Führungsanspruch von Merz ziemlich großmäulig und verhängnisvoll
Von WOLFGANG HÜBNER
Es ist keine Überraschung, dass Bundeskanzler Friedrich Merz die Gelegenheit der sogenannten „Sicherheitskonferenz“ in München dazu genutzt hat, seinen Kurs der Feindschaft gegenüber Russland, der Militarisierung und des Führungsanspruchs Deutschlands in Europa zu dokumentieren. Trotz miserabler Umfragewerte ist der CDU-Politiker entschlossen, als der Kanzler in die bundesdeutsche Geschichte einzugehen, der gegenüber Russland ins Risiko zu gehen bereit ist. Stolz hat er in München verkündet: „Wir haben Moskau ungeahnte Verluste und Kosten aufgezwungen“.
Damit ist sein in Frankfurt schreibender Chefideologe und Russenhasser Berthold Kohler natürlich ebenso einverstanden wie mit dem kaum verhüllten Anspruch des Kanzlers auf eine hervorgehobene Rolle Deutschlands in Europa: „Der Kanzler setzt darauf, dass es genügend Europäer gibt, die endlich erkennen, was die Stunde geschlagen hat … Wie schwer das den Völkern, ihren Parteien und Politikern fällt, kann man freilich auch schon in Deutschland verfolgen.“
Es muss deshalb mit allen Mitteln dafür getrommelt werden, die Bereitschaft für Konfrontation und Kriegsbereitschaft in Europa, insbesondere in der bislang eher friedensorientierten Bundesrepublik, zu steigern. Dazu tragen auch Bundeswehrspitzen wie Brigadegeneral Frank Pieper bei, derzeit Direktor für Strategie an der Führungsakademie der Bundeswehr. Pieper fordert ganz aktuell taktische Atomwaffen für Deutschland. Doch diese Äußerung und auch die forschen Töne von Merz werden historisch bedingt in nicht wenigen europäischen Ländern sehr gemischte Reaktionen hervorrufen.
Zudem wird auch im Ausland nicht unbekannt sein, dass die Wehrfreudigkeit der jungen Generation Deutschlands gering ist. Der Führungsanspruch von Merz ist deshalb ziemlich großmäulig, gleichwohl aber verhängnisvoll, weil er samt seinen Wadepuhls, Kiesewetters und medial massiv unterstützt, das Land innenpolitisch immer weiter in Richtung Militarisierung drängen. Merz kann das ohne jeden ersichtlichen Widerstand aus der Sozialdemokratie tun, ein neuer Schandfleck in der langen SPD-Geschichte. Umso wichtiger ist es zu verhindern, dass auch noch in der AfD Leute wie der unsägliche Rüdiger Lucassen in die gleiche Kerbe hauen.
(pi-news.net)
