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"Was ka ma macha?"

Rathaus nach alter "Volksart"

Relief am Freiburger Rathaus.
(tutut). Viele Eier sind dieser Tage Lesern ins Nest gelegt worden, über denen sie dann die Feiertage über brüten können. Dabei sollte der echte Revolutionär mal nicht gegen Missbräuche, sondern Bräuche rebellieren. Allerdings: Auch mit Bräuchen wird genügend Missbrauch getrieben, man denke nur an das Quälen von Festtagen.
Das Heimattbuch des Heubergs", "Albbilder" heißt es und ist 1926 erschienen, herausgegeben von  Dr. Albert  Aich, nimmt sich auch des heimischen Brauchwesens und -unwesens an. Dabei kommt er auf die "ganze Volksart" zu schreiben und schildert das, was hin und wieder auch heute noch Brauch ist und sich Kommunalpolitik nennt. Das Buch zitiert einen "Stimmungsbericht des Spaichinger Heuberger Boten vom 9. März 1923 über Beratungen der Herrn auf ländlichem Rathaus:
Nach dem Vortrag des Vorsitzenden zunächst allgemeines Schweigen und geschämiges Aufdenbodenschauen. Keiner will als Leithammel auftreten, um nicht nachher zum Sündenbock gestempelt zu werden; dann aber, wenn einer das Trum etwas zaghaft angefaßt hat, fällt der ganze Chorus ein, und keiner weiß dann, was der andere gesagt hat.
Allmählich ebbt dann die Redelust etwas ab, um aber in der Regel mehrmals wiederzukehren. Ist die Angelegenheit recht kitzelig, dann geht man zeitweise in weitem Bogen um den Brei herum. Fällt z. B. in der Hitze des Gefeechts das Wort 'Rindvieh', so kann's leicht sein, daß einer in harmloserem Plauderton dazwischen frägt: 'Isch Väah uf am letzta Märkt tüar gsi?'
Wenn endlich durch das Marktgespräch genug Zeit verredet ist, wollen die Herrn auf einmal heim, und dann kommt der Beschluß mit den Worten zustande: 'Was ka ma macha?' Und der Karra ischt weiter g'schaltet! 'Man wäscht den Pelz, aber macht ihn nicht naß!'"