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Wiederholug der Wiederholung

Gustave le Bon: "Pschologie der Massen" (1895)

(tutut) - Ob Thüringen, Hamburg, Merkel: Für Ochs und Esel hat der Kommunismus immer wieder einen Lauf. Die Massen mit der Erinnerungskultur erinnern sich an nichts. Die Experimente zur Auslöschung menschlichen Verstandes wiedrholen sich als Wiederhoung der Wiederholung. Guzstave le Bon beschreibt des schon in seiner "Psychologie der Massen" im Jahr 1895, wobei er noch nicht die Wrkung der Presse als Propagandamittel totalitärer Systeme erahnen konnte. Daß die Menschen nie aus Erfahrung klug werden, das aber sieht er sehr wohl angesichts ihrer leichten Manipulierbarkeit:

Triumpf ds Unsinns
Der philosophische Unsinn gewisser allgemeiner Grundanschauungen war nie ein Hindernis für ihren Triumph. Dieser Triumph scheint sogar nur dann möglich zu sein, wenn sie irgendwelchen geheimnisvollen Unsinn enthalten. Die offenbare geistige Armut der sozialistischen Lehren der Gegenwart wird nicht verhindern, daß sie sich der Massenseele einpflanzen. Ihre wahre Unzulänglichkeit im Vergleich zu jedem religiösen Glaubenbesteht einzig darin: Da das Glücksideal, das der Glaube in Aussicht stellte, nur in einem zukünftigen Leben verwirklicht werden sollte, so konnte niemand diese Verwirklichung bestreiten; da das sozialistische Glücksideal sich auf Erden verwirklichen soll, so wird die Nichtigkeit der Verheißungen sogleich bei den ersten Verwirklichungs-versuchen an den Tag treten, und der neue Glaube wird jeden Einfluß verlieren. Seine Macht wird also nur bis zum Tage seiner Verwirklichung wachsen. Und deshalb wird die neue Religion, wie alle früheren, zunächst eine zerstörende Tätigkeit ausüben, ohne, wie sie, später eine schöpferische Rolle übernehmen zu können.

Über den festen Glaubensanschauungen, deren Macht wirdarlegten, liegt eine Schicht von Meinungen, Ideen, Gedanken, die fortwährend entstehen und vergehen. Manchesind sehr vergänglich und die bedeutendsten überdauern kaum das Leben einer Generation. Wir haben bereits festgestellt, daß die Veränderungen dieser Meinungen zu-weilen mehr an ihrer Oberfläche als in ihrem Wesen vorgehen und immer den Stempel der Rasseneigenschaftentragen. Wenn wir beispielsweise die politischen Einrichtungen unseres Landes betrachten, sehen wir, daß die scheinbar entgegengesetzten Parteien: Monarchisten, Radikale, Imperialisten, Sozialisten usw. völlig übereinstimmende Ideale haben, und daß diese Ideale sich einzig undallein auf die geistige Verfassung unserer Rasse beziehen, denn unter den gleichen Namen finden sich bei anderen Rassen ganz entgegengesetzte Ideale. Weder durch die Namen der Anschauungen noch durch ihre täuschenden Anpassungen wird der Kern der Dinge verändert.

Flut der Meinungen
Die Bürger der Revolutionszeit, die, ganz erfüllt von der lateinischen Literatur, gebannt von der römischen Republik,ihre Gesetze, Liktorenbündel, Togen übernahmen, wurden dadurch noch keine Römer, weil sie unter der Herrschaft einer mächtigen historischen Täuschung standen. Es ist die Aufgabe des Philosophen, zu erforschen, was sich unter den scheinbaren Veränderungen von den alten Überzeugungen erhält, und in der Flut der Meinungen diejenigen Bewegungen herauszufinden, die durch die Grundanschauungen und die Rassenseele bestimmt werden. Ohne diesen philosophischen Maßstab könnte man glauben, die Massen änderten ihre politischen und religiösenÜberzeugungen häufig und wirklich. Die ganze Geschichte der Politik, der Religion, der Kunst und der Literatur scheint das in der Tat zu bezeugen. Nehmen wir z. B. einen kurzen Zeitabschnitt unserer eignenGeschichte, etwa von 1790 bis 1820, also dreißig Jahre,die Dauer eines Menschenalters. Wir sehen innerhalb dieser Zeit, wie die Massen, die erst monarchistisch sind, revolutionär, dann imperialistisch und schließlich wieder monarchistisch werden. In der Religion wenden sie sich in dergleichen Zeit vom Katholizismus zum Atheismus, dann zum Deismus und kehren zu den strengsten Formen des Katholizismus zurück.

