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Weimar am Horizont

»Nazi«  steht  heute für Andersdenkender

(www.conservo.wordpress.com)

Von Dushan Wegner

Vorbemerkung des Autors:

Es gibt Witze, die hört und liest man – und andere Witze, die hört und liest man nicht. Besonders spannend wird es, wenn man darauf achtet, welche Witze die von Zwangsgebühren finanzierten Medienmacher so reißen – und welche nicht.

Ganz ohne Witz: Ich hoffe, dass Ihre Heizung funktioniert, und ich wünsche Ihnen ein ruhiges, warmes Wochenende!

Besten Gruß

Ihr Dushan Wegner

———

Mein neuer Text: Weimar am Horizont

Gewalt gegen Opposition wird zum neuen deutschen Alltag. Propaganda macht Opfer zu Tätern, und der Staatsfunk scherzt zum Anschlag auf Abgeordneten (angeblich weil Detail falsch berichtet wurde). Was haben wir eigentlich aus der Weimarer Republik gelernt?

Erinnern Sie sich, als vom deutschen Staatsfunk jene Witze gerissen wurden über Flüchtlinge, die womöglich ihre Heime selbst angezündet hatten? (z.B. faz.net, 16.1.2017; wdr.de, 7.8.2018; spiegel.de, 15.4.2015.)

Einige Bürger erinnern sich daran, dass ein Syrer sein Flüchtlingsheim in Bingen anzündete, doch erinnern Sie sich auch an die Witze des Staatsfunks über die ungelenken Hakenkreuze, die er dabei an die Wand schmierte (siehe z.B. welt.de, 10.4.2016)? Erinnern Sie sich an den CDU-Politiker Hollstein, dessen Schnittwunde von Medien als 15 Zentimeter groß bezeichnet wurde (z.B. welt.de, 28.11.2017), während man auf Bildern sah, dass das Pflaster, das sie verdeckte, höchstens etwa 5 Zentimeter lang war? Und erinnern Sie sich an die Witze des Staatsfunks über seine typisch männliche Übertreibung?

Nein, Sie erinnern sich nicht an diese Witze, denn es gab sie nicht, auf jeden Fall nicht von den Zwangsgebührenfunkern.

Witzigkeit und ihre Grenzen

Man kann über alles Witze machen, oder man kann es versuchen, mindestens theoretisch, doch selbst unwitzige Leute wie die via Zwangsgebühren finanzierten Staatskomiker ahnen, dass lustige Witze stets einen Schmerz thematisieren müssen, womit sie diesen Schmerz dann als solchen anerkennen.

Themen, über »die man keine Witze macht«, sind Themen, deren Schmerz man zu verdrängen sucht, das kann eine Krankheit, Sexualität oder schlicht eine Verschiedenheit sein, die zu erwähnen als unschick gilt.

Wenn Staatskomiker die Gewalt durch Flüchtlinge zum Gegenstand von Witzen machten, würden sie damit anerkennen, dass dort ein Schmerz in der Gesellschaft existiert – »politisch korrekt« zu sein bedeutet, Bruchstellen und Widersprüche aggressiv zu ignorieren – und dazu gehört eben auch, keine Witze über verbotenen Schmerz zu machen; deshalb werden Sie keine Witze etwa über ihr eigenes Wohnheim anzündende Flüchtlinge hören – ein solcher Witz würde den Schmerz in der Bevölkerung anerkennen, die Anerkennung des Schmerzes würde die zugrundeliegenden Fakten in den Mittelpunkt stellen, diese Fakten aber gefährden das linke Weltbild, und daher ist die gesamte Fakten-Schmerz-Witz-Kette tabu. – Linkes Weltbild samt der dafür notwendigen Tabus aufrechtzuerhalten, komme Wind, Sturm oder Wahrheit, das ist die erste und vornehmste Aufgabe des modernen Journalisten mit Haltung.

Kantholz oder kein Kantholz

Am 7. Januar 2019 wurde der Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz von drei dunkel gekleideten Personen angegriffen. Er trug eine schwere Wunde an der Stirn und viele Prellungen davon.

In ersten Berichten war davon die Rede, dass die Angreifer ein Kantholz verwendeten, doch diese Aussage eines Bauarbeiters bestätigte sich nicht.

