platzen.
(pi-news.net)

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