Und nicht allein die Massen, auch die Führer sind denselben Veränderungen unterworfen. Man sieht die großen Konventsmitglieder, die geschworenen Feinde der Könige, die von Gott und Teufel nichts wissen wollen, ergebene Diener Napoleons werden und unter Ludwig XVIII. bei den Prozessionen fromm ihre Kerzen tragen. Und welche Wandlungen dann in den Massenanschauungen der folgenden siebzig Jahre! Das „perfide Albion“ vom Beginn dieses Jahrhunderts wird unter den Erben Napoleons Frankreichs Verbündeter; Rußland, das zweimal mit uns im Kriege lag und sich über unsere letzten Schicksalsschläge so sehr gefreut hatte, wird plötzlich als Freund betrachtet. In der Literatur, der Kunst, der Philosophie geht der Wechsel noch schneller vor sich. Romantik, Naturalismus,Mystizismus usw. tauchen auf und verschwinden im raschen Wechsel. Die gestern gefeierten Künstler und Schriftsteller werden morgen aufs tiefste verachtet. Was sehen wir aber, wenn wir diese scheinbar so tiefen Wandlungen untersuchen? Alle Ansichten, die im Gegen -satz stehen zu den Grundanschauungen und -gefühlen der Rasse sind nur von sehr kurzer Dauer, und der abgelenkte Strom nimmt rasch seinen gewohnten Lauf wieder auf.

Schnelle Meinungswechsel
Die Anschauungen, die sich an keine Grundüberzeugung, an kein Gefühl der Rasse knüpfen, und die also keinen Bestand haben können, sind allen Zufällen oder, wenn man will, den geringsten Veränderungen der Verhältnisse preisgegeben. Sie sind mit Hilfe von Suggestion und An-steckung entstanden, sind stets flüchtiger Art und erscheinen und verschwinden auch oft ebenso schnell wie die Sanddünen, die der Wind am Meeresstrande bildet. Die Anzahl der unbeständigen Meinungen der Massen ist heutzutage größer als je, und zwar aus drei verschiedenen Gründen.Erstens büßen die alten Glaubenslehren nach und nach ihre Herrschaft ein und wirken nicht mehr wie früher richtunggebend auf die Meinungen. Das Erlöschen derGesamtüberzeugungen gibt Raum für eine Menge Sonderanschauungen ohne Vergangenheit und Zukunft.Zweitens wächst die Macht der Massen immer mehr undfindet immer weniger Gegengewicht, so daß sich die außerordentliche Beweglichkeit der Ideen, die wir bei ihnenfanden, frei entfalten kann. Drittens führt die neuerdings so verbreitete Presse unaufhörlich die entgegengesetzten Meinungen vor den Augen der Masse vorüber. Die Wirkungen, die jede von ihnen eben hervorzurufen suchte, werden bald von widersprechenden Einflüssen aufgehoben. Keine Meinung kann sich richtig verbreiten, und alle führen nur ein vergängliches Dasein. Sie sind tot, bevor sie bekannt genug sind, um allgemein zu werden.

Aus diesen mannigfachen Ursachen ist eine ganz neue Erscheinung der Weltgeschichte hervorgegangen, die für die heutige Zeit sehr bezeichnend ist; ich meine die Unfähigkeit der Regierungen, die öffentliche Meinung zu lenken. Einst, und dies Einst liegt gar nicht so weit hinter uns, wurde die öffentliche Meinung von der Tatkraft der Re-gierung, dem Einfluß einiger Schriftsteller und einer ganzgeringen Anzahl von Zeitungen getragen. Heutzutagehaben die Schriftsteller allen Einfluß eingebüßt, und dieZeitungen spiegeln nur die öffentliche Meinung wider.Und was die Staatsmänner anbelangt, so denken sie nichtdaran, sie zu lenken, sondern suchen ihr nur zu folgen.Ihre Furcht vor der öffentlichen Meinung ist fast schonSchrecken und raubt ihrer Haltung jede Festigkeit. Die Meinung der Massen zeigt also das Bestreben, immer mehr zum entscheidenden Lenker der Politik zu werden. Sie bringt es heute schon fertig, Bündnisse vorzuschreiben,wie wir es vor kurzem bei dem russischen Bündnis sahen,das fast ausschließlich aus einer Volksbewegung hervor-ging.Es ist ein sehr eigenartiges Zeichen unserer Zeit, daß Päpste, Könige und Kaiser sich dem Brauch der Befragung durch Vertreter der Tageszeitungen unterwerfen, um dem Urteil der Massen ihre Gedanken über eine bestimmte Angelegenheit zu unterbreiten. Einst konnte man sagen,Politik sei nicht Sache des Gefühls. Kann man das heute noch, wenn man sieht, daß sie sich von den Einfallen derunbeständigen Massen, die keine Vernunft kennen und nurvom Gefühl beherrscht werden, leiten läßt?

Massenpresse
Die Presse, die einstige Leiterin der öffentlichen Meinung, hat wie die Regierungen gleichfalls der Macht der Massen weichen müssen. Gewiß besitzt sie noch eine bedeutendeMacht, aber doch nur, weil sie lediglich die Widerspiegelung der öffentlichen Meinung und ihrer unaufhörlichen Schwankungen ist. Sie ist zum einfachen Informationsmittel geworden und hat darauf verzichtet, irgendwelche Ideen oder Lehren zu verbreiten. Sie geht allen Veränderungen des öffentlichen Geistes nach, sie ist dazu verpflichtet, weil sie sonst Gefahr läuft, durch die Maßnahmen der Konkurrenz ihre Leser zu verlieren. Die alten, ehrwürdigen und einflußreichen Blätter von ehedem, deren Aussprüche von der vergangenen Generation noch ehrfurchtsvoll wie Weissagungen angehört wurden, sind verschwunden oder zu Nachrichtenvermittlungen geworden, die vonunterhaltenden Neuigkeiten, Gesellschaftsklatsch und geschäftlichen Anzeigen umrahmt sind. Welches Blatt wäre heute reich genug, seinen Schriftleitern eigne Meinungen gestatten zu können? Und welches Gewicht könnten diese Meinungen bei Lesern haben, die nur unterrichtet oder unterhalten werden wollen und hinter jeder Empfehlung Berechnung wittern?