Die Reaktionen der deutschen Linken waren teils erschreckend. Politiker wie Özdemir konnten es sich nicht verkneifen, pro forma Gewalt abzulehnen, aber ein Nazis-raus hinterherzuschieben (siehe auch: Linke zündeln, Vermummte prügeln). Deutsche Haltungsjournalisten erinnern mit ihrer wutgeifernden Dämonisierung der Opposition an einen, der die Flammen ans Holzhaus hält, sich dann aber vom Brand distanziert.

Die deutsche Linke suchte wie verzweifelt nach einem Aufhänger, die Tat zu relativieren – man konzentrierte sich auf das Detail des Kantholzes. Dass der Abgeordnete in der Nähe einer linken Kundgebung angegriffen wurde, dass seit Jahren eine konzertiert wirkende Wutkampagne gegen die Opposition läuft, all das wird ausgeblendet, und man fokussiert sich auf ein Detail: war es ein Kantholz oder einfach nur rohe Gewalt.

Der Unterschied

Anders als jene Flüchtlinge, welche ihr Haus selbst angezündet haben, war der Abgeordnete tatsächlich angegriffen worden. Anders als der Bürgermeister, der mit seiner magischen 15-cm-Wunde schon bald in Talkshows saß, keck mit einem Pflaster, sind die Verletzungen des Abgeordneten erheblich und sichtbar.

Die Linke aber stürzt sich zugleich verzweifelt und erleichtert auf ein Detail, um das Geschehene und mit ihr die dauernde Gewalt und Aggression gegen Andersdenkende zu verharmlosen. Indem man die Debatte aufs Kantholz lenkt, wird die Aufmerksamkeit weggelenkt, nicht nur von dieser Tat, sondern insgesamt von der allwöchentlichen Gewalt gegen die Oppositionspartei AfD (siehe z.B. faz.net, 4.1.2019). Die Linke wütet gegen vermeintliche »Nazis« an, und es wird täglich deutlicher, dass sie gegen sich selbst kämpft.

Man brüllt gern

Auf Demonstrationen brüllt man Slogans wie »Wir sind mehr«. Im Internet teilt man Schlagworte wie »Nazis raus« – und »Nazi« steht im linken Sprachgebrauch heute für Andersdenkender.

Die Aufgabe von kollektiven Bekenntnissen ist die Selbstzuordnung und Selbstunterordnung, bei gleichzeitiger Abgrenzung zu allen, die sich dem Bekenntnis nicht anschließen. Wir sind die Guten und signalisieren das mit einem gemeinsamen verbalen Marker, die sind die Bösen. Wie viele von jenen, die heute brav »Nazis raus« wiederholen, hätten damals genauso »Heil Hitler« geblökt?

Zündler gegen das Zündeln

Mit jedem Tag werden jene, welche »Nazis raus« und »Nazis auf die Fresse hauen« blöken, den Mitläufern von damals ähnlicher.

Die selbsternannten Guten heute wollen und werden nicht begreifen, dass sie in Wahrheit sich selbst anbrüllen, dass sie in einen Spiegel schreien, und anders als gelegentlich das Magazin dieses Namens sagt dieser metaphorische Spiegel die Wahrheit. Man möchte, Goethe paraphrasierend, den Brüllguten ruhig entgegnen: Du gleichst dem Geist, den du anschreist, nicht mir.

Die Staatskomödianten vom NDR posteten ein Textbildchen, ein Miniplakat quasi, mit dem Bildspruch: »Wende im Fall Magnitz: Polizei findet Kantholz am Tatort! Also doch! #Magnitz #Kantholz #AfD«, und dazu das Bild eines Streichholzes. (@extra3, 10.1.2019)

Das Streichholz lässt sich so lesen, dass es doch eigentlich der Zusammengeschlagene sei, der (zuerst) »gezündelt« haben soll – und man nennt solche Angriff auch Täter-Opfer-Umkehr.

Eine der häufigsten Reaktionen von Linken auf den Angriff war: »Man sollte Hass nicht mit Hass begegnen« – und damit schwingt mit: Er ist doch selber schuld, der hat doch angefangen. – Der Witzemacher vom Staatsfunk stimmen mit ein, und in ihrem Hohn schwingt mit: wir sind die Guten, und ihr seid die Zündler, egal wer was tatsächlich tut – und damit seid ihr selbst schuld, wenn man euch verprügelt.

