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Wolfs Chance

Füllt der Landtagspräsident das Führungsvakuum der CDU?

" Unsere Kinder haben Träume, brauchen Platz und schöne Räume, dass der Kreis dies nie versäume, pflanzen  Wolf und Bär dies Bäumle", mit diesem Vers (oder so ähnlich) trat der Landtagspräsident am Donnerstag in Balgheim auf, um ein Geschenk von Bürgermeistern zu seinem 50.Geburtstag noch als Landrat anlässlich der Erweiterung der Sprachheilschule des Kreises zusammen u.a. mit seinem Nachfolger Bär zu pflanzen. Wo er eingeladen wird, auftaucht und meist auch dichtet in Wahlkreis ist er stets der "Landtagspräsident".

(tutut). Manche halten ihn gar für den Regenten des Ländles, wenn der des Dichtens für kundig befundene Tuttlinger CDU-MdL Guido Wolf mit dem Glorienschein eines Landtagspräsidenten versehen nicht nur auf Tour de Wahlkreis unterwegs ist. Das Lokalblatt hat bereits einige Schaufeln Kohle nachgelegt und hält das Feuer am Brennen, um die 50-jährige Neuentdeckung eines Politiktalents nachhaltig der Öffentlichkeit anzupreisen. Erwartungsgemäß hat es nicht sehr lange gedauert, bis auch andere Medien angesichts des Führungsvakuums in der baden-württembergischen CDU auf den einstigen Tuttlinger Landrat aufmerksam geworden werden mussten.
Während die CDU nach dem Verlust der Macht nicht nur den Elitestatus verloren hat, mussten die Mitglieder auch zu ihrer Überraschung feststellen, gar keine Elite zu haben. Die Lücken, die einige Leute hinterlassen haben, füllen die Lücken selber aus. Auf den Weg zur CDU-Spitzenkandidatur bei der nächsten Landtagswahl führt bereits Wolfs Spur, während andere, wie zum Beispiel der Fraktionsvorsitzende Hauk oder der in Berlin residierende Landesvorsitzende Strobl, noch auf der Suche nach Startlöchern sind.
Wolfs Chance ist unübersehbar, er hat sie seit Wochen ergriffen. Ob mit Gedichten oder Selbsteinladungen, ein Landtagspräsident erweckt den Eindruck, zu regieren. An diesem Bild malt das Lokalblatt mit dickem Pinsel mit. Kein Wunder, dass dies von den übrigen Parteigranden eher mit Missmut gesehen wird und sie deshalb versuchen, mit scheinbar programmatischer Basisarbeit gegenzusteuern. Der Erfolg ist bisher mehr als mäßig, wenn ausgerechnet in Wolfs Revier nur 100 von 1500 Mitgliedern das Suchspiel nach "Themen und Profil" (Schwäbische Zeitung) mitmachen.
"Offener, weiblicher,grüner" will die CDU laut Schwäz angeblich werden und zeigt dazu "die beiden baden-württembergischen CDU-Spitzenpolitker Thomas Strobl und Winfried Mack" im Bild. Entscheidend aber ist, was hinten herauskommt, hat Helmut Kohl gesagt. Hinten heraus kommt in diesem langem Artikel kurz vor Schluss nämlich, womit der Professor für Politikwissenschaft an der Uni Tübingen, Hans-Georg Wehling, zitiert wird: "Das Hauptproblem der CDU ist die Personallage". Deshalb kritisiert er Hauk, gegen alles zu schimpfen, was von der Regierung komme, während Strobl "relativ farblos" sei.
Fazit, so die Schwäz: "Den einzigen 'langfristig erfolgreichen Kandidaten' sieht Wehling im Landtagspräsidenten Guido Wolf. 'Der macht, was die Menschen im Land erwarten. Der kann so etwas wie Wärme vermitteln' ". Diese Botschaft vermittelt die Schwäz schon lange, aber es scheint, hierzu fehlt selbst in der CDU noch der Glaube. Vier Jahre bis zur nächsten Landtagswahl sind eine lange Zeit. Wer zu früh startet, den bestraft oft die Partei.