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Zwei große Illusionen der Corona-Krise

"Soziale Frage" und "Rückkehr zur Normalität"

Von WOLFGANG HÜBNER

In der maskierten und auf Abstandhalten getrimmten deutschen Bevölkerung herrschen mehrheitlich zwei Vorstellungen, denen zwar politisch und medial Vorschub geleistet wird, die aber gleichwohl illusionär sind. Die erste Illusion besteht in dem Glauben, die astronomisch hohen staatlichen Hilfen zur Milderung der krisenbedingten wirtschaftlichen Verluste könnten aus der Staatskasse und auf Kredit getragen werden, ohne folgende einschneidende Maßnahmen bei den wahren Finanziers, also dem steuerzahlenden wie auch dem sozial unterstützungsbedürftigen Volk. Die zweite Illusion fußt in dem Glauben, nach ein, zwei Jahren der Krisenbewältigung könne alles wieder seinen gewohnten Gang nehmen. Das ist in beiden Fällen mitnichten so.

Zur ersten Illusion: Bislang läuft das Spiel mit der Finanzierung der Verlustminderung so, dass der Bund bezahlt und die Bundesländer dankbar dafür applaudieren, in ihren Etats keine schmerzlichen Kürzungen vornehmen zu müssen. Das erklärt auch das recht harmonische Zusammenwirken von Bund und Ländern bei der Verkündung von neuen Maßnahmen wie dem nochmals verlängerten sogenannten „Lockdown light“. Je länger dieser aber dauert, desto dringender wird es für den Bund, die Länder und Kommunen auch an den Kosten zu beteiligen. Das wird bald der Fall sein. Bei dieser Lastenverteilung der Gebietskörperschaften darf allerdings nicht aus dem Blick geraten, dass diese allesamt nur über das Geld ihrer Bürger verfügen können, also von Herrn Maier und Frau Müller.

Der Staat kann zwar einige Zeit den Hochstapler mimen, der behauptet, alles „aus eigener Tasche“ zu bezahlen. Und viele Bürger mögen das auch allzu gerne glauben. Doch die Rechnung wird auf jeden Fall präsentiert, nämlich sowohl denen, die dem Hochstapler vertraut, als auch denen, die ihm misstraut haben. Die entscheidende Frage für die Zukunft wird nicht sein, ob die Bürger für ihre Illusion büßen müssen, sondern wer wie hoch büßt und wer verschont wird. Deshalb werden die oft zitierte „Soziale Frage“ und das Problem der „Lastenverteilung“ große Konjunktur bekommen, politische Veränderungen und gesellschaftliche Unruhen inklusive.

Unsicherheit und Gewissheit statt „Neue Normalität“
Zur zweiten Illusion: Wenn politisch Verantwortliche mit Schützenhilfe der Medien verbreiten, nach der Krise und einem gewissen Zeitraum ihrer Bewältigung werde es eine Rückkehr zu dem geben, was als „Normalität“ bezeichnet wird, ist das bestenfalls Selbstbetrug. Es wird noch nicht einmal eine wie auch immer definierte „Neue Normalität“ geben. Was tatsächlich zu erwarten ist, das lässt sich als Dauerzustand der Unsicherheit und Ungewissheit beschreiben. Denn schon in zwei Jahren kann es in der hyperglobalisierten Welt bereits die nächste Pandemie, die nächste Finanzkrise geben. Zwar war und ist das Leben in all seinen Ausprägungen stets unsicher und ungewiss. Doch brauchen alle funktionierenden Gesellschaften und Individuen wenigstens ein Korsett an gewohnten Sicherheiten und Gewissheiten.

Der globalisierte Schuldenkapitalismus hat mit der vergangenen Finanzkrise dieses Korsett schon sehr instabil gemacht, was aber gerade in Deutschland für die Masse noch wenig zu spüren war, jedenfalls als erträglich empfunden wurde und wird. Doch die zusätzlichen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, von den menschlich-gesellschaftlichen Verheerungen ganz zu schweigen, überlasten die Systeme und vernichten kollektive wie individuelle Existenzen bereits jetzt.

Fragwürdige Visionen wie der sogenannte „Great Reset“ oder die „Große Transformation“, der rasante Niedergang der westlichen Demokratien oder der große Wahlbetrug in den USA zeugen von der Nervosität und der Panik herrschender Eliten. Es wird bereits nach Auswegen aus der schon ersichtlichen Sackgasse bisheriger Krisenlösungen gesucht. Wie auch immer diese Suche sich entwickeln mag: Das Festklammern an Illusionen wird kein Ausweg sein.
(pi-news.net)

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