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Wegen Klima

Der Pöbel soll daheim bleiben!

Von WOLFGANG HÜBNER

Wer erfolgreich dem politisch, ideologisch und ökonomisch kalkulierten Klimakurs in Deutschland etwas entgegensetzen will, der muss dessen sozialen Konsequenzen zum Thema machen. Es gibt zwar genug kluge Menschen im Land, die mit den besten Argumenten den multimedial eingehämmerten Irrsinn der Klimapolitik zwischen Flensburg und Konstanz kritisieren und in seiner ganzen Absurdität darstellen können. Doch an der Masse der Deutschen geht das – wie so vieles – vorbei. Was aber bemerkt wird, sind die unmittelbar spürbaren Folgen der angestrebten “Klimaneutralität“. Und diese Folgen lassen sich nicht länger verbergen, sie werden auch immer offener von denen angesprochen, die darunter am wenigsten zu leiden haben oder das zumindest glauben.

Ein prägnantes Beispiel dafür ist der Leitartikel „Ferien unter Vorbehalt“ des FAZ-Redakteurs Alfons Kaiser in der Ausgabe vom 26. Juni 2021. Oberflächlich betrachtet bewegt sich der Text konsequent auf dem Corona-Panikkurs der FAZ. Also der Zeitung, die laut einem kabarettistischen Spötter vorgibt, was in Deutschland Demokratie ist und was nicht. Demnach verhalten sich jetzt alle im Zeichen von Corona richtig, die den Urlaub in Deutschland verbringen wollen und das auch tun. Nun ist überhaupt nichts dagegen zu sagen, zum Bodensee, in den Schwarzwald, in die Uckermark, an die Nord- oder Ostsee zu fahren. Auch Kaisers Heimat im Sauerland ist eine Reise wert. Überall strotzen und locken die schönen deutschen Landschaften nach einem regenreichen ersten Halbjahr vor prächtigem Naturgrün.

Doch der FAZ-Leitartikler will auf etwas anderes hinaus. „Durch das Wirtschaftswunder wurden in der Nachkriegszeit Ferienreisen zur Selbstverständlichkeit, ja zu einer Art Naturrecht. Die Entgrenzung der Wohlstandsgesellschaft seit den fünfziger Jahren kann man wörtlich verstehen: Man reiste ins Ausland.“ Als promovierter Literaturwissenschaftler weiß Kaiser: „Dabei stammt das Wort Urlaub (‚urloup‘) von ‚Erlaubnis‘. Einfach so durfte man jedenfalls im Mittelalter nicht abziehen.“ Deshalb: „Die Deutschen haben dank Corona nun die Gelegenheit, einen Schritt zurück zu tun.“ Also dank (!!) Corona zurück ins Mittelalter? Kaiser meint jedenfalls: „In Zeiten aufkommender Reisescham stellt sich die Frage nach den Ferien neu.“ Und er weiß auch schon die Antwort: „Daraus folgt eine Feriengestaltung des Verzichts … Denn die Pandemie war nur ein Probelauf für die Einschränkungen, die noch kommen werden.“

Selbstverständlich wird sich keiner der Leser, der sich ein teures FAZ-Abonnement leisten kann, auch nur eine Sekunde fragen, ob diese Drohung für ihn bestimmt ist. Er wird hingegen sehr genau die Botschaft des Leitartikels verstehen: Der wohlstandsverseuchte Pöbel soll künftig gefälligst das Reisen in die Ferne wieder denen überlassen, die das schon immer konnten, nämlich der Oberschicht mit Haus in der Toskana, in Mallorca oder dem Luxusappartement an der Cote d’Azur. Wenn Kaiser von den Deutschen spricht, meint er nicht die, denen er dank FAZ-Redakteursgehalt zugehörig zu sein glaubt, sondern das dumme Volk, das die weltweit höchsten Strompreise zahlt, sich kein E-Auto leisten kann und Mieterhöhungen wegen klimaschützender Haussanierung hinnehmen muss.

Ich bin kein Freund des Massentourismus und zehn Stockwerke hoher Kreuzfahrtschiffe. Aber ich bin auch ganz und gar kein Freund derer, die Auslandsreisen nur noch für Privilegierte und ihre dienstbaren Lohnschreiber möglich machen wollen.
(pi-news.net)

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