Was wäre, wenn der Abgeordnete gestorben wäre? Wir müssen es nicht raten, wir haben Anhaltspunkte: Dann würden sie höhnen, dass er bestimmt nur ein schwaches Herz hatte – vergleiche den Tod eines jungen Mannes in Köthen, faz.net, 10.9.2018 – und sie würden ihre Witze reißen, dass AfD-Politiker doch sowieso kein Herz haben, dass sie gewiss auch Kinder fressen wie der böse Wolf und andere Dinge tun. (Vergessen wir nicht: Relotius vom Spiegel ist als Fake enttarnt, doch nach der Enttarnung von Fake News bleiben ja die auf Lügen basierenden moralischen Überzeugungen.)

Es war vor mehreren Jahrzehnten, damals, als beide Teile des Begriffs Sozialdemokrat noch ihren vollen Wortsinn trugen, da haben auch Sozialdemokraten wie Herbert Wehner und Kurt Schumacher von den »rot-lackierten Faschisten« gesprochen (siehe z.B. zeit.de, 26.1.1990). Horst Ehmke war einen Hauch präziser: »pseudo-linker Faschismus« nannte er es (siehe fes.de), wenn Linke ihre hehren Ziele mit Gewalt durchsetzen wollen.

Was graut uns da?

Der Name der Stadt Weimar steht heute als Kürzel für Weimarer Republik, und damit erstens auch für politische Gewalt und aufstachelnde Propaganda von verschiedenen Seiten, und zweitens für eine politische Destabilisierung, welche dem Dritten Reich den Boden bereitete.

Wir haben bereits festgestellt: Die Deutschen sind wie ein Mann, der von einem blauen Auto angefahren wird, und also zeitlebens blaue Autos fürchtet, jedoch gelbe oder grüne Autos weiterhin ignoriert – und so schließlich von einem roten oder weißen Auto endgültig überfahren zu werden droht.

In Deutschland sind die Symbole von damals verboten, und das ist auch gut so; jedoch das hochaggressive Ausblenden von Widersprüchen, die Unfähigkeit, den eigenen Irrtum auch nur als Denkmöglichkeit zuzulassen, die maßlose Überschätzung der eigenen Moral, und daraus folgend die Entmenschlichung des Gegners, diese Gewohnheiten strecken wieder ihr hässliches Haupt durch die Risse in der Kruste, die wir über die Geschichten wachsen lassen wollten.

Ist diese Zeit »Weimar«? Nein, keine Zeit ist Weimar, nur Weimar war Weimar.

Zugleich: Erleben wir heute gerade von manchen jener, die bleichwütend »Wir sind mehr!« kreischen, alte Emotionen, die eben doch an Weimar erinnern? – Sagen wir es so: Spätestens, wenn der Staatsfunk sich über Anschläge auf die Opposition lustig macht, sollten wir darüber nachdenken, ob die Mahnungen von Weimar allen Bürgern ausreichend präsent sind.

Politische Gewalt gegen die größte Oppositionspartei ist so selbstverständlicher Alltag geworden, dass es kaum noch berichtet wird – und wenn der Staatsfunk es berichtet, dann eben doch so, dass wieder das Opfer zum Täter wird.

Keine Grenzen, nirgends

»Nichts rechtfertigt Gewalt« sagen Linke heute, weil sie es sagen müssen, doch nicht wenigen gelingt es, noch im selben Satz die Relativierung hinterherzuschieben, etwa als Begründung, dass es eh nur den Opfern helfe (was so auch nicht richtig ist – die Zahl derer, die ihre Meinung lieber nicht sagen, weil sie nicht arbeitslos oder im Krankenhaus enden wollen, ist nicht gering).

»Wehret den Anfängen«, heißt es heute, doch sind wir nicht bereits über die Anfänge einer neuen Katastrophe hinaus? – »Kehrt um!«, wäre heute der passendere Ruf.

Für die Haltungsjournalisten selbst habe ich die Hoffnung aufgegeben, die sind aus gutem Grund im Relotiussystem angekommen….. (Den vollständigen Artikel lesen Sie hier: https://dushanwegner.com/weimar-am-horizont/?mc_cid=6983ab8baa&mc_eid=ac82e0b2ba)

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