Die Kritik hat nicht einmal mehr die Macht, ein Buch oder ein Theaterstück durchzusetzen. Sie kann schaden, aber nicht nützen. Die Blätter sind sich der Nutzlosigkeit jeder Eigenmeinung so bewußt, daß sie allmählich die literarischen Kritiken eingeschränkt haben und sich damit begnügen, den Namen des Buches nebst zwei,drei Zeilen Empfehlung zu bringen, und in zwanzig Jahren wird es sich mit der Theaterkritik wohl ebenso verhalten.Das Aushorchen der Meinungen ist heute die Hauptsorge der Presse und der Regierungen. Welche Wirkung dies Ereignis, jener Gesetzentwurf, jene Rede hervorrief, ist wissenswert für sie. Das ist nicht leicht, denn nichts istbeweglicher und wandelbarer als das Denken der Massen. Man kann es erleben, daß sie das, was sie gestern bejubelten, heute mit dem Bannfluch belegen. Das Endergebnis dieses gänzlichen Mangels an Meinungsrichtung und der gleichzeitigen Auflösung der Grundüberzeugungen ist die völlige Zerbröckelung aller Anschauungen und die wachsende Gleichgültigkeit der Massen wieder einzelnen gegen alles, was ihren unmittelbaren Vorteilnicht greifbar berührt. Wissenschaftliche Lehren, wie der Sozialismus, haben wirklich überzeugte Anhänger nur in den ungebildeten Schichten, z. B. unter Berg- und Fabrikarbeitern. Der Kleinbürger, der halbgebildete Handwerker, sind zu mißtrauisch geworden. Die Entwicklung, die seit dreißig Jahren so verläuft, ist überraschend.

Unstetigkeit
In früheren, gar nicht so weit zurückliegenden Zeiten, hatten die Meinungen noch eine allgemeine Richtung. Sie wurden von der Annahme einiger Grundüberzeugungen abgeleitet. Allein aus der Tatsache, daß man Monarchist war, ergeben sich notwendigerweise aufden Gebieten der Geschichte und der Wissenschaft bestimmte, scharfumgrenzte Ansichten, während der Republikaner ganz entgegengesetzte für sich in Anspruch nahm.Ein Monarchist wußte genau, daß der Mensch nicht vomAffen abstammt, und ein Republikaner wußte nicht weniger genau, daß er von ihm abstammt. Der Monarchist mußte mit Abscheu, der Republikaner begeistert von derRevolution sprechen. Gewisse Namen, wie Robespierre, Marat, mußten mit andächtiger Miene, andre wieder, wie Cäsar, Augustus, Napoleon, nur unter Schmähungen ausgesprochen werden. Bis zu unserer Sorbonne herauf herrschte diese kindliche Geschichtsauffassung. Heute verliert jede Meinung durch Erörterung und Zergliederung ihren Nimbus, ihre Stützpunkte werden schnell unsicher, und es bleiben nur wenige Ideen übrig, die uns zu leidenschaftlicher Parteinahme bewegen könnten.

Wachsende Gleichgültigkeit der Massen
Der moderne Mensch verfällt immer mehr der Gleichgültigkeit. Wir wollen diese allgemeine Erschöpfung der Anschauungen nicht allzusehr bedauern. Daß sie eine Entartungs-erscheinung im Völkerleben ist, läßt sich nicht bestreiten. Wohl haben die Seher, Apostel, Führer, mit einem Wort die Überzeugten, eine ganz andere Gewalt als die Verneiner, Kritiker und Gleichgültigen, aber wir dürfen nicht vergessen, daß eine einzige Anschauung, die genügend Nimbus gewänne, um sich durchzusetzen, mit Hilfe der Macht der Massen bald eine so tyrannische Gewalt erlangen würde, daß sich alsbald alle vor ihr beugen müßten, und die Zeit der freien Meinungsäußerung wäre dann für lange Zeit vorbei. Zeitweilig sind die Massen friedfertige Herren, wie es gelegentlich Heliogabal und Tiberius auch waren, aber sie haben auch wilde Launen. Ist eine Kultur reif, ihnen in die Hände zu fallen, so ist sie zu vielen Zufällen ausgesetzt, als daß sie noch lange Zeit überdauern könnte. Wenn irgend etwas die Stunde des Niedergangs aufhalten kann, so ist es nur die außerordentliche Veränderlichkeit der Meinungen und die wachsende Gleichgültigkeit der Massen gegen alle allgemeinen Grundanschauungen.

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