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Wird städtebauliche Entwicklung flach gehalten?

Spaichingen klotzt zwischen Satteldachhäusern in der Hauptstraße

In diese Baulücke...
(tutut). Ja, zweifellos kann ein Haus aussehen wir ein Klotz. Solche Bauklötze gibt es landauf landab sehr viele. Einst drückten sie Fortschritt und Modernität aus, in den Siebzigern begann die städtebauliche Zukunft als Begleitbeton des Wirtschaftswunders,  während sie heute eher wie Fremdkörper wirken zwischen den Resten historisch gewachsener Bauten.

...kommt dieser Klotz.
Spaichingen hat unter Erwin Teufel als Bürgermeister  mit einem preisgekrönten "Betongebirge" (der damlige Bundesinnenminister Baum) sich ein neues Stadtzentrum aufgetürmt, an dem längst schon herumsaniert werden muss, während manche Ecken neu in die Runde eingepasst werden. An diesem Ensemble kann zur Zeit nur der Rost rütteln, ansonsten genießt es Schutz, sicher auch als Denkmal einer Zeit, da so Stadt mancherorts auch auf dem Land aussah.

Das Behindertenzentrum St.Agnes...
Bedenklicher sind aus städtebaulicher Sicht aktuelle Entwicklungen. Herrscht die große Freiheit in einer Hauptstraße, die als B 14 täglich von über 22 000 Fahrzeugen zum Transportband von Menschen und Waren geworden ist?  Kommt es da nicht mehr darauf an, wie die Ränder aussehen?

...und die Beruflichen Schulen fallen auch aus dem Rahmen der Hauptstraße. 
Die Hauptstraße spegeltnoch das einstige Straßendorf wider, welches sich inzwischen im Talgrund bis die Voralbhänge ausgebreitet hat. Bausünden der Vergangenheit sind begangen und zum Teil längst gebeichtet worden. Im Namen des Zeitgeistes ist Absolution erteilt worden. Dieses Spielchen kann unendlich wiederholt werden, es wird sich auch immer jemand finden, der seine Hände in Unschuld wäscht.

Weitere Flachdachhäuser sind geplant.
Dennoch lässt sich nicht nur über Geschmack streiten, er muss auch stets in Frage gestellt werden. Die Spaichinger Pionierväter haben sich durchaus etwas dabei gedacht,als sie ihre Häuser entlang der Hauptstraße nicht wie aus einem Sack Bauklötze hingeschüttet haben, sondern längs der Straße errichteten und mit Satteldächern krönten,wie es früher üblich war und auch heute nicht als unmodern gilt.

Es geht auch anders, wie u.a. dieses Gebäude zeigt.
Stecken Mut, Unbedachtheit oder der Hang  zu grenzenloser Zukunftsgläubigkeit dahinter, wenn zwischen die Satteldachhäuser flach geklotzt wird. Aber wie: Das war schon in der Vergangenheit so,als der Kirche gegenüber bereits bei der Fertigstellung als Missgeburt anzusehende Gebäude mit der Deutschen Bank entstand. Jetzt hoffen viele Spaichinger, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es die Abrissbirne trifft. Bei Errungenschaften der jüngsten kann davon nicht die Rede sein, auch nicht als Hoffnung. Ob es um den schwarzen Klotz der Beruflichen Schulen geht, die mit dem Namen Erwin Teufel geadelt worden sind, oder um das Behindertenzentrum St. Agnes. Sie fallen in der Hauptstraße zwischen den Satteldächern mit ihren Flachdächern aus dem Rahmen. Aus heutiger Sicht lässt sich der Blickwinkel auch umdrehen: Vielleicht sind die Satteldächer aus der Mode?
Nun schickt sich ein neues klotziges Projekt als Wohn- und Geschäftshaus an, sozusagen aus den  Ruinen aufzuerstehen, die einst Funk Däuble hießen. Flach bedachter Füller einer großen Lücke gegenüber dem Marktplatz, zwischen Satteldächern. Zu den Ausrufezeichen städtebaulicher Entwicklung der letzten Jahre gesellt sich spätestens mit diesem öffentlich nie diskutiertem Projekt ein großes Fragezeichen hinter die weitere Entwicklung der City Spaichingens. Das wäre sicher mal eine Grundsatzdebatte wert.
Einen Bebauungsplan gibt es entlang der Hauptstraße nicht.  Dadurch greift $ 34 des Baugesetzes. Dieser sagt: "Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse müssen gewahrt bleiben; das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden".
Die Frage aller Fragen in Spaichingen also lautet:  Passen aktuelle und frühere Bauprojekte in ihre jeweilige Umgebung? Auf die Antworten der Stadt bzw. des Gemeinderats dürfen die Bürger gespannt sein. Eine Stadt kann so oder so aussehen. Soll es so sein, wie jetzt, oder so, dass sich solche Fragen gar nicht erst stellen?