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PACHTVERTRAG MIT PROKON – DIE STADTVERWALTUNG JUBELT SELBSTZUFRIEDEN, VIELE BÜRGER BLEIBEN ENTTÄUSCHT UND RATLOS ZURÜCK
Denn Sie wissen nicht, was sie tun – den Gedanken werden so manche der Besucher gehabt haben, die die Gemeinderatssitzung in der Alten Turnhalle am 10.02.2026 verfolgten. Wie erwartet, wurde der Pachtvertrag vom Gemeinderat durch mehrheitliche Abstimmung beschlossen, und vorausgehend wurde ein Schlagabtausch geliefert, wie man ihn sich bereits früher gewünscht hätte.
Die Bürger jedenfalls hatten nichts zu sagen – Fragen waren nicht erwünscht.
Transparenz? Fehl am Platz. Der Vertrag wurde nicht öffentlich ausgehandelt und gilt als vertraulich.
Die vernünftigsten Argumente wurden an dem Abend von der CDU vorgebracht, mit der Bitte, das Projekt angesichts der Bedeutung und immensen Auswirkungen nochmals zu diskutieren. Der Vertrag sei noch nicht unterschriftsreif, und würde unter Druck abgeschlossen.
Hierbei wurden Bedenken geäußert, die jeden Bürger wachrütteln sollten, und diejenigen Kritiker, die heute schon bezweifeln, dass die Pachteinnahmen für die Stadt langfristig sicher sind, wurde in ihren Zweifeln bekräftigt.
Hier nur einige Beispiele von Aussagen, die aus der Diskussion hervorgingen:
- Es gibt weiterhin Zweifel an der langfristigen finanziellen Situation des Projektierers (CDU),
- Niemand kann voraussagen, wie sich die Welt, Windkraft und Subventionen entwickeln (OB)
- Es fehlt an der wirtschaftlichen Legitimation (CDU)
- Ja, der Vertrag birgt auch Risiken, aber wir müssen jetzt vorangehen (OB)
- Die Gutachten über Lärm, Schall, Naturverträglichkeit, Artenschutz usw. sind nicht neutral und kommen vom Projektierer
- Kuppingens Bitte, sich mit Prokon nochmals zusammensetzen zu wollen, und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten in Bezug auf Verringerung von Naturzerstörung und negativen Auswirkungen auf den Wald wurde von Prokon ignoriert (lt. Markus Speer)
- Für Kuppingen gibt es keine Garantie, dass die Zuwegungsschneisen nicht direkt am Sportplatz vorbeilaufen
- Haslachs vorheriges Ersuchen, ein Windrad zu streichen oder weiter weg von Haslach zu errichten, steht nicht im Vertrag
- allein für EIN Windrad bei Kuppingen soll nach den Bauplänen eine 3 Kilometer lange Schneise durch den Spitalwald fahren, mit sehr breiten Kurvenradien
Kommentar von FHH
Die CDU von Kuppingen bekam dann doch noch kalte Füße, und dies zurecht. So langsam wird klar, was man alles verlieren wird, und dieser Verlust wird unwiederbringlich sein. Leider kam diese Positionierung, und der Vorstoß, sich mehr für den Naturerhalt einsetzen zu wollen, viel zu spät. Schon vor dem Bürgerentscheid hätten die jeweiligen Bedenken von verantwortlichen Lokalpolitikern – und übrigens auch von anderen einflussreichen Geschäftsleuten/Bürgern/Führungskräften – offen geäußert und diskutiert werden müssen, und mit politischer und mehr öffentlicher Unterstützung wäre der Entscheid sicher anders ausgegangen.
Aber dann hätte jeder Politiker, jeder Geschäftsmann, etwas persönlich wagen müssen. Seine eigene Situation wäre vielleicht ins Wanken geraten. Nein, dann lieber seine eigenen Interessen in trockenen Tüchern wissen, und andere nach vorne schicken. Sollen die anderen doch kämpfen. Viel einfacher, zu hoffen, dass man sich gar nicht aus der Komfortzone herauswagen muss, und der Bürgerentscheid für den Erhalt des Spitalwalds ausgeht.
Bis zuletzt hat man diese Taktik verfolgt, und wenig verstanden. Denn wer noch am Abend der Abstimmung von sich gibt, kein „Windkraftgegner“ zu sein (CDU), wird auch keine starke Position in der Argumentation einnehmen können.
Abgesehen von dem politischen Geschehen kann man den Vertragsabschluss zur Verpachtung von Waldflächen an Prokon heute schon als größte Katastrophe für die Stadtgeschichte betrachten. Das Leben ohne den Spitalwald wird nie wieder sein, wie es war, und viele Gründe dafür wurden bereits vorgebracht.
Auch setzt sich die Stadtverwaltung über zahllose Warnungen von Experten wie dem Dachverband Deutscher Hydrogeologen hinweg, der eindeutig sagt, dass ein Bau von Windkraftanlagen in Wasserschutzgebieten nicht tragbar ist. Somit gefährdet die Stadt das wichtigste Lebenselixier für die Menschen und Tiere: Wasser.
Die Entscheidung zur Verpachtung des Spitalwalds im Gemeinderat zeigt aber noch etwas ganz anderes. Sie spiegelt die Veränderung in der Gesellschaft wieder, dass alte Werte wie Naturverbundenheit, Mitgefühl mit leidenden Mitmenschen und mit wehrlosen Tieren, Nachbarschaftlichkeit, Respekt und vieles mehr nicht mehr zählen. Heute sitzen technokratische Entscheidungsträger in allen Versammlungen und Gremien, und wünschen sich immer größere, schnellere, Technik, mehr Geld, Digitalisierung.
Die Menschen haben verlernt, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, und was eigentlich Freude ist.
Freude ist nicht, seine Aktienkurse steigen zu sehen. Diese Freude wäre selbstbezogen, materiell und armselig.
Freude ist, sich an tanzenden Baumkronen, an Blätterrascheln im Wald, an einer Osterglocke am Wegesrand, an einer Begegnung mit einem Reh, an einem Ruf des Uhus zu erfreuen. Freude ist, frische Luft zu atmen, sauberes Wasser zu trinken, mit Freunden an der Haslacher Grillhütte zu grillen, im Grünen Tennis zu spielen, seine Runden mit dem Hund zu drehen. Freude ist, Tannenduft einzuatmen, sich in einer ruhigen, natürlichen Umgebung entspannen zu können.
Sich dankbar als Teil eines ganzheitlichen Universums voller Magie und Geschenken der Natur zu erkennen, das ist Glück, das ist Lachen, das ist Herz, das ist Seele.
Der Herrenberger Gemeinderat hat sich mit diesem Vertrag für Pachteinnahmen entschieden, und wird zum Erfüllungsgehilfen einer unsicheren, umstrittenen, naturfeindlichen Energiepolitik.
Er verkauft somit das kostbarste Gut der Bürger, die Lebensfreude.
Er hat sich mit diesem Vertrag für Armseligkeit entschieden.
Martina Raimund
Stellvertretende Vorsitzende
Freie Horizonte Herrenberg https://freie-horizonte